Upcycled Herrenhemd

Top4Und noch ein sommerliches Oberteil kann ich heute zeigen. Es ist aus einem langärmeligen, wenig getragenen Herrenhemd gemacht. Der Stoff wirkt meliert, denn Kette und Schuß sind von unterschiedlicher Farbe (weiß/orange).

Das entstandene Trägertop sieht aufwendiger genäht aus als es wirklich war, denn die vorgefertigten Details konnten so übernommen werden, wenn auch deren Funktion nicht immer klar wird. Aber das ist ja auch Absicht bei solch einem Projekt. Das Auge soll verwirrt werden, soll das Bekannte in einem neuen Kontext sehen. Das Unkonventionelle wirkt kreativ. Man kann hoffen, der Mensch, der so etwas trägt, ist es auch, beziehungsweise kann auch mal quer denken.

Top3Der selbstgemachte Schnitt ist eigentlich sehr einfach: Der große Brustabnäher eines Grundschnittes ist nach unten gedreht und mit in den Taillenabnäher gelegt. Er ist dort nicht genäht sondern offen gelassen, so dass viel Weite entsteht. An der Seitennaht habe ich dafür vom Saum nach oben hin auslaufend weggenommen. An der Seite ist nur wenig tailliert, hinten normal, wie es der Grundschnitt vorsieht.

Die Falten sind beim Zuschnitt einfach glatt festgesteckt gewesen und gar nicht weiter beachtet.

Die Manchetten, die je zwei Knöpfe hatten, sind über der Brust geschürzt, rechts über links geknöpft, versteht sich. Die schöne Rundung ist nur rechts zu sehen, denn die andere Manchette musste ich umdrehen, sonst hätten sie nicht aneinander gepasst. Für den hinteren Bund habe ich aus dem ursprünglichen Rückenteil neu zugeschnitten und mit Gewebeeinlage verstärkt.

Zunächst hatte ich beide Bundteile an der Seitennaht glatt aneinander genäht. Fürs Armloch war das keine gute Lösung, denn den verstärkten Stoff mit Band oder Beleg einzufassen, hätte die Stelle noch dicker werden lassen. Daher habe ich auch hier Bögen gemacht. Die industrielle Einlage ist unglaublich gut geklebt und kaum abzubekommen ohne den Stoff auszufransen, dennoch habe davon wegschneiden  und die Kanten eingeschlagen nähen können. Zwischen den Manchettenteilen habe ich einen verstärkten Steg eingesetzt.

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Das Vorderteil besteht ausschließlich aus Teilen von den Ärmeln. Die Zwillingsnähte waren schon da. Zu beiden Seiten sind Stoffstücke mit einfacher Naht angesetzt und abgesteppt. Neben dem Ärmelschlitz habe ich die Falten neu gelegt und bis zum Saum laufen lassen, wo sie von der wiederverwendeten Knopfleiste gefasst sind. Sie ist übrigens umgedreht und die Knöpfe sind nach dem Einfassen neu angenäht.

 

Den gerundeten Saum vom Rückenteil habe ich übernommen. Die Träger sind aus der abgeschnittenen Knopflochleiste. Ich hatte Glück mit den Längen, es kam alles gerade so hin.   -Fesch, oder? Bei RUMS seht ihr noch viele andere schöne Sommersachen!

 

 

Top mit Flechteinsatz

Eigentlich trage ich sehr selten Ärmelloses, weil ich mich eher dünn finde. Da ich aber schon fleißig beim Jahres-Sew-along von „Fräulein An“ mitgemacht habe, möchte ich auch bei diesem Thema nicht kneifen. Seht, was ich mir ausgedacht habe und wie ich es gemacht habe!

Top10Für dieses Top habe ich meinen Grundschnitt nach Teresa Gilewska etwas verändert. (Buch: „Schnittkonstruktion in der Mode“, wobei im zweiten Band „Schnittabwandlungen“ finde ich die noch einmal gezeigte Konstruktion noch verständlicher.)

Das normalerweise für Ärmel konzipierte Armloch habe ich verkleinert, indem ich an der Achsel höher gezogen habe. Dadurch ergab sich auch mehr Brustabnäher. Ich wollte ihn von der Seitennaht herkommend, jedoch passte er nicht mehr so richtig.

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Also habe ich wieder aufgemacht, ein kleines Stück am Armloch und die weitere Seitennaht aber geschlossen gelassen und anprobiert. Nachdem ich am Körper gefaltet hatte, ergab sich, dass der Abnäher um einen Zentimeter nach unten parallel versetzt gut passte. Merkwürdig, bisher dachte ich immer, der Brustpunkt in meiner Konstruktion sei okay.

Die Taillenabnäher habe ich nur im Rücken etwas runder weggenäht wegen dem Hohlkreuz. Unverzichtbar ist leider auch die Naht in der hinteren Mitte, denn da steckt im Prinzip ein Abnäher drin. Die Hüfte ist leicht ausgestellt.

 

Der besondere Clou ist das Flechtwerk aus zum Schlauch genähten Bändern. Nachdem ich ein bißchen herumprobiert hatte, habe ich ein Foto gemacht und mit einem Zeichenprogramm am Computer weitergemacht. Die Größenverhältnisse waren so schon mal geklärt. Auf meine ausgedruckte, schön symmetrische Vorlage konnte ich die Bänder auflegen und die Kreuzungspunkte mit Stecknadeln fixieren. (Sie sind später von hinten miteinander vernäht worden.) Mit Tonpapierstreifen wäre ich in der selben Zeit wahrscheinlich zu einem ebenso guten Ergebnis gekommen.

 

 

Die Bänder der Einfassungen sind mit Vlieseline verstärkt, allerdings nicht dessen Nahtzugaben. Die Armabschlüsse sind wie Besätze gearbeitet, von links aufgenäht, nach vorn umgeschlagen und die Nahtzugabe dann von Hand fast unsichtbar eingeschlagen befestigt.

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Das Flechtteil ist zunächst auf das vollständige Vorderteil aufgesetzt, weil ich anders schwer eine Nahtlinie festlegen konnte bei dem unteren gebogenen Abschluß. Nachdem der überschüssige Stoff weggeschnitten war, konnte ich die Nahtzugabe festnähen und habe erst dann das Band eingeschlagen fixiert. Überhaupt waren sehr viele Handnähte zu machen, eine richtige Bastelarbeit.

Der verwendete Stoff ist übrigens Stretch-Popeline. Hier ist noch eine Bluse aus dem gleichen Stoff zu sehen.

Da das Top rot ist, passt es auch gut in die  Sammlung von „Tweed and Greet„, wo diese Farbe gerade zum Thema ernannt ist.

Grafik trifft Farbe

vonvornHeute stelle ich ein Outfit vor, das ein wenig retro anmutet. Die einfache Farb- und Formensprache sowie das Spiel der grafischen Linien erinnern an Pop-Art und Op-Art, die sich in den 60er Jahren entwickelten. Op-Art ist bekannt für seine optischen Täuschungen, die mithilfe geometrischer Experimente erreicht wurden. Auch ist eine Nähe zu Comic und Werbung vorhanden, denn sie nutzen dieselben plakativen  Ausdrucksmittel.

Dass es in diese Richtung laufen würde, ahnte ich allerdings noch nicht, als ich den Zackenrock in den Inspirationen zum Vivien-Westwood-Sewalong gesehen habe. Da ich Geometrie liebe, wollte ich die Herausforderung annehmen, diese Schnittidee umzusetzen. Nur gibt es jetzt Streifen statt Karo. Weiterlesen