Handtasche mit Perlenstickerei

Vor über vier Jahren etwa, als ich mich noch nicht so intensiv mit dem Nähen beschäftigt und auch noch nicht gebloggt habe, war die Perlenstickerei mein Thema. Ein paar Beiträge darüber gibt es hier schon zu lesen. Das heute vorgestellte Projekt habe ich gerade erst beendet, weil ich zum Schluss noch auf unerwartete Schwierigkeiten bei der Lederverarbeitung gestoßen bin und erst jetzt eine Lösung gefunden habe. Nun kann ich stolz den letztgültigen Luxus präsentieren: Eine weiße Handtasche aus Kunstleder mit Bestickung auf der Vorderseite aus Perlen, Soutageband, facettierten Glassteinen und Emailcabouchons.

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Wie sie entstanden ist, zeige ich im Folgenden.

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Soutageband benutzt man normalerweise dazu, auf festlichen Blusen oder (Uniform-) Jacken Linienmuster aufzunähen. Auf zwei Fäden im Inneren ist satinierter Faden wie eine Acht umschlungen, so dass eine Rille entsteht in der man nähen kann. Man verarbeitet das Band flachliegend. Wenn man es aber hochkant stellt, kann man Trennlinien zwischen Perlenreihen erzeugen oder Steine einfassen. Es entstehen dabei lustige Schnörkel. Eine kleine Arbeit mit Soutageband hatte ich hier als Brosche an einem Kostüm mal gezeigt.

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Meine Idee war, eine größere Musterfläche zu besticken. Ausgangspunkt war dieses Jugendstilmuster, das Veilchen darstellen soll. Es gibt es in verschiedenen Varianten und ist, glaube ich, nach dem Designer benannt, ich komme nur nicht mehr auf den Namen. Bei dem Stoff handelt es ich um Geschirrhandtücher, die ich in Dänemark in einem Supermarkt ergattert habe. Eigentlich kaum zu glauben, dass ein so feines Muster für so etwas verwendet wurde. Seit ich es habe, möchte ich eigentlich eine Weste daraus nähen, dazu eine Kniebundhose in graublau und ein Justeaucorps in weiß, zurückfallend ins Rokoko…

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Diese runden Steine habe ich selbst hergestellt. Es handelt sich um aufgewölbtes Kupferblech, worauf Email gebrannt ist. Damit eine für meine Zwecke ausreichende Höhe erzeugt wird, habe ich sie auf Holz aufgeklebt.

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Auch eine Herzform zu brennen war möglich, so lange sie schön rund blieb. Facettierte Glassteine mit Chatons zum Aufnähen gibt es im Bastelbedarf/Perlenladen, genauso wie die Glasschliff- und Rennaissanceperlen und Rocaillen. Der Entwurf war natürlich nicht sogleich da. Es stellte sich die Frage, wo die Bandenden denn bleiben sollen, wenn sie mitten auf der Fläche enden. Sollte ich den Untergrundstoff einschneiden, das Band nach unten führen und dort verkleben? Nicht so gut, es leidete sicher die Stabilität oder man käme nicht mehr mit der Nadel durch. Also habe ich die Designregel aufgestellt, alle Bänder kommen von der Außenkante, die später abgedeckt würde, und enden dort auch wieder.

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Um die Breiten der Bänder- und Perlenreihen genauer darstellen und besser planen zu können, habe ich Adobe Illustrator zuhilfe genommen. Jede Perlenart wurde gezeichnet und als Musterpinsel festgelegt, d.h. wenn ich einen Strich zeichne, wird das Objekt automatisch mehrfach in Reihe dargestellt. So habe ich nach und nach eine Fläche millimetergenau ausgefüllt. Das Muster dann noch einmal zu spiegeln und auszudrucken, war keine Hürde. Die Flächen der Cabouchons und einiger Perlen wurden ausgeschnitten, damit ich eine Schablone hatte, um sie passgenau auf den Untergrund zu platzieren.

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Abgesehen von den Emailsteinen und den Bändern am Rand ist an der Stickerei selbst nichts geklebt, wohl aber noch an den Lederteilen. Der Untergrund ist feines Stramin, bedeckt mit Nessel. Ich brauchte etwas festeres Material als den sonst verwendeten Wollfilz, es durfte aber auch nicht zu grobmaschig sein. Das Gewicht der Perlen musste gehalten werden, aber auch die kleinen Rocaillen mussten noch korrekt genug platziert werden können.

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Von den fixen Punkten aus entsteht nach und nach das Muster bis die Fläche gefüllt ist.

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Hier ist diese wunderbare Landschaft schon fast fertig. Der Plan hat funktioniert. Der Rand wurde mit einem Fenster aus Filz abgedeckt, das isolierend gegen das Kunstleder wirken soll, damit sich die Bandenden nicht durchdrücken. Auch um eine gewisse Dicke für die Rückseite zu bekommen, war der Filz ganz gut geeignet. Er wurde vom Kunstleder eingefasst, denn ich möchte keine groben Kanten haben. Von den Lederarbeiten habe ich kaum Fotos. Das meiste war mit der Nähmaschine zu erledigen, wenn auch nicht immer besonders schön. Die Außenkante hat sie dann aber nicht mehr geschafft.

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Lange habe ich gedacht, ein Schuster müsste mir das machen, hatte jedoch Befürchtung, man würde mir das wirklich anfällige Kunstleder verschmutzen. Schließlich stellte ich fest, dass ich die Naht auch von Hand nähen könnte. Ein Faden Knopflochgarn ist mit zwei Nadeln immer überkreuzend die Strecke entlang geführt. So liegen die Stiche dicht nebeneinander.

Handtasche25Wenn man Handnähte in Leder machen will, sollte man es vorher lochen. Es gibt dafür gabelförmige Punzen, wie ich auf Instagram gesehen habe. Eine schlaue Sache, wenn man gleichmäßige Abstände der Löcher haben möchte. Bei meiner eher wackeligen Kante und weil sich bei Kunstleder die Löcher wegen der Elastizität des Materials gleich wieder schließen, habe ich jedoch keinen angeschafft. Und weitere Lederarbeiten will ich sicherlich auch nicht machen. Also habe ich die Nadeln Stich für Stich mit einer Zange durchgezogen. Irgendwann war auch das geschafft. (Diese lose Kante auf dem Foto wurde vorher noch mit Textilkleber befestigt.)

Spannend wird es von seitlich gesehen, denn da gibt es eine Rolle, ein kleines Etui.

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Irgendwie hat es sich so ergeben, weil ich nicht wusste, wie schwer die Klappe fallen würde, wie steif das Material sein würde. Auf diese Weise bekomme ich von der Außenform her keine Schwierigkeiten, zumal der kleine Magnetverschluss auch nicht so besonders stark ist.

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Das Etui kann für einen Stift sein, Schmuck, Pillen oder anderer Kleinkram nach dem man nicht in den Tiefen wühlen will. Es ist herausnehmbar, weil mit Druckknöpfen befestigt.

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So, ist das nun cool oder nicht? Einen schönen Tag noch und bleiben Sie fasziniert! Dieser Beitrag ist verlinkt mit Handgestickt, einer inzwischen schon recht großen Sammlung von Gabi/Made with Blümchen. Allerlei Taschen gibt es immer wieder bei Du für Dich am Donnerstag zu sehen. Mein Unikat möchte auch dabei sein.

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8 Gedanken zu “Handtasche mit Perlenstickerei

  1. Ludwina 25. März 2020 / 20:22

    wunderschön! Da muss ich mir mal ausführlich Zeit nehmen, diesen Beitrag anzuschauen und zu verstehen wie genau du das gemacht hast 🙂

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  2. iris 26. März 2020 / 10:40

    huhu,
    das ist nicht nur cool, das ist gigantisch. ich frage mich, wieviel stunden hier investiert wurden.
    aber egal, es hat sich so was von gelohnt.
    grüßles iris

    Gefällt 1 Person

  3. Irma 26. März 2020 / 14:33

    unfassbar!! Sie sind eine talentierte Kunsthandwerkerin und Designerin. Ich lese unglaublich gerne und immer fasziniert, was Sie fabrizieren, entwerfen, nähen und dann auch noch für andere beschreiben.
    Bitte gerne zahlreiche Fortsetzungen!!

    mit herzlichen Grüßen

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  4. formspielerins werke 26. März 2020 / 14:47

    Ja wenn es so ist, sehr gern! Man hat immer nur die Statistik und weiß nicht viel über die Menschen dahinter. Da freue ich mich über Lebenszeichen. Das Gewusstwie ist doch das Interessanteste an allem.

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  5. made with Blümchen 15. April 2020 / 12:08

    Wahnsinn, der Aufwand, so viele Stunden Arbeit! Und wie schön das Ergebnis geworden ist! Danke auch fürs genaue Beschreiben des Designvorganges. Mit Grafikprogrammen kenne ich mich leider viel zu wenig aus, und von einem „Musterpinsel“ habe ich hier zum ersten Mal gehört. Ich bin beeindruckt, wie ausgefeilt der Entwurf war, bevor Du mit der Ausarbeitung begonnen hast. Verstehe ich das richtig, dass die Perlen immer am Untergrund festgenäht sind? Aber auch seitlich an den Soutagebändern, um das ganze Gebilde zu stabilisieren? Jedenfalls meinen Respekt und meine Hochachtung! Und auch Gratulation, dass die Tasche fertig geworden ist. Die kleine Rolle mit den Druckknöpfen finde ich eine witzige und pratische Idee. (Und danke fürs immer wieder Verlinken bei der Handgestickt-Linkparty, ich freue mich immer sehr!) Liebe Grüße, Gabi

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    • formspielerins werke 15. April 2020 / 13:44

      Alle Perlen und das Soutageband sind mit dem Untergrund vernäht. Die Glasschliffperlen sind, da sie quer gelegt sind, auch mit dem Band verbunden, alle anderen nicht. Die Bänder sind an manchen Stellen, wo sie doppelt bis hin zu fünffach liegen miteinander vernäht.
      Ich freue mich, dass die Tasche gefällt und sie viele Leute anschauen können, nicht zuletzt auch durch deine schöne Linkparty!

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