Schluppenbluse

Dies soll das erste Teil meiner Klimt-Kollektion sein, von der ich im letzten Beitrag schon sprach. Einerseits möchte ich die Formensprache des Malers aufnehmen, andererseits mich aber auch an das klassizistisch geprägte Wien erinnern, das ich vor kurzem besuchte.

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Die selbstkonstruierte Bluse ist derjenigen von der Pionierkleidung sehr ähnlich. Vom Kragen habe ich nur den Steg genommen, ihn leicht verbreitert. Die Stegenden überlappen sich nicht wie sonst üblich bei einem klassischen Hemdkragen, sondern enden hier kurz vor der vorderen Mitte, um etwas Platz zu lassen für den Knoten der Bindebänder. Die Länge der Bänder ist längstmöglich, wie ich finde, hier 75 cm. Sie sind am Ansatz doppelt genommen mit der Öffnung nach unten. Für die breiteste Stelle an den abgeschrägten Spitzen habe ich 15 cm gewählt.

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Unter der Bluse trage ich ein Langarmshirt, denn der Stoff ist sehr durchsichtig. Dieses ist auch selbstgenäht, nach einer Schnittmusterkonstruktion „Grundmodell aus Strickware“ aus dem Buch von Teresa Gilewska „Grundschnitte, Schnittkonstruktion in der Mode“. Das Shirt ist wie der Crêpe Chiffon in einem altweiß- oder ecru-Ton und lässt die eingewebten Silber- und Goldfäden besonders gut herauskommen. Sie sind mitgefasst und dann abgeschnitten, so wie es aussieht. Wie wird so etwas gemacht?

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Das Schöne an dem Stoff ist, man kann fast keine Knicke produzieren, d.h. der Knoten sieht immer frisch gebunden aus, egal wie oft schon. Kombiniert habe ich den Crêpe mit goldfarbenem Baumwollsatin, den ich hier schon einmal verwendet habe. Edle Akzente müssen sein! Die Manchetten und der Kragen sind unverstärkt geblieben, denn der Stoff ist ohnehin schon etwas dicker als der Crêpe und es sollten keine so großen Unterschiede in der Festigkeit entstehen. Was die Verarbeitung jedoch nicht leichter gemacht hat und ich würde es tatsächlich nicht empfehlen.

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Eine Passe im Rücken ist dann auch in gold. Der Ärmel hat an der Schulter sechs Falten bekommen, am Handgelenk drei. Alles ist mit französischen Nähten gearbeitet, was ich hier zum ersten Mal gemacht habe. Solche leichten Stoffe kann man nicht wirklich mit Zickzack einfassen. Und ich muss sagen, die Verarbeitungsweise gefällt mir, man könnte auf den Geschmack kommen. Einmal links auf links, dann rechts auf rechts und alles ist sauber von innen, perfekt!

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Bei dieser Bluse konnte ich nochmal das Schlitznähen auffrischen. Ich hatte es hier schon einmal gezeigt und konnte nun selbst darauf zurückgreifen, um nachzulesen. Beim dritten und wichtigsten, nämlich am Ausschnitt, klappte es dann einwandfrei. Da der Ausschnitt von der Schleife abgedeckt wird und man nicht viel davon sieht, habe ich eine Polohemdverarbeitung verworfen, obwohl mir das in meiner privaten Schneiderlehre noch fehlt… Und eigentlich ist die Lehrzeit nach 3,5 Jahren Bloggen ja wohl um… ( Habe ich in der Gesellenzeit nicht auch noch einiges dazugelernt in meinem tatsächlichen Beruf? -Oh ja!)

Hier sieht man einmal wie durchsichtig der Stoff eigentlich ist und welch nostalgische Knöpfe verwendet sind.

In Anlehnung dessen, was die Frauen um die Jahrhundertwende meist trugen, nämlich lange dunkle Röcke, wollte ich auch etwas dunkles zur Bluse tragen, das aber zeitgemäßer ist. Die Hose ist jedoch nicht selbstgenäht. Sie sieht nach Wolle aus, ist aber in der Hauptsache Viskose. Der entzückende schmale Gürtel mit der Schnalle ebenfalls in Schleifenform gehörte nicht dazu. Er hält sich ganz gut in der Mitte des Bundes, weil dieser in der oberen Hälfte Aufflockungen (mit Zahlen und Buchstaben) hat und der Gürtel nicht darüber rutscht. An sich hatte ich nach einer Bundfaltenhose Ausschau gehalten, aber sowas trägt man anscheinend derzeit nicht. Die schmale Form mit Bügelfalte steht mir wahrscheinlich mindestens ebenso gut. Die Fotos sind leider nicht besonders gelungen morgens bei Lampenlicht. Ich werde nachreichen.

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Nach sieben Wochen Ohne (bloggen), bin ich mal wieder beim Me Made Mittwoch.

Impressionen:

14 Gedanken zu “Schluppenbluse

  1. Ludwina 6. November 2019 / 16:53

    wow! wie immer sehr schön und besonders 🙂

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    • formspielerins werke 6. November 2019 / 16:59

      Tatsächlich mal was anderes für mich. Ich hätte früher nie gedacht, dass ich mal eine Schluppenbluse anziehen würde. Danke!

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  2. Jaqueline Bach 6. November 2019 / 18:53

    Die Falten am Ärmel sind toll, das muss ich dir wohl mal klauen. 😉

    Liebe Grüße, Jaqueline

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  3. Ulla 6. November 2019 / 23:46

    Für mich sind Schluppenblusen ein absolutes No-Go, weil sie nicht zu meinem Stil passen. Aber dir steht sie gut! Vor allem aber fasziniert mich das Konzept, sich von einem Künstler / einer Stadt inspirieren zu lassen. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg damit und bin gespannt auf weitere Teile!

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  4. formspielerins werke 7. November 2019 / 12:57

    Wie ich bei dir gelesen habe, magst du wie ich gern Broschen. Da gbt es bei einer Schluppenbluse oder ähnlich Altmodischem ja auch die Möglichkeit, mittig durch den Knoten eine Stabnadel zu tragen z.B.. Wenn ich etwas passendes gehabt hätte, hätte ich es gemacht. Von daher, vielleicht kommst du auf diese Weise auf den Geschmack? Was persönlichen Stil angeht, würde ich mal salopp antworten: Ich ändere meinen täglich! Obwohl das nicht ganz stimmt, der Alltag zwingt zum Prakmatischen. Vielen Dank für dein Interesse an meinem Projekt!

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  5. Sarah 8. November 2019 / 21:31

    sehr kreativ, edel, schick, wie schon gesagt wurde ganz besonders…So eine große Schluppe ist sicher nichts für alle Tage, aber für besondere Momente wunderbar! Schön finde ich, dass du was deinen persönlichen Stil betrifft, so flexibel bist! LG Sarah

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    • formspielerins werke 9. November 2019 / 11:54

      Oh vielen Dank! Ich möchte ja Mode machen. Es geht mir nicht so sehr darum, etwas anzuziehen zu haben.

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  6. erschöpftes Quota 10. November 2019 / 10:08

    Sehr edel! Sehr Wien. 😁 Bitte Fotos aus Wien bzw. neben einem Werk von Klimt nachreichen! 😉Sehr schönes Outfit, steht Dir super.

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    • formspielerins werke 12. November 2019 / 20:53

      Leider hatte ich, als ich in Wien war, noch kein Outfit fertig, obwohl ich mich schon etwas vorbereitet hatte. Bei einem nächsten Post werde ich dann auch die entsprechenden Bilder, die mich inspiriert haben, beifügen. Danke!

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  7. Heike 12. November 2019 / 19:55

    Das ist ja eine tolle Bluse, die goldene Passe finde ich toll. Dein Komplettoutfit sieht sehr stimmig aus.
    Und du erinnerst mich daran, dass ich mir auch mal eine Schluppenbluse nähen will.

    LG, Heike

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  8. Twill & Heftstich 25. November 2019 / 23:43

    Du Regina, entweder habe ich gerade Tomaten auf den Augen, aber ich kann unter Deinem WKSA Post kein Kommentarfeld entdecken? Deshalb auf diesem Wege: Ich mag Deine Inspirationsquelle Klimt sehr gern, besonders gefällt mir die Idee mit den schmalen Musterstreifen für die Kantenverarbeitung, wenn Kleingemustertes auf Uni trifft. Bin gespannt auf die Schnittdetails. Liebe Grüße Manuela

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    • formspielerins werke 26. November 2019 / 10:50

      Danke Manuela, dass du mich auf den Fehler aufmerksam gemacht hast! Es hätte ein Häkchen gesetzt sein müssen. Ich weiß nicht, ob es sonst automatisch da war oder ich da rumgespielt habe… Wie ärgerlich, aber jetzt geht das Kommentieren wieder. Ich freue mich über dein Interesse! Und arbeite gerade an proportionalen Feinheiten…

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