Sweatjacke in magenta

Zur Abwechslung habe ich mal was Sinnvolles für jeden Tag genäht. Sweatjacken sind meine ständigen Begleiter, wenn ich ehrlich sein soll.

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Die von Clemens und August* habe ich besonders gern, denn sie sind unschlagbar im Preis, bequem, unkompliziert und ohne werbenden Schnickschnack. Ich habe sie in mehreren Farben. Für den Sport und für den Sommer hätte ich gern noch eine weiße Jacke gehabt, jedoch war meine Größe ausverkauft. So etwas nachzunähen kann ja wohl keine große Hürde sein, dachte ich mir.

Beim Stoffkauf gefiel mir neben weiß dann auch noch magenta. Der Ton passte sogar noch besser zu meinen schon vorhandenen Sportsachen, wie sich zuhause herausstellte. Mit der Farbe bin ich dann erstmal angefangen. Vor weiß habe ich wie andere auch, wie ich letzthin gelesen habe, mehr Respekt. „Als wenn ich mich gleich nach der Gartenarbeit mit ungewaschenen Händen an die Nähmaschine setzen würde.“ Ich musste lachen.

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Das Selbstnähen lohnt sich nur, wenn man diese besonderen Wünsche hat, denn allein ein Reißverschluss kostet vor Ort schon mehr als die ganze Jacke. Ist das noch normal? Alle Welt wettert gegen niedrige Löhne am anderen Ende der Welt, aber ich kleine Bastlerin darf teuer kaufen. Dagegen hat niemand was…

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Also habe ich den Schnitt abgenommen, was tatsächlich keine große Nummer war, und mir die Verarbeitung genauer angeschaut. Und ich habe wieder was dazugelernt. Wie ich vorgegangen bin, um das Gesehene nachzubauen, zeige ich gleich mal. Wahrscheinlich erzähle ich denjenigen, die Schnittmuster kaufen nichts Neues, weil das alles schon in den Anleitungen steht!?

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Schön ist die Einfassung der Reißverschlusskante. So sieht es nicht so roh aus, wenn die Jacke offen getragen wird. Dazu habe ich zuerst einen schmalen Streifen auf die RV-Kante genäht, mit Zickzack von der Vorderseite her. Erst danach wurde der Reißverschluss eingenäht.

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Wichtig finde ich die Stabilisierung der Kante mit Formband, denn die Dehnbarkeit des Materials kann ich hier nicht gebrauchen. Die beiden Kanten habe ich Stoß an Stoß aufs Bügelbrett gelegt, genau ausgerichtet mit oberer Taschenkante, Saum und Halsausschnitt. Darüber legte ich den Formbandstreifen und bügelte ihn fest. Und jetzt kommt es: Das Formband einfach in der Mitte längs durchschneiden, so dass die Vorderteile wieder einzeln sind. Sie sind so auf jeden Fall gleich lang und ich bekomme keine Probleme.

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Nachdem der Reißverschluss drin war, habe ich den Streifen eingeschlagen festgenäht, aber ohne den Oberstoff mitzufassen, d.h. man muss umfalten. Dadurch, dass die Kante des Reißverschlusses etwas fester ist, hat man eine gute Richtlinie.

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In einem weiteren Arbeitsgang habe ich die Absteppung vorgenommen und zwar von hinten im Nahtschatten der vorigen Naht. Man sieht also nur diese eine Linie vorn wie hinten. Die Genauigkeit von vorn gesehen finde ich zufriedenstellend. Chinaware ist manchmal auch nicht besser… nein, ich finde die Methode toll. Der Streifen muss auch nicht länger als der Reißverschluss sein, denn da kommt noch was drüber.

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Das Verdecken der Nahtzugaben zwischen Rumpf und Kapuze mit einem Webband gefällt mir. Das Band wird beim Annähen der Kapuze mitgefasst, auf die Kapuzenseite aufgelegt. Dann klappte ich die Nahtzugaben auf den Rumpfteil um und nähte sie fest.

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Wenn ich an der Bandkante entlang nähe, ist das von der rechten Seite als Absteppung zu sehen. Das Band gibt mir genau den Abstand vor. Natürlich soll nichts hervorschauen. Das musste ich erstmal sicherstellen durch leichtes Zurückschneiden. Gleichzeitig versäubere ich damit den Abschluss am Reißverschluss. Das Raffinierte ist, die Kapuze erst nach Einnähen des Reißverschlusses anzunähen. Sonst bin ich immer so vorgegangen, dass ich das Kleidungsstück komplett fertig genäht und dann erst die Verschlüsse angebracht habe.

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Ösen einschlagen brauchte ich nicht; Knopflöcher zu machen wie beim Original geht nämlich auch. Als Kordel habe ich einfach das gleiche Webband genommen. Auch extra Bündchen brauchte ich nicht zu kaufen, denn die sind aus dem gleichen Stoff doppelt genommen. Einzige Änderung am Schnitt war eine leichte Kürzung und Reduzierung der Weite am Handgelenk. Mein Stoff ist leicht dicker und es wurde etwas wuchtig. Außerdem mag ich beim Sport nicht so viel Stoff um die Hände. – Ich bin glücklich mit dem Resultat!

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Dieser Beitrag ist verlinkt mit der Linkparty „Frau freut sich“ von Karin/Grüner nähen – bunter leben.

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Rock nach Miro

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Ein sommerlicher Rock aus Leinen ist entstanden. Die Inspiration lieferte der Maler Joan Miro, der am ehesten den Surrealisten zuzurechnen ist. Auf einer fast rohen Leinwand malte er verträumt poetische Figuren. Ich applizierte in vereinfachter Weise die Intention des abstrakten Bildes: Ein entspannter Spaziergang mit Frau und Kind und Hund.

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Für die großen Motive brauchte ich viel Fläche. Ihr wollt nicht wissen, wieviel ich herumgerechnet habe, um aus den vorhandenen 2,85m Stoff einen kniebedeckenden Tellerrock herauszubekommen, der auch noch in Falten gelegt ist. Kürzer hat immer sowas kesses, das wollte ich nicht, eher in Richtung Ethno. Ohne Passe war es nicht möglich, wenn keine weiteren Nähte als die seitlichen vorhanden sein sollten. Mehr Nähte, z.B. im Faltenboden, würden das Gewicht und den Fall verändern. Und auch so habe ich einlagig und quer zum Fadenlauf zuschneiden müssen. Durch die größtmögliche Tiefe der Quetschfalten weiß ich immer, bis wo die Falten reichen und wie zu bügeln ist. Ob soviel Stoff hätte sein müssen, weiß ich auch nicht so genau. Und warum sind die Falten festgebügelt? Damit ich weiß, wo das Motiv hin muss? Der „Ordnung“ wegen? -Nun da der Prototyp fertig ist, könnte man es auch lockerer mit Rollfalten versuchen. Es hat doch was Strenges. Aber ich finde es gut, dass es eine Unterbrechung gibt zwischen den Bahnen, die man bei Kellerfalten ja nicht gehabt hätte.

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Die Farbflächen sind aus kleinen Stoffstückchen zusammengesetzt, genau nach Vorlage. Mit diesem Paperpiecing, so heisst es wohl, wenn man auf Papier näht, sollte ich mich mal genauer befassen. Ich hatte es einfach so probiert und daher etwas mühselig. Als die Flicken dann fertig waren, habe ich sie über eine Bügelschablone aus Pappe gezogen, um die Kanten einzuschlagen. Dafür habe ich von einer Ecke aus einmal rundherum einen Faden geheftet, der dann angezogen werden kann.

Die schwarzen Linien sind durch Makrameeband realisiert. Ich habe es aus dem DIY-Schmuckbedarf. Wie die dünne Schnur befestigt werden sollte, musste ich erstmal testen. Couching, also spiralförmiges umnähen, funktionierte nicht so gut, weil die Linie zu ausgefranst aussah. Das direkte Durchstechen brachte ein besseres Ergebnis. An den Enden ist sie mit einer dicken Stopfnadel durch den Stoff nach hinten gezogen und mit einem einfachen Knoten gesichert. Den habe ich später noch etwas durchnäht, damit er sich nicht lockert.

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Ich finde dieses plastische der aufgesetzten Farbflächen richtig toll, sie wirken fast wie Lackfarbe mit viel Oberflächenspannung. Wie mir überhaupt dieses Handwerkliche gefällt; meinetwegen darf es gern etwas vorindustriell aussehen. Die Motive haben nichts weiter zu bedeuten, sie sind nur vereinfachte Variationen des Bildes. Auch wenn ich finde, dass sie ein bißchen wie Schriftzeichen anmuten (oder Käfer). Es war ganz sicher nicht meine Absicht, etwas fernöstliches zu kreieren. Jedoch auch der Schnitt mit seinen breiten Bahnen macht einen solchen Eindruck.

Bei der Bildrecherche habe ich einiges gesehen, was Miro ist oder danach aussieht. Einige wollen ihn ja gern als den ersten Graffiti-Künstler proklamieren, weil er mal die Gelegenheit ergriff, eine Hauswand zu bemalen, die drei Tage später abgerissen werden sollte. Eine gewisse Ähnlichkeit zu heute anzutreffenden Kürzeln besteht ja.

Die Influenza, die neue genauso wie die alte, hat mich ein wenig vereinnahmt in letzter Zeit. Um die Neugier kommt man halt nicht herum. Was ich sagen wollte, unter „formspielerin“ findet man bei Instagram unter Umständen auch mal einen kleinen Hinweis, was so läuft, falls lange nichts zu lesen ist auf dem Blog, weil das Projekt vielleicht etwas mehr Zeit erfordert (oder ich mal Urlaub mache). Für weitergehende Information ist das Medium jedoch nicht so sehr geeignet. Ich bin geflasht von der Fülle schöner Bilder, aber es ist auch eine sehr unruhige Angelegenheit. Vielleicht möchte man auch mal einen Augenblick bei einer Sache verweilen, sich konzentrieren und nicht an Reizüberflutung sterben? Also meine Meinung ist geteilt, denn ich schreibe und lese lieber Bücher als Telegramme.

Weiter im Text:

Der Saum konnte ganz praktisch mit der Nähmaschine genäht werden. Ich falte die umgeschlagene Kante noch einmal so, dass ich mit dem Füßchen auf dem Saumumschlag nähe und nur hin und wieder ein Stich bis über den Knick geht. Von vorn sieht man dann nur kleine Pünktchen. Manche Stoffe mögen dieses Falzen durch den Nähmaschinenfuß nicht so. Da muss man von Fall zu Fall entscheiden, ob man noch einmal drüberbügeln kann/ will/ muss. (Die Stoffkante habe ich später noch mit Zickzackstich versäubert, muss man aber vielleicht nicht unbedingt.)

Die Schnur ließ sich wohl auch wegen ihrer Webstruktur (nicht gekordelt) gut verarbeiten. Um die vorgesehenen Rundungen hinzubekommen, habe ich sie mit meinen feinen Stecknadeln (0,35mm) festgesteckt. Es sieht ganz lustig aus wie sie da so aufgereiht stehen, finde ich. Genäht ist dann mit einer Sticknadel Größe 10, die auch für die Glasschliffperlen hilfreich ist, denn andere (Näh-)Nadeln sind meist zu dick. Das war wieder viel Handarbeit, hat aber Spaß gemacht. Daher dauerte es auch ein wenig länger.

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Dieser Beitrag ist beim MeMadeMittwoch zu finden. Was zeigen die anderen Hobbyschneiderinnen? Ich bin gespannt!

Mode designen nach Kunst?

Wie wäre es, die Malerei des 20. Jahrhunderts als Inspirationsquelle für den Entwurf neuer Mode zu entdecken? Könnte das Thema auch für HobbyschneiderInnen interessant sein? Ich sehe da mehrere Möglichkeiten der Herangehensweise. Entweder man überträgt die Motive auf das Stoffdessin, wobei die Schnitte eher schlicht blieben. Oder man nimmt formale Elemente auf, die den Schnitt beeinflussen. Oder man manipuliert den Stoff und versucht Strukturen nachzubilden, wie man sie auf dem Gemälde gesehen hat.

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Das Efeukleid

Der beigegrundige Baumwollstoff dieses Kleides thematisiert altes mit Efeu überwuchertes Gemäuer. Da passt der wohlbekannte Fotohintergrund im Garten doch erstklassig. Als das Kleid entstand, hatte ich diesen jedoch noch gar nicht zur Verfügung. Die dargestellten Risse und die blassen Farben lassen Staub und Hitze vermuten, womit sich der Stoff gut für Sommerkleidung eignet. Für meine Verarbeitungsweise fand ich ihn fast etwas zu dünn. Er ist wohl eher für weite Flatterhosen entworfen gewesen.

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