The Sewing Oskars of 2019

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Fast schon traditionell stellen wir zum neuen Jahr bei Nina von „Vervliest und zugenäht“ die nach unserem Empfinden besten Kleidungsstücke des letzten Jahres noch einmal vor. Angelehnt an die in der Filmbranche üblichen Nominierungen und Preise werden die Machwerke in Kategorien unterteilt. Wenn die Auswahl allzu schwer fällt, sind auch Mehrfachnennungen möglich. Links zu den einzelnen Posts finden sich im Text.

 

Die Themen waren:

  • bequeme Kleidung für den Alltag
  • Inspirationen nach Malern der Moderne
  • Afrika
  • Chanel

Als besten Hauptdarsteller wird das am häufigsten getragene Kleidungsstück aus der Produktion des letzten Jahres bezeichnet:

Was gut angenommen wird, läuft immer Gefahr abgekupfert zu werden. Diesmal waren die Gebrüder Brenninkmeijer dran, denn ihre Sweatshirtjacken sind nicht schlecht. Manchmal gibt es sie gerade nicht in der gewünschten Farbe, aber das ist kein Problem für mich. Die Produktionsbedingungen haben auch gestimmt, hatten allerdings auch ihren Preis. Ein paar nähtechnische Details sind hier und hier nachzulesen.

Der bester Nebendarsteller ist das am vielfältigsten zu kombinierende Kleidungsstück.

weiss14

Wer sowieso keine Kontrolle über sein Leben hat, kann sich auch eine Jogginghose zulegen, sage ich mal frei nach Karl Lagerfeld, Gott hab´ ihn selig. Zu einer weißen Zuhausehose passt doch eigentlich jedes Oberteil. Und wenn nicht, kommt es auch nicht so darauf an. Was ich mal gekauft und für gut befunden habe, baue ich auch gern nach, in Abstimmung mit meinen Grundschnitten. Diese Hose hatte im Original von vornherein verdreht zugeschnittene Beine, bei mir natürlich nicht – ein Vorteil des Selbernähens!

Die beste Regie beschreibt die aufwendigste Verarbeitung oder die technisch größte Herausforderung.

jacke13

Hier ist mein Kostüm zu nennen, das in Anlehnung zum Chanel-Stil entstanden ist. Mir begegnete ein schöner Stoff und los ging es! Na ja, nicht ganz sofort, ein paar Überlegungen waren schon nötig, um der Webung gerecht zu werden. Alle Teile zu quilten und erst dann zum Teil von Hand zusammenzunähen, waren schon eine Menge Arbeit. In drei Teilen berichte ich z.B. über die Verarbeitung mit Seidenorganza. Das Woll-Seidengemisch ist recht kofferfreundlich, stellte ich fest, denn da knittert nichts.

Als besten Schnitt bezeichnet wird das Lieblingsschnittmuster des Jahres, das möglicherweise auch mehrfach genäht wurde.

Bluse8

Grundlage für die Entwicklung der Schluppenbluse war ein Blusenschnitt mit vielen Falten am Ärmel, den ich schon ein Jahr vorher mehr im Siedlerstil verwendet hatte.

Das beste Drehbuch meint, welche Anleitung einem am besten gefallen hat.

Miro20

Ich schreibe ja meine Anleitungen selbst und das auch meist erst hinterher. Wenn ihr wollt, könnt ihr schauen, wie ich Muster à la Miro appliziert und einem Tellerrock feste Falten verpasst habe.

Der Ehrenoscar ist dem Kleidungsstück gewidmet, das man für jemand anders genäht hat.

Strickjacke14

Der beste Sohn der Welt hat kurz vor Jahresende noch eine Strickvliesjacke bekommen. Weitere Kleidungsstücke für jemand anders habe ich auch nicht genäht. (Er hätte es viel nötiger Neues zu bekommen als ich.) Der Schnitt ist eine Eigenkonstruktion mit Normmaßen.

Die beste Kamera zeigt die schönsten Bilder von Modeschöpfungen.

Poncho4

Da habe ich mich für meinen Picasso-Poncho entschieden, der klare Linie und Extravaganz zeigt. Das Augenmotiv taucht immer wieder bei Picasso auf, ebenso flächenfüllende Kreuze. Da rutscht auch nichts, wenn der Torrero sein rotes Tuch hält, denn der Poncho hat einen aufwendigen Unterbau.

Auch die besten visuellen Effekte verdienen einen Preis.

Mondrian19

Hier stand Mondrian Pate für einen schwingenden Mantel, der über der Brust mit vier Druckknöpfen zu schließen ist. Er ist wie fast alles, was ich nähe, eine Eigenkonstruktion.

Der Oscar für das beste Kostümdesign wird für Verkleidungen vergeben. Hier gibt es nichts, was als solches gedacht ist, obwohl es da schon gewisse Lustigkeiten gibt, die auch durchaus informativ sind.

Punkte14

Der beste Dokumentarfilm meint, welche Tutorials uns am besten gefallen haben.

Da habe ich mir verschiedentlich bei Youtube abgeschaut, wie man Fransenborten aus Boucléstoff macht. Da sich die Verwendung bei der Chaneljacke nicht so anbot und mir durch die Hitze des Sommers Afrika im Sinn war, habe ich sie bei einem Shirt eingesetzt. Durch das Herauszupfen einzelner Fäden von den Stoffresten konnte ich außerdem so etwas wie gestickte Handarbeit (Hohlsaum) vortäuschen.

Als goldene Himbeere oder auch Anti-Oscar wird der größte Reinfall bezeichnet, den wir im letzten Jahr erlebt haben.

Wollrock8

Ach, das war gar nicht so schlimm. Beim klassischen Bleistiftrock hatte ich vergessen, am Futter auch Stoff für den Schlitz mitanzuschneiden und musste etwas improvisieren. Wenn ´s weiter nichts ist… Fremde Schnittmuster verwende ich ja nicht und bleibe daher von vielen Überraschungen und Enttäuschungen verschont. Aber ich trenne auch viel, das muss ich schon zugeben. Das nehme ich so hin, denn das gehört dazu!

Ausblick:

Ich werde mich weiterhin noch etwas von der Malerei des Zwanzigsten Jahrhunderts inspirieren lassen. Im Moment habe ich Klimt am Wickel. Und sonst kann es sein, dass vielleicht mal etwas für täglich gebraucht wird. Meine erste Jeans wollte z.B. nicht mehr mitmachen und hat sich verabschiedet. Immerhin konnte ich den Reißverschluss retten. In diesem Sinne mein Apell: Holt alles aus den Stoffen heraus, denn sie sind aufwendig produziert!

Ein gutes neues Jahr wünscht Regina!

PS.: Da sind auch noch andere schöne Beiträge, die hier nicht genannt sind.

8 Gedanken zu “The Sewing Oskars of 2019

  1. Vervliest und zugenäht 1. Januar 2020 / 11:23

    Das ist wahre Kunst! Sich von den Künstlern inspirieren lassen und dann auch noch alles selbst entwerfen! Ich bin maximal beeindruckt von der Fülle, die du da hervorgebracht hast! Deine Oscars sind wohlverdient vergeben. Ich wünsche dir ein tolles Jahr 2020 und viel kreative Zeit!

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    • formspielerins werke 1. Januar 2020 / 12:04

      Vielen Dank, Nina! Ich freue mich immer auf deine Aktion! Die wichtigsten Highlights kommen so noch mal zur Ansicht.

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  2. Kuestensocke 2. Januar 2020 / 20:11

    Du hast wirklich beeindruckende Kreationen in 2019 geschaffen, das bewundere ich sehr! Bin gespannt was in diesem Jahr folgt. Liebe Grüße und einen guten Start ins Jahr! Kuestensocke

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  3. Jaqueline Bach 6. Januar 2020 / 22:42

    Auch wenn die Stoffauswahl manchmal nicht ganz meinen Geschmack trifft, bin ich von deinen Konstruktionskünsten zutiefst beeindruckt. Ich wünsche dir ein nähreiches Jahr und freue mich auf deine nächsten Schnitte.

    Liebe Grüße, Jaqueline

    Gefällt 1 Person

    • formspielerins werke 7. Januar 2020 / 9:41

      Vielen Dank, es ist schon wieder etwas in Arbeit. Wo würdest du etwas anders machen? Mich interessiert das schon. Ich blogge um zu erfahren, was die Leute über meine Sachen denken.

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      • Jaqueline Bach 7. Januar 2020 / 22:31

        Ohje, hoffentlich habe ich mich jetzt nicht unbeliebt gemacht. 😉 Ich finde z.B. den Schnitt von deiner Schluppenbluse total genial, leider kann ich weder mit Gold noch mit Weiß etwas anfangen, das wäre also ein Teil, das niemals in meinen Kleiderschrank einziehen würde. In oliv oder bordeaux müsste ich hingegen wahrscheinlich nicht lange überlegen. Aber wie gesagt, reine Geschmackssache. Auch mit Fransen werde ich nicht wirklich warm, einfach nicht mein Stil, was aber wieder nicht heißen soll, dass es dir nicht steht bzw. gefällt.
        Wünsche einen schönen Abend, Jaqueline

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        • formspielerins werke 8. Januar 2020 / 9:01

          Weiß ist auch nicht unbedingt meine Farbe. Aber Gold ist derzeit eine Masche von mir wegen der Klimt-Kollektion. Das ist auch für mich neu, dh. mit Chanel fing es ja eigentlich schon an. Man probiert halt mal was aus. – Immer her mit der ehrlichen Meinung, ich zensiere mein Blog nicht!

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