Rock nach Miro

Miro7

Ein sommerlicher Rock aus Leinen ist entstanden. Die Inspiration lieferte der Maler Joan Miro, der am ehesten den Surrealisten zuzurechnen ist. Auf einer fast rohen Leinwand malte er verträumt poetische Figuren. Ich applizierte in vereinfachter Weise die Intention des abstrakten Bildes: Ein entspannter Spaziergang mit Frau und Kind und Hund.

Miro18

Für die großen Motive brauchte ich viel Fläche. Ihr wollt nicht wissen, wieviel ich herumgerechnet habe, um aus den vorhandenen 2,85m Stoff einen kniebedeckenden Tellerrock herauszubekommen, der auch noch in Falten gelegt ist. Kürzer hat immer sowas kesses, das wollte ich nicht, eher in Richtung Ethno. Ohne Passe war es nicht möglich, wenn keine weiteren Nähte als die seitlichen vorhanden sein sollten. Mehr Nähte, z.B. im Faltenboden, würden das Gewicht und den Fall verändern. Und auch so habe ich einlagig und quer zum Fadenlauf zuschneiden müssen. Durch die größtmögliche Tiefe der Quetschfalten weiß ich immer, bis wo die Falten reichen und wie zu bügeln ist. Ob soviel Stoff hätte sein müssen, weiß ich auch nicht so genau. Und warum sind die Falten festgebügelt? Damit ich weiß, wo das Motiv hin muss? Der „Ordnung“ wegen? -Nun da der Prototyp fertig ist, könnte man es auch lockerer mit Rollfalten versuchen. Es hat doch was Strenges. Aber ich finde es gut, dass es eine Unterbrechung gibt zwischen den Bahnen, die man bei Kellerfalten ja nicht gehabt hätte.

Miro20

Die Farbflächen sind aus kleinen Stoffstückchen zusammengesetzt, genau nach Vorlage. Mit diesem Paperpiecing, so heisst es wohl, wenn man auf Papier näht, sollte ich mich mal genauer befassen. Ich hatte es einfach so probiert und daher etwas mühselig. Als die Flicken dann fertig waren, habe ich sie über eine Bügelschablone aus Pappe gezogen, um die Kanten einzuschlagen. Dafür habe ich von einer Ecke aus einmal rundherum einen Faden geheftet, der dann angezogen werden kann.

Die schwarzen Linien sind durch Makrameeband realisiert. Ich habe es aus dem DIY-Schmuckbedarf. Wie die dünne Schnur befestigt werden sollte, musste ich erstmal testen. Couching, also spiralförmiges umnähen, funktionierte nicht so gut, weil die Linie zu ausgefranst aussah. Das direkte Durchstechen brachte ein besseres Ergebnis. An den Enden ist sie mit einer dicken Stopfnadel durch den Stoff nach hinten gezogen und mit einem einfachen Knoten gesichert. Den habe ich später noch etwas durchnäht, damit er sich nicht lockert.

Miro21

Ich finde dieses plastische der aufgesetzten Farbflächen richtig toll, sie wirken fast wie Lackfarbe mit viel Oberflächenspannung. Wie mir überhaupt dieses Handwerkliche gefällt; meinetwegen darf es gern etwas vorindustriell aussehen. Die Motive haben nichts weiter zu bedeuten, sie sind nur vereinfachte Variationen des Bildes. Auch wenn ich finde, dass sie ein bißchen wie Schriftzeichen anmuten (oder Käfer). Es war ganz sicher nicht meine Absicht, etwas fernöstliches zu kreieren. Jedoch auch der Schnitt mit seinen breiten Bahnen macht einen solchen Eindruck.

Bei der Bildrecherche habe ich einiges gesehen, was Miro ist oder danach aussieht. Einige wollen ihn ja gern als den ersten Graffiti-Künstler proklamieren, weil er mal die Gelegenheit ergriff, eine Hauswand zu bemalen, die drei Tage später abgerissen werden sollte. Eine gewisse Ähnlichkeit zu heute anzutreffenden Kürzeln besteht ja.

Die Influenza, die neue genauso wie die alte, hat mich ein wenig vereinnahmt in letzter Zeit. Um die Neugier kommt man halt nicht herum. Was ich sagen wollte, unter „formspielerin“ findet man bei Instagram unter Umständen auch mal einen kleinen Hinweis, was so läuft, falls lange nichts zu lesen ist auf dem Blog, weil das Projekt vielleicht etwas mehr Zeit erfordert (oder ich mal Urlaub mache). Für weitergehende Information ist das Medium jedoch nicht so sehr geeignet. Ich bin geflasht von der Fülle schöner Bilder, aber es ist auch eine sehr unruhige Angelegenheit. Vielleicht möchte man auch mal einen Augenblick bei einer Sache verweilen, sich konzentrieren und nicht an Reizüberflutung sterben? Also meine Meinung ist geteilt, denn ich schreibe und lese lieber Bücher als Telegramme.

Weiter im Text:

Der Saum konnte ganz praktisch mit der Nähmaschine genäht werden. Ich falte die umgeschlagene Kante noch einmal so, dass ich mit dem Füßchen auf dem Saumumschlag nähe und nur hin und wieder ein Stich bis über den Knick geht. Von vorn sieht man dann nur kleine Pünktchen. Manche Stoffe mögen dieses Falzen durch den Nähmaschinenfuß nicht so. Da muss man von Fall zu Fall entscheiden, ob man noch einmal drüberbügeln kann/ will/ muss. (Die Stoffkante habe ich später noch mit Zickzackstich versäubert, muss man aber vielleicht nicht unbedingt.)

Die Schnur ließ sich wohl auch wegen ihrer Webstruktur (nicht gekordelt) gut verarbeiten. Um die vorgesehenen Rundungen hinzubekommen, habe ich sie mit meinen feinen Stecknadeln (0,35mm) festgesteckt. Es sieht ganz lustig aus wie sie da so aufgereiht stehen, finde ich. Genäht ist dann mit einer Sticknadel Größe 10, die auch für die Glasschliffperlen hilfreich ist, denn andere (Näh-)Nadeln sind meist zu dick. Das war wieder viel Handarbeit, hat aber Spaß gemacht. Daher dauerte es auch ein wenig länger.

Miro22

Miro19

Dieser Beitrag ist beim MeMadeMittwoch zu finden. Was zeigen die anderen Hobbyschneiderinnen? Ich bin gespannt!

Werbeanzeigen

Mitteldecke mit Entenmotiv

Eine neue Mitteldecke für den winterlichen Tisch ist fertig. Es soll eine Applikation mit Wollstoffen sein, wobei die Teile mit breitem Plattstich in verschiedenen Garnfarben angebracht werden. Ausgangspunkt waren Fotos von Enten, die ich vereinfacht habe.

Weiterlesen

Crewel-Stickerei

Stickerei1

Was ich sonst so mache? Diese Stickerei ist mithilfe des Buches von Hazel Blomkamp „Crewel intentions“ (Search-Press-Verlag, Großbritannien)* entstanden. Es wird vorgeschlagen, die Arbeit als Polsterbezug für einen runden, antiken Hocker zu verwenden. Traumhaft, nicht? Die Autorin zeigt die verschiedenen Stiche und beschreibt die einzelnen Arbeitsschritte der Projekte mit Motivvorlagen und Materialangaben. Weiterlesen

Stickbild „Zwiebelmuster“

Zwiebelmuster1

Ihr kennt vielleicht das Geschirr mit dem Zwiebelmuster? Laut Wikipedia ist es das erfolgreichste Blaudekor der Porzellangeschichte. Was ich neu gelernt habe bei der Recherche, um etwas darüber erzählen zu können: Es sind gar keine Zwiebelpflanzen abgebildet sondern Granatäpfel, Pfirsiche, Melonen, gestreifte Zitronen, Lotusblüten, Chrysanthemenzweige, Pfingstrosen, Mandelbaumblüten, Phäonienstauden und was nicht alles, nur Zwiebeln sind es nicht. Das Muster wurde ab 1730 nach ursprünglich fernöstlichen Vorbildern entwickelt und dann immer wieder neu interpretiert, so hat es sich ergeben. Weiterlesen

Friesendeern

Das April-Motto des Jahres-Sewalong von Fräulein An lautet „gut betucht“. Dies zum Anlass genommen zeige ich mal, wie die Friesen ihr seidenes Schultertuch tragen. Denn wir haben in Norddeutschland natürlich auch Trachten! Sie sind weitgehend schwarz, beeinflußt von der spanischen Weltmode des 16. Jahrhunderts mit einer weißen Schürze, einer Haube und dem auffallenden Silberschmuck. Bei der Amrumer Friesentracht  zum Beispiel (Link zu einem kleinen Youtube-Film, der im TV gelaufen ist) werden Schulter- und Kopftuch aufwändig drapiert und mit Stecknadeln festgesteckt.

Friesendeern

Ganz so dunkel mag ich es aber nicht. So habe ich mich nun an etwas Dirndlartigem versucht, auch weil ich mal probieren wollte, ob ich einen Miederschnitt hinkriege. Weiterlesen