Picasso – Poncho

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Das erste Teil meines Projekts „Nähen nach Kunst“ ist fertig. Im letzten Beitrag hatte ich überlegt, ob und wie man sich von der Malerei der Moderne inspirieren lassen könnte. Bei Betrachtung dieses eigentlich farbigen Bilds von Picasso fielen mir Augen- und Kreuzmotiv auf und so entwickelte sich die Idee eines Ponchos bei dem beide Formen in Anwendung kommen konnten, sichtbar nun als Gesamtumriss und durch die Nähte.

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Um ein Gefühl für die notwendige Weite zu bekommen, habe ich zu Beginn an der Büste montiert. Dazu habe ich zur Simulierung der Arme kleine Kissen mit Kreppklebeband an die Seiten meiner Papierbüste geklebt. Mit Zeitungspapier drapierend wurde die grobe Form und die Länge festgelegt. Symmetrischer wurde es, nachdem ich auf einen großen Papierbogen von der Rolle übertragen habe. An Material darf man beim Entwurf nicht sparen. Ein Zusammenkleben von einzelnen Blättern z.B. würde die Sache verfälschen und unnötig aufhalten. Außerdem musste es in diesem Fall einen dickeren Stoff simulierend stabil genug und zum Anprobieren sein. Folie ist ja sonst auch ganz praktisch.

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Die Teile sind so zugeschnitten, dass es keine Seitennähte gibt, obwohl man den Poncho aus zwei Teilen zusammensetzen könnte. Vorder- und Rückseite sind prinzipiell gleich. Statt dessen wird vorn ein Kreuz mit nicht ganz rechten Winkeln gebildet, hinten gibt es zwei schräge Unterteilungen. Die Nähte sind als grafische Akzentuierung betont wulstig gearbeitet. Zunächst habe ich die Stoffkanten mit 2,5 cm Nahtzugabe zugeschnitten und links auf links zusammengenäht. Eine Seite der Nahtzugaben habe ich dann auf einen Zentimeter gekürzt und die andere um die Kante geschlagen. Die schwierigste aber optisch wichtigste Stelle ist der Kreuzungspunkt. Mit etwas Gewebeeinlage und ein paar Handstichen ist auch diese Stelle gemeistert. Damit die Kanten gut stehen war sorgfältiges Ausbügeln mit feuchtem Tuch von der linken Seite her notwendig.

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Der Poncho aus Walkloden ist ein ganz raffiniertes Teil. Er sieht nämlich nicht nur stylisch aus, sondern hat auch noch ein Innenleben, das ihn angenehm tragbar macht. Der Umhang ist mit einer Art Weste an der Halsausschnittkante verstürzt. Man kann ihn gut über den Kopf anziehen, denn der asymmetrische Ausschnitt ist weit genug. Ob man aber gut in die Armlöcher einsteigen können würde, wenn man einen festeren Stoff wählte, bezweifelte ich bei der Planung allerdings. Zwei von hinten kommende Seitenteile werden deshalb vorn über einem Latz geknöpft. So habe ich quasi zu öffnende Ärmel. Die Konstruktion ermöglicht dem Poncho einen guten Halt in der vorgesehenden Position. Er kann sich nicht verdrehen, der Ausschnitt sich nicht verschieben und sich nicht insgesamt hochschieben. Außerdem wärmt das Westenteil, da es eng am Körper anliegt. Es ist gefüttert, damit es keine rohen Kanten gibt. Ich finde es haltbarer und schöner, obwohl man Walk ja nicht unbedingt versäubern muss. Durch die Doppelung des Stoffs an der Schulter ist diese schön rund ausgeformt. Ein zuerst angedachtes Raglanschulterpolster war dann doch nicht nötig. Das Westenteil hat quasi angeschnittene kurze Ärmel, weil ja an der halsfernen Seite des Ausschnitts ein Beleg her musste. Auf der halsnahen Seite habe ich es dann zugunsten eines vernünftigen Tragegefühls auch so gemacht.

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Wenn man die vier Knöpfe mal sieht, obwohl es nicht unbedingt geplant ist, sieht es auch gut aus, bzw. es ist fast schade wenn nicht, denn ich habe mir mit den genähten Knopflöchern viel Mühe gegeben. Sie sind mit einem dünneren Wollstoff eingefasst. Ich nähe dabei von rechts ein rechteckiges Stoffstück auf und ziehe es dann durch den Schlitz auf die linke Seite. Das Glattziehen ist etwas aufwendig, aber die Verarbeitung erfreut mich dann hinterher doch.

Wen es interessiert, als Grundlage für das Innenteil habe ich den körpernahen Grundschnitt nach T. Gilewska verwendet. Den Brustabnäher habe ich zugelegt, die Linienführung knapp seitlich vorbeilaufen lassen und dann von der Seite her aufgeschnitten. Was sich dort noch an minimaler Erweiterung ergab, ist bei dem dicken Stoff zu vernachlässigen, also braucht nicht eingehalten zu werden.

Dazu trage ich ein Rollkragenshirt (selbstgenäht) und eine schwarze Stretch-Keilhose, die anstelle von Bügelfalten Nähte hat (nicht selbstgenäht). Ich fühle mich wie ein Torrero mit seinem roten Tuch. Wenn das nicht zum Picasso-Thema passt! Denn der Stier war auch ein Symbol, mit dem sich der Spanier beschäftigt hat. Wenn ich mal Zeit habe, nähe ich mir noch eine richtige Torrero-Hose mit den typischen gebogenen Unterteilungen an den Seiten.

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Erinnert sich die eine oder andere noch an diese Pose einer Reklame? -Hauptsache wir behalten Spaß am Bloggen. Schaut mal bei „woman on fire“ vorbei, wo diese und andere neue Kreationen verlinkt sind! Und den monatlichen MeMadeMittwoch darf man auch nicht verpassen!

Grüße von Regina

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17 Gedanken zu “Picasso – Poncho

  1. Sarah 6. Februar 2019 / 15:35

    Ach, das ist ein schöner Beitrag!!! Ein hoch auf die Kunst!!! Lg Sarah

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  2. kuestensocke 6. Februar 2019 / 17:18

    Ponchos als Kleidungsstück haben mir bislang nie zugesagt und auch an andere gefallen mir die Teile selten, alles immer so groß so verhüllen und eine Schultertasche lässt sich damit gleich gar nicht tragen. Dein Teil hingegen begeistert mich. Es ist ja eher ein ungewöhnlicher Pullover mit dem tollen untendrunter. Was für eine bemerkenswerte Konstruktion! Wenn du das als Schnitt für andere rausbringst, dann kaufe ich den Schnitt sofort!
    Dein gesamtes Outfit mit den überzeugt mich heut von Kopf bis Handschuh, ganz großes Kino! LG Kuestensocke

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    • formspielerins werke 6. Februar 2019 / 22:25

      Ja, Ponchos sind im Allgemeinen eher länger, entweder ethno oder mondän und natürlich kein bißchen praktisch im Alltag. Ich bin ja nicht davon ausgegangen, dass ich ein verhüllendes Tuch haben will, sondern es hat sich so ergeben, weil mir eine Form vorschwebte. Es ist sozusagen am Reißbrett entstanden. Die Entwicklung von Trageeigenschaften kamen erst hinterher. Und ich bin sehr zufrieden, denn es ist wirklich schön warm, für kühlere Räumlichkeiten wie Museen, abendlichen Kulturveranstaltungen… Schnitttechnisch muss man sich wohl hauptsächlich an der Schulterbreite orientieren. Ich sollte meine Schnitte endlich zugänglich machen… (bevor es jemand anders tut).

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  3. Barbara 6. Februar 2019 / 18:02

    Das ist ja ein tolle und schickes Teil geworden! Mir gefällt vor allem die Weste untendrunter- das ist ja wirklich raffiniert und wärmt bestimmt gut bei kühlen Temperaturen. Schade, daß man die Weste normalerweise beim Tragen nicht sieht! Mit dem Kreuz auf der Brust kann ich mich nicht so recht anfreunden, obwohl ich natürlich Deine Designabsicht verstehe, aber mir ist dieses Kreuz zu viel bei der auffälligen Farbe. Aber tolles Gesamt-Outfit!
    LG Barbara

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    • formspielerins werke 6. Februar 2019 / 22:32

      Freut mich, dass es gefällt! Ich habe auch schon überlegt, ob ich mir aus dem übrigen Stoff noch eine Weste mache. Wie gesagt, man könnte den äußeren Umhang auch ganz schlicht aus zwei Teilen machen.

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  4. Doreen 6. Februar 2019 / 18:24

    Ein super schickes extravagantes Teil in Knallerfarbe.
    Gefällt mir sehr, obwohl ich es nie tragen würde, weil es nicht zu mir passt.
    Dir steht es hervorragend

    Liebgruß Doreen

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  5. piek & fein 6. Februar 2019 / 21:18

    „Nähen nach Kunst“, das ist ja eine interessante Idee! Ich bin sehr begeistert, sowohl von der Idee als auch von Deinem Poncho!!!
    LG Julia

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    • formspielerins werke 6. Februar 2019 / 22:53

      Das Thema kann natürlich beliebig anspruchsvoll werden, das ist mir schon bewusst. Es ist mal eine andere Sichtweise. Wenn ich deinen bevorzugten Stil betrachte, muss ich an Bauhaus denken z.B.. Zum hundertjährigen Jubiläum gibt es gewiss hier und da auch Sonderausstellungen…

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  6. Siebensachen 7. Februar 2019 / 15:08

    Dein Poncho ist ein eyecatcher und nicht nur wegen der Farbe. Eine einfallsreich umgesetzte Inspiration, wobei du wahrscheinlich immer erklären musst, woher sie kommt. Bei der Untendrunter-Weste habe ich zunächst gestutzt: ist das nötig? Aber du erklärst es ja. Walk als Stoff zu wählen, finde ich genau richtig, ich hätte nur die Biesen etwas schmaler gemacht.
    Ich bin auf dein nächstes kunstinspiriertes Werk gespannt. Ich selbst habe die Idee immer im Hinterkopf und wenn mir etwas Gutes einfällt, schlage ich zu.
    LG
    Siebensachen

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    • formspielerins werke 7. Februar 2019 / 15:40

      Der Blick wird tatsächlich wie von einem Segel eingefangen, allein wegen der Fläche. Ich finde es gut, das entsprechende Bild, das die Idee lieferte, gleich mit zu zeigen. Ich weiß auch nicht, ob das nun bezüglich der Nutzungsrechte bedenklich ist oder nicht. Der Umhang könnte nie so lässig um die Schulter hängen, wenn er nicht dieses Innenleben hätte. Man ahnt den Aufwand erstmal nicht, aber das macht mir nichts. Ich wüsste nicht, wie ich die Biesen hätte schmaler machen können. Sie sind mit Zickzack abgesteppt, damit es nicht fransig aussieht, somit ergibt sich eine gewisse Höhe, falls du das meinst. Ich wüsste schon was, wenn du noch mehr Lust auf Molas haben solltest: Miro? Mit bunten Flecken und schwarzen Linien? Als Shirt vielleicht, damit es nicht allzu sehr in Arbeit ausartet.

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  7. Twill & Heftstich 7. Februar 2019 / 16:05

    Was für ein spannendes Projekt, Nähen nach Kunst; mit dem Poncho ist Dir ja selbst ein kleines Kunstwerk gelungen. Ich mag Ponchos optisch sehr gern, fand sie aber aus den von Dir genannten Gründen bisher unpraktisch. Irgendwas verrutscht immer und man friert. Mit der Weste darunter ist Dir eine tolle Lösung gelungen! Ich freue mich auf die Fortsetzung Deines Projekts. Liebe Manuela

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    • formspielerins werke 7. Februar 2019 / 16:16

      Vielen Dank, ich bin auch ganz glücklich damit und werde es noch ein Weilchen genießen bis ich etwas Neues in Angriff nehme.

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  8. Ina 8. Februar 2019 / 15:45

    Tolle Idee und gute Inspiration! Die auffälligen Nähte samt der guten Verarbeitung sind wirklich ein Hingucker. Ich bin sehr gespannt, wie Dein Kunstprojekt weitergeht.
    LG Ina

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    • formspielerins werke 8. Februar 2019 / 16:05

      Danke. Eigentlich dachte ich nicht nur an Zugucken , sondern auch an Mitmachen. Aber so ist das wohl im Internet…

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