Großvaterjacke mit Sixties touch

Et voilà, eine gemütliche Jacke! Eigentlich war sie als Ergänzung zur anthrazitfarbenen Hose und dem grafischen Shirt vom letzten Beitrag gedacht. Der starke Kontrast der Weiten zwischen Shirt und Jacke hat mir dann doch nicht so gut gefallen, so dass ich jetzt anders kombiniere. Aus der gleichen Stoffart (Viskose-Polyestermischung) wie die Jacke hatte ich schon vor längerer Zeit einen Pullover genäht, passender in der legeren Form und ähnlich in der Farbe.

Das wäre die angedachte Kombination gewesen.

Hier die Armweite und wie es im Sitzen aussieht. (Die Familie hat es gerade noch geschafft, aus dem Bild zu verschwinden, aber kaum mehr Lust, mich zu knipsen. Deswegen mache ich immer neue Experimente, es allein hinzukriegen.)

Zuerst wollte ich einen Kastenpullover nähen. Weil man aber auch das Shirt gut sehen können und die Farben zusammen wirken sollten, bin ich zu einer Art Großvater-Strickjacke gekommen. Sie hat einen sehr weit nach unten gezogenen Ausschnitt und daher eine tief angesetzte doppelte Knopfleiste.

Das Besondere ist die Konstruktion der Ärmel. Sie setzen nicht am Schulterpunkt an, sondern schon innerhalb des Rumpfes. Ich habe mir gedacht, ich probiere diese Ärmelanlage (hier ein Beispiel, was damit gemeint ist) mal aus, weil sich aufgrund des großen Ausschnittes sowieso alles herunterziehen würde und die Ärmel dann doch irgendwie am Schulterpunkt landen würden. Das Buch (Müller& Sohn, „Kleider und Blusen“) zeigt eine Bluse als Beispiel zur Anwendung. Das Armloch vom Blusengrundschnitt, welches auch hier als Basis dient, ist sechs Zentimeter vertieft; das ist schon recht viel. Die Schultern wirken sehr schmal, wie ich finde.

Aber ich denke, da schaut man gar nicht hin, sondern auf den aufwendigen Verschluss. Und zu tragen ist es wirklich sehr angenehm. Nach etwas Abstand vom Nähen habe ich mal wieder meiner Vorliebe zu schönen Knopflöchern gefrönt. Eine kleine Bildergeschichte:

Die Paspelknopflöcher sind durch Aufnähen eines Stoffstückes auf die rechte Seite entstanden. Wenn sie im Oberstoff soweit fertig sind, wird auch der Besatz/Beleg eingeschnitten und die Kanten werden nach innen geschlagen, um sie von Hand festzunähen. So sieht das Knopfloch von beiden Seiten gleich schön aus.

Es gibt nur einen Innenknopf. Der Beleg bleibt an sich lose. Zuerst wollte ich von außen sichtbar durchsteppen von halber Armausschnitthöhe zum Saum, so dass es wie ein Seitenteil aussieht, aber das ist gar nicht nötig. Er wird durch Knopflöcher, Knöpfe und Untersteppung an der Kante genügend gehalten.

(Ich werde im Folgenden den Begriff „Beleg“ verwenden, wie alle anderen Näher auch, wenn ich eigentlich „Besatz“ meine. Ich glaube das von früher von Burda so kennengelernt zu haben. Logischerweise muss ja ein Besatz etwas Aufgesetzes sein, wie eine Borte, wenn ich es mir recht überlege.)

Zum Abstandhalten nehme ich zwei Streichhölzer. Der Innenknopf braucht nämlich einen Stiel. Tja, und diese bezogenen Knöpfe sind noch mal ein Kapitel für sich. Mit denen bin ich anfangs gar nicht klargekommen. Der Stoff war wohl zu dick. Schließlich habe ich Jersey genommen, mit einer Extraschicht genau in Knopfdurchmesser drunter, damit das Metall nicht so durchblitzt. -So sieht ´s aus! Von hinten gibt ´s nichts besonderes zu sehen, nur einen breiten, abgesteppten Saum. Ist doch ganz nett mit dem Jeansrock vom letzten Sommer, nicht? Mit Strumpfhosen trage ich ihn jetzt oft.

Ich mag die Jacke, obwohl sie etwas ungewöhnlich anzuschauen ist. Denn gemeinhin denkt man doch, eine seitlich weite Jacke muss auch überschnittene Schultern haben. Wenn man diese Luft unter dem Arm erträgt, könnte man sogar sagen, die Nahtlinie korrespondiert schön mit der Ausschnittlinie. Und die wiederum mit der Reißverschlussabsteppung vom Rock, wenn die Jacke offen steht. Aber sagt selbst!

Dieser Beitag ist verlinkt mit dem MeMadeMittwoch.

Slimline – Shirt wie Hose

Noch im Wintermodus hatte ich mir eine Kombination von Stoffen zurechtgelegt, die zusammen eine vollständige Garderobe ergeben sollten. Aus dem „Dunkelbunten“ ist ein Shirt, eine Hose und ein Cardigan entstanden. Letzterer war auf dem Bild noch in Planung.

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Raglan- Shiftkleid

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Hier noch etwas aus meiner Testreihe Raglankonstruktionen. Der Stoff ist ein Romanitjersey, den ich auch für das Weihnachtskleid von 2016 verwendet habe. Dieses hätte auch fast ein Weihnachtskleid sein können, wird doch immer gern nach bequemen Schnitten gefragt. Ausgehend von einem Kleidergrundschnitt habe ich sämtliche Taillenabnäher weggelassen und an der Hüfte sogar noch etwas weggenommen, da es sich bei dem Stoff um querelastisches Material handelt, Stichwort „negative ease“. Die Seitennaht geht vom erweiterten Armloch zum Saum ganz gerade herunter. Das Kleid ist zum Hineinschlüpfen, ganz ohne Verschlüsse. Zur Auflockerung der großen Fläche ist auf Hüfthöhe eine horizontale Falte eingelegt und fixiert. Das finde ich in so fern interessant, als dass man denken könnte, es handelt sich um ein Set aus Pullover und Rock.

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Latzkleid aus Breitcord

Ein Kleidungsstück mit Latz, sei es Hose, Rock oder Kleid, habe ich noch nie genäht, deshalb musste ich das auch mal ausprobieren. Hier mein erstes Ergebnis. Die Packung der Verschlüsse enthielt drei Paar, also macht euch auf was gefasst… Zuerst wollte ich aus dem grauen Cord eine Hose machen, dann dachte ich an ein knielanges Kleid mit ausgestelltem Rock. Sollte es eher lustig oder burschikos sein, oder wollte ich mehr mit strengem Design arbeiten, das dann in silber und grau auch edel wirken kann? Letzteres bekam Oberhand.

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Das Kleid von Adele B.-B. Teil 3

Weiter geht es mit der textilen Umsetzung des Gemäldeporträts von Adele Bloch-Bauer von Gustav Klimt. Wenn es noch als diesjähriges Weihnachtskleid für den MeMadeMittwoch durchgehen soll, muss ich mich ein bisschen ranhalten. Damit war ich schon Ende September angefangen und mache jetzt nach zwei zwischengeschobenen Projekten weiter. Ein bisschen Abstand von einer Arbeit tut manchmal ganz gut.

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