Weihnachtskleid – Sew along – Teil 2

So wie auf der Zeichnung soll das Kleid werden, nachdem das Gemälde daneben die Inspirationsquelle war. (Was genau haben diese beiden Bilder gemeinsam…? – Siehe vorigen Beitrag.)

Das sind die Stoffe: Dupionseide, Baumwollsatin, Polyamid. Die Farben sind sehr schwer einzufangen. Der dritte Stoff ist eigentlich mehr ein schilfgrün, nicht braun. Außerdem probiere ich ein schwarzes Wirkfutter aus, denn die Satinstoffe haben auch Stretch.

Satin

Stoffe

Der Schnitt leitet sich von einem selbstkonstruiertem Kleider-Grundschnitt nach Müller&Sohn ab. Man sieht, der große Brustabnäher ist zur Seite rotiert. Die Unterteilungen für den Einsatz am Decolleté sind eingezeichnet. Die Naht des schwarzen Streifens möchte ich vom leicht erweiterten Halsausschnitt senkrecht bis zum Saum laufen lassen. Den Taillenabnäher habe ich dabei gleich in die Naht integriert. Er ist ein bißchen zur Mitte hin verschoben. Die Schnittteile für den schwarzen Streifen füge ich schon als Papier zusammen, so dass ich weder zwei Teile habe noch einen Brustabnäher nähen muss. Es ergibt sich ein kleiner fehlender Keil links vom Brustpunkt, was bedeutet, dass ich dort etwas einhalten muss.

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Auf der anderen (rechten Körper-) Seite ist der Brustabnäher etwas vergrößert, denn ich habe das obere Ende des Taillenabnähers durch Rotieren integriert. Deswegen sieht die Unterteilung unter der Brust etwas schräg aus, was aber eigentlich durchgängig gerade ist. Im grünen Schnittteil ist der Taillenabnäher an seiner normalen Stelle geblieben. Im angesetzten Rockteil sollen dann noch Falten sein. Die Ärmel sind schlicht eng, mit Ellenbogenabnäher und kommen verschiedenfarbig. Apart, nicht? Das Futter kommt ganz einfach nach Grundschnitt bis etwas über die Hüftlinie hinaus frei hängend.

Ein paar Teile habe ich auch schon zusammengefügt.

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Bei den Falten im Rockteil habe ich das Schnittmusterpapier und den Stoff aufeinanderliegend gefaltet und auch so gebügelt. Es ist also fast so wie beim Plissieren gemacht. Nach dem Entfernen des Papiers habe ich alles nochmal sorgfältig nachgebügelt. Ich hatte mich schon auf eine langwierige Prozedur eingestellt. Es war jedoch relativ schnell ordentlich gemacht. (Zum Falten war der Stoff auf das Papier gesteckt.)

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Die Rückseite des Kleides kann natürlich auch nicht völlig symmetrisch gearbeitet sein, das wäre ja langweilig. Die waagerechte Unterteilung von der Vorderseite unter der Brust ist hier fortgeführt. Die Ärmel bekommen farblich eine Fortführung. Man soll denken, das Kleid ist hauptsächlich grün und hat andersfabige Akzente. Wobei, hinten ist auch viel schwarz zugegebenermaßen. Es kommen weder Falten noch Schlitz hinein, weil ich denke, dass durch die Falten vorn genug Weite vorhanden ist.

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Der Einsatz am Halsausschnitt ist mit Falten geschmückt. Damit es nicht so aufträgt, habe ich die Rückseite mit dünnem Stoff hinterlegt, anstatt die Falten in doppelter Stofflage zu verwenden. Sie sind so auch gegen Aufspringen an der Ausschnittkante gesichert. Man muss schon ein bißchen an Klaviertasten denken, nicht? Rund um den Halsausschnitt brauche ich dann noch Besätze.

Ihr seht, es geht mit großen Schritten voran. Was machen die anderen Teilnehmer des Sew alongs? Schaut nach auf dem MeMadeMittwoch-Blog!

 

Weihnachtskleid – Sew along – Teil 1

Zuerst ein Rückblick, was es in den letzten Jahren bei mir um diese Zeit gab, auch wenn ich nicht immer direkt am Sew along teilgenommen habe:

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Das drapierte Kleid von 2016
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Die Nickijacke von 2017
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Die Satinbluse mit der Schlagleggings 2017

Die diesjährige Inspiration:

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Irgendwie neige ich wieder zu Gold, habe ja noch die Idee von einer kleinen Kollektion zusammenpassender Teile, zumindest thematisch. In Wien kaufte ich ein paar Postkarten und auch ein bißchen Stoff und Borte. Ein besonders schön gestalteter Teller musste auch mit. Das Kleid der Frau in Gold, Adele Bloch-Bauer gemalt von Gustaf Klimt, nachzuarbeiten beziehungsweise erst einmal zu interpretieren, wäre eine Herausforderung. Man könnte mit Stoffmanipulationen arbeiten, also plastische Flächengestaltung durch Faltungen und Drapierungen erzeugen oder auch Perlen verarbeiten, besonders an der Ausschnittkante und an den Ärmeln.

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Oder vielleicht fange ich besser mit etwas Einfacherem an. Ein Patchworkkleid in verschiedenen Goldtönen wäre ein Traum. Stellenweise könnten breite Borten mit Voluten eingearbeitet sein.

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So ganz Kleingemustertes ist schwer zu realisieren. Einen solchen Stoff gibt es ja wahrscheinlich nicht. Farbe und Struktur kommen bei mittelgroßen Flächen auch besser heraus. Als Schnitt stelle ich mir einen Grundschnitt vor, den man entsprechend unterteilt. Die Abnäher müssten in den Nähten liegen.


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Das Bild von Margarethe Stonborough-Wittgenstein, ebenfalls von Klimt gemalt, enthält neben dem hübschen Porträt (die gemalte fand sich nicht wirklich getroffen) interessante geometrische Elemente. Er kombinierte oft Figürliches mit flächigem Dekor. Man weiß nicht, ob die Dargestellte in einem realen Raum steht, denn der ist nur angedeutet, abstrahiert. Größe und Farbintensität der Flächen sind nicht willkürlich gewählt, denn es sollte eine Harmonie hergestellt werden. Eine große Fläche in gedämpften Tönen hat genausoviel optisches Gewicht wie eine kleine in einem knalligeren Ton. Die rechteckigen Formen sollen wahrscheinlich Klaviertastatur andeuten, denn das Haus Wittgenstein war sehr musikalisch. Berühmte Musiker wie Brahms und Mahler gingen dort ein und aus. Es ist also nicht alles nur optische Spielerei, sondern auch Information mit im Bild untergebracht.

Die Experimente der Wiener Werkstätten (gegründet 1903) haben auch den Maler beeinflusst. Diese Möbelstücke, zu sehen im Leopold-Museum in Wien, sind Produkte aus dieser Zeit. Es lohnt sich, die neu konzipierte Dauerausstellung „Wien 1900“ zu besuchen und den Aufbruch in die Moderne, die Entwicklung des Designs nachvollziehen zu können. Und ich war erstaunt, wie spät dran wir mit unserem Bauhaus, gegründet vor genau 100 Jahren bekanntermaßen, eigentlich waren. Man lernt, dass die Arts and Crafts- Bewegung in England um 1850 schon den Weg bereitete…

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Mich interessierten neben der markanten Farbkombination die schmalen Musterstreifen, die bei Kleidungsstücken beispielsweise für Kantenabschlüsse nutzbar sind.

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Nun ja, es ist kein Gold dabei, kühles silbergrau mit grün ist jedoch nicht weniger edel. Das weiße Kleid ist auch wunderschön, würde ich jedoch so nicht nacharbeiten wollen. Soviel Stoff trägt ja heute kein Mensch mehr. Wahrscheinlich handelt es sich um die Anfang des letzten Jahrhunderts so viel verwendete Baumwollspitze oder auch um Samt-Moiré, wie in der Klimt-Biografie von Susanna Partsch, aus der auch die Bilder sind, gemutmaßt wird. Die Plastroneinsätze, die auf alten Fotos zu sehen sind, sind mir auch im Kopf herumgegangenen. Durch das Korsett wurde eine Haltung erzeugt, die die Brust besonders hervorhob. Letzte Relikte davon könnte ich in meinem Design unterbringen. Vielleicht schadet eine runde Form in einem sonst rechtwinkligen Design zur Auflockerung nicht, denke ich mir.

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Ich nehme nun also Formen und Farben auf, versuche aus allem etwas Neues zu kreieren. Den Entwurf vom letzten Bild werde ich wohl umsetzen. Ich finde ihn modern und altmodisch zugleich mit den Falten auf Hüfthöhe. Als Stoff habe ich dafür Dupionseide oder Satin im Sinn. Dieses Kleid wäre vielleicht für mehr Anlässe zu gebrauchen, da es nicht ganz so offenherzig ist.

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Was meinst Du als Leser dazu? Welche Idee ist am interessantesten und was lässt sich wie umsetzen? Schreibe mir gern deine Meinung. Dies ist ein Mitmachblog! Und wie sieht es bei den anderen Teilnehmern des Sew along aus? Der MeMadeMittwoch sammelt die Beiträge!

Ärgerlicherweise war die Kommentarfunktion zeitweilig deaktiviert, aber jetzt ist sie wieder da. Und das ausgerechnet beim WKSA!

Das Efeukleid

Der beigegrundige Baumwollstoff dieses Kleides thematisiert altes mit Efeu überwuchertes Gemäuer. Da passt der wohlbekannte Fotohintergrund im Garten doch erstklassig. Als das Kleid entstand, hatte ich diesen jedoch noch gar nicht zur Verfügung. Die dargestellten Risse und die blassen Farben lassen Staub und Hitze vermuten, womit sich der Stoff gut für Sommerkleidung eignet. Für meine Verarbeitungsweise fand ich ihn fast etwas zu dünn. Er ist wohl eher für weite Flatterhosen entworfen gewesen.

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Jil Sander – Sew along Teil 4

Wie überall steht vor dem Vergnügen die Arbeit, hier ganz besonders. Es waren fünf Konstruktionsansätze und zwei mehrfach modifizierte Probeschnitte nötig bis ich zufrieden war. Die Modefirmen haben es relativ leicht, denn sie haben Programme, bei denen sich von einander abhängige Maße automatisch mitverändern. Ich dagegen zeichne, schneide und klebe bis zum Abwinken und beneide sie ein bißchen. Aber da muss ich wohl durch, wenn ich so furchtbar neugierig bin.

Das Füttern habe ich folgendermaßen gelöst: Weiterlesen