Weißer BH mit Spitze

Ein neuer Versuch, einen BH zu bauen ist gestartet. Der Schnitt soll der gleiche sein wie bei dem vorangegangenen BH mit Bordmitteln. Manche wissen sicher, dass diese Form auch als Harriet Bra auf dem Markt ist, spätestens jetzt. Meine Version habe ich noch etwas optimiert, beziehungsweise von einem gut passenden Bügel ausgehend noch einmal ganz neu ein Papiermodell für die Cups gebastelt. Ich hatte den Eindruck, bei meinem ersten Entwurf waren sie viel zu klein. Die Bügelgröße habe ich mit einem flexiblen Kurvenlineal ermittelt. Mit dem kann man auch Pappschablonen zeichnen, die man mal vergleichsweise anhalten kann.

Was ich an Materialien verwendet habe, ist zur besseren Übersicht jeweils einmal fettgedruckt erwähnt. Man bekommt sie nicht unbedingt in jedem Stoffgeschäft. Maria von „Fadenwechsel“ hat für den Unterwäsche-Sew along (2. Treffen) kürzlich eine Liste von Bezugsquellen zusammengestellt.

Die Enden meiner Bügel haben eine Federung. Bei Bewegung werden sie nicht so schnell den Stoff verschleißen. Zwei Schnittteile der Cups sowie der Rahmen (körperumspannender Hauptteil) sind aus Mikrofaser, ein Teil ist aus elastischer Spitze zugeschnitten. Das Mittelteil ist mit Charmeuse gedoppelt, weil es unelastisch sein soll. Alle anderen Teile sind mit Powernet hinterlegt. Ob das so richtig ist, weiß ich auch nicht, schnappe nur hier und da mal was an Verarbeitungstechnik auf.

Powernet fühlt sich an wie Badematte, ist sehr stabil aber elastisch. Charmeuse ist praktisch wie Gardine ohne Muster. Ich habe auch einen Teil der Cups damit gefüttert, um die Nähte abzudecken. Die beiden äußeren Schnittteile sind dafür zu einem zusammengefügt (einzuhalten an den Kanten). An der Spitzenkante habe ich noch durchsichtiges Framilonband verwendet. Für die Stabilisierung der Spitze war es vielleicht nicht unbedingt mehr nötig, aber es deckt die Powernetkante ab, die möglicherweise gekratzt hätte. Die Nahtzugaben der Cups und am Mittelstück müssen zu beiden Seiten abgesteppt werden, damit sie flach liegen. Außerdem sieht es dekorativ aus.

Die Nahtzugaben des Bogens legte ich diesmal alle nach unten zum Rahmen hin. Auf sie ist das Bügelband knappkantig aufgenäht. Die zweite Naht auf der anderen Seite des Bandes fand ich außerordentlich schwer zu realisieren. Die Mikrofaser konnte am besten andrapiert und fixiert werden, während der Bügel im Band steckte. Zum Nähen von der Vorderseite aus habe ich ihn wieder herausgenommen. Man muss eine schöne parallele Naht hinkriegen und gleichzeitig das Band fassen, nur nicht zu viel, denn der Tunnel ist knapp bemessen.

Für die Unterkante des Rahmens brauche ich Unterbrustgummiband. Ich nähe es in zwei Schritten an. Zuerst lege ich es auf die rechte Stoffseite mit der dekorativen Zackenkante nach oben. Wenn das Gummiband mit dem dreischrittigen Zickzackstich aufgenäht ist, klappe ich es auf die linke Stoffseite und nähe erneut darüber. An der Oberkante des Rahmens kann man genauso ein Wäschegummi anbringen. Dort hatte ich zuerst ein normales Haushaltsgummiband eingeschlagen genäht, aber es gefiel mir nicht so gut.

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Nachdem dann auch noch Verschluss und Trägergummiband angebracht waren, zeigten sich bei der ersten Anprobe kleine Mängel. Das Kräuseln des Mittelteils läßt sich wohl nicht vermeiden, vermute ich mal. Die plötzlich auftretenden Falten an der Seitennaht habe ich jedoch erfolgreich durch einen Steg eliminiert. Auf die Naht hatte ich zunächst von Hand einen Tunnel von Charmeuse aufgenäht, um diese zu verdecken (nur das Powernet gefasst, nicht den Oberstoff). Die Idee Miederstäbchenband einzustecken, habe ich wieder verworfen, da ich nur schwarzes da hatte, was ich unpassend fand, da es durchleuchtet. Auf der Suche nach etwas anderem mit genügender Festigkeit fiel mir Klettband in die Hände. Ein Streifen mit der flauschigen Oberfläche davon macht sich richtig gut, nicht zu fest und sticht auch nicht durch den Stoff.

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Die lockere Oberkante an den Cups war schon schwieriger zu beheben. Man hätte einen guten Zentimeter abnähen können. Fast wollte ich mich damit abfinden, weil ich oft solche Passform an gekauften BHs vorfinde, nach dem Motto „das ist eben so bei mir“. Aber ich habe mich durchgerungen, alles noch einmal aufzumachen und das Schnittteil seitlich zu verkleinern. Bei solchen Reparaturen kann man nicht sicher sein, dass man es wieder ohne verzogene Stellen zusammenbekommt.

Die Ober- und Unterkante des Rahmens konnte ich noch etwas einziehen. Die Bügelhöhe gibt ja weitgehend die Bandbreite vor. Gelegentlich schiebt sich das Unterbrustband unter die Bügel. Eigentlich ist genügend Stofflänge vorhanden. Es stört aber nicht weiter. Ringe und Schieber an den fast überflüssigen Trägern machen das Teil komplett. Das Schlaufenband hinten hatte ich zuerst noch ganz bis zum unteren Ende des Rahmens laufen lassen, dann aber doch gekürzt, weil es drückte. Jetzt bin ich ganz glücklich mit meinem Schmuckstück. Ich glaube, ich hatte noch nie einen so gut passenden Büstenhalter. Aber fragt nicht, wieviel Garn ich vergeudet habe durch das viele Trennen.

Damit bin ich bei  den neuen Linkparties „Frau freut sich“ und „Sew la la“!

Markennennung eines ähnlichen Produktes könnte als Werbung verstanden werden. Material ist selbst gekauft, Schnitt selbst entworfen.

 

 

 

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Herzmieder-Schnittentwicklung

Stolz präsentiere ich nach tagelanger Arbeit eine Spielerei, bei der ich überhaupt gar nicht weiß, ob daraus ein Kleidungsstück werden soll. Es war nicht unbedingt Absicht, dass vorn ein Herz prangt, es hat sich formal so ergeben. Aber ich glaube, ich schrecke auch vor einem niedlichen Dirndl nicht zurück. Ich wollte etwas machen, was es aus gutem Grund nicht gibt, weil es schwer anzupassen und zu nähen ist und sich aufgrund des Zuschnitts auch leicht verzieht: schräge wellenförmige Teilungsnähte. Außerdem produziert man unverhältnismäßig viel Verschnitt.

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The Sewing Oscars 2017

The-Sewing-Oscars-Logo2017Eigentlich ist alles interessant zu lesen, aber weil es ganz witzig ist, die Nähprojekte ins Filmgenre zu holen, lasst mich einen Rückblick auf das Jahr 2017 wagen. Nina von „Vervliest und zugenäht“ sammelt die Beiträge. Nach Schnittmusterempfehlungen braucht man bei mir übrigens nicht Ausschau zu halten, denn fast alles, was ich zeige, ist selbst erdacht und realisiert. Und Film ab!

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Hallo!

Hier schreibt Regina, die mit Mann und Kind in Norddeutschland zuhause ist. Mehr zufällig bin ich 2013 beim Internetsurfen auf die Existenz von Nähblogs aufmerksam geworden und lese dort nun mehr oder weniger viel mit. Gelegentlich juckt es mich in den Fingern auch etwas beizutragen. Bisher habe ich noch gezögert, einen eigenen Blog zu erstellen, denn für vereinzelte Beiträge hätte es kaum gelohnt. Ich will auch hauptsächlich kreativ tätig sein, nicht unbedingt viel reden. Man kann sich ja beliebig verspielen, wenn man den Anspruch hat, dass der Blog einen gewissen Mehrwert bieten soll. Mir ist also bewusst, dass das Bloggen auch Zeitaufwand bedeutet, hoffe aber, dass es sich lohnt, da man viel Freude an der Interaktion mit Gleichgesinnten haben kann, und dass diese die Arbeit auch wertschätzen. Nun denn, ich stelle einfach mal meine Projekte vor und erzähle von meinen Erfahrungen. Dann weiß man, wer ich bin, und wenn ich nichts mehr zu sagen habe, höre ich eben wieder auf.

In den neunziger Jahren habe ich bei der Neuen Kunstschule Zürich (gibt es nicht mehr) ein dreijähriges Fernstudium in Modezeichnen absolviert, bei dem auch Schnittmusterzeichnen vorkam. Das war der Einstieg und seitdem will ich nur noch Kleidung nach Eigenmaß, wenn ich schon selbst nähe. Über käufliche Schnittmuster, die gern besprochen werden, kann ich nicht viel sagen, weil ich mich nicht sehr lange mit ihnen beschäftigt habe. Meine Eigenkreationen entwickeln sich nicht schnell  und manchmal nicht gleich nach Wunsch, aber ich bin von Anfang an beim Entstehungsprozess dabei und weiß, was ich tue. Das macht mir Spaß.

Ich finde es gut, auch über Mißerfolge zu berichten, am liebsten natürlich mit nachfolgender Lösung, so man schon weiß, woran es gelegen hat. Da wünsche ich mir ganz ehrliche Meinungen zu lesen. Entscheidend für das Gelingen eines Kleidungsstückes kann z. B. die richtige Stoffwahl für das jeweilige Projekt sein. Über solche Dinge wie auch über Verarbeitungstechniken lohnt sich der Erfahrungsaustausch.

Mich reizt das Selberkönnen und Experimentieren, beim Nähen genauso wie bei anderen Kreativtechniken. Wen wundert es da, dass ich auch beruflich im Handwerk verwurzelt bin. Eigentlich war ja noch ein Designstudium mein Traum. Dazu ist es jedoch nicht gekommen. So bin ich jetzt völlig frei, mich privat kreativ auszutoben und autodidaktisch weiterzubilden. Außer Kleidung kann es hier auch das ein oder andere Accessoir zu sehen geben oder was sonst so zum Thema Mode und Gestaltung passt.

Nun ist der Blog aber nicht nur zum Schauen da, sondern auch zum Kommunizieren. Also nutzt die Kommentarfunktion für Fragen, Anregungen und konstruktiver Kritik!

Ich freue mich, „auf Sendung“ zu sein und wünsche viel Spaß bei der Lektüre!