Der Tropenrock

So heißt er nun, denn kaum hatte ich ihn wenige Male an, macht mir ein Kanarienvogel im Schmetterlingsgehege einen kleinen grünen Schiss drauf, während ich mal besinnlich beobachte. Ist es denn zu glauben!? Zum Glück ging alles schon mit Colorwaschmittel wieder heraus.  Kochwaschmittel entfärbt ja gern mal den Stoff partiell, habe ich alles schon erlebt.

Schmetterlinge nicht beim Essen stören!

Schmetterlinge

Doch nun zum Schnitt. Den habe ich von einem vor etwa zehn Jahren gekauften Rock abgenommen. Als jener etwas dünn und unansehnlich wurde, wollte ich ihn gern ersetzen und so habe ich den gern getragenen Rock eben kopiert. Ich mache es so, dass ich Seidenpapier auflege und versuche, die Falten und Abnäher genauso zu legen, wie ich es am Original sehe. Schwierig wird es an der Seitennaht. Die Kappnähte lassen schwer erkennen, wo sie liegt. Ich denke, die Absteppung befindet sich auf dem rückwärtigen Teil.

Eigentlich wollte ich Baumwoll-Twill in beige wie im Original verwenden. Da diese Farbe jedoch irgendwie aus der Mode gekommen zu sein scheint und schwer zu bekommen war, habe ich eben sandgrau genommen. Das gefällt mir jetzt auch sehr gut.

altundneu

Interessant ist, dass Vorder- und Hinterrock unterhalb der großen Passe nur jeweils aus einem Teil bestehen. Mittig vorn finden sich vier divergierende Abnäher, hinten zwei. Zur Seite hin liegen die parallelen Falten: vorn vier, hinten zwei. Möglicherweise um den Falten mehr Stabilität zu geben, wurde von links ganz knapp abgenäht, direkt dort wo der Faltenboden endet. Deshalb sieht es aus, als bestünde der Vorderrock aus mehreren Teilen und hätte eine komplizierte Konstruktion, was gar nicht der Fall ist.

Abnaeher

Der Sattel führt von der Taille bis etwas über die Hüfte hinaus, vorn in einem Aufwärtsbogen, hinten mit geradem Abschluss.

Die aufgesetzten Taschen haben vorn zur Verzierung einfache Nähte und Nieten, hinten sind Abnäher zu sehen. Weitere Zierelemente sind Riegel mit Druckknöpfen und Abdeckungen über den Taschenöffnungen. Als Verschluss dienen ein kurzer Reißverschluss und zwei Druckknöpfe. Ein breiter Gürtel darf nicht fehlen.

 

Dadurch, dass der Rock oben eng ist, hat man den Eindruck, man trüge eine Jeans. Gleichzeitig lässt die Stoffmenge und das Ausgestellte ein besonders luftiges Tragegefühl entstehen. Diese Mischung aus praktischer Robustheit und Mädchenhaftigkeit finde ich so schön. Und auch zum Fahrradfahren eignet er sich ausgezeichnet. Vom Barfußlaufen ist in den Tropen allerdings abzusehen.

Dieser Beitrag ist mit dem After-work-Sewing-Blog verlinkt. Schaut doch mal, was es dort an Schönem zu entdecken gibt!

7 Gedanken zu “Der Tropenrock

  1. SuB 3. August 2016 / 8:39

    Wow ich bin beeindruckt wie du es geschafft hast den vorhandenen Rock zu kopieren! Daran hätte ich mich nicht gewagt – zu speziell ist der ursprüngliche Schnitt. Dir ist es super gelungen!

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    • formspielerins werke 3. August 2016 / 11:59

      Dankeschön! So schlimm ist es eigentlich gar nicht. Wenn erstmal die obere Weite stimmt, kann man die Faltentiefe auch festlegen wie man will. Von allein wäre ich jedoch nicht auf die Idee gekommen, sie etwas schräg nach außen und nicht rechtwinklig zur Passe zu setzen. Beim Kopieren kann man halt auch viel lernen! Regina

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  2. mollimops 4. August 2016 / 7:39

    ich find ihn supergenial geworden. und an das kopieren hätte ich mich (grad wegen der vielen abnäher) glaub gar nicht getraut. aber, wer wagt, gewinnt. hat sich echt gelohnt
    lg
    molli

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    • formspielerins werke 4. August 2016 / 14:05

      Nicht wahr, wäre doch schade gewesen, den alten Rock einfach nur in die Altkleidersammlung zu geben. Ich freue mich immer über Rückmeldungen!
      Viele Grüße Regina

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  3. fannyhour 4. September 2016 / 19:15

    Den Rock hast du richtig toll kopiert. Respekt. Ich glaube mit den Falten ist das wirklich nicht so einfach. LG, Fanny

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  4. made with Blümchen 7. Oktober 2016 / 9:41

    Schön, die Kombination aus oben eng und unten weit gefällt mir sehr gut! Vielleicht schaffe ich es auch mal, mir so einen Schnitt zu konstruieren. In letzter Zeit habe ich einige Schnitte von gut sitzenden Lieblingsteilen abgenommen. Das finde ich befriedigender als den x-ten Schnitt auszuprobieren, nur weil er gerade modern ist, und dann unzufrieden damit zu sein. lg, Gabi

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