Herzmieder-Schnittentwicklung

Stolz präsentiere ich nach tagelanger Arbeit eine Spielerei, bei der ich überhaupt gar nicht weiß, ob daraus ein Kleidungsstück werden soll. Es war nicht unbedingt Absicht, dass vorn ein Herz prangt, es hat sich formal so ergeben. Aber ich glaube, ich schrecke auch vor einem niedlichen Dirndl nicht zurück. Ich wollte etwas machen, was es aus gutem Grund nicht gibt, weil es schwer anzupassen und zu nähen ist und sich aufgrund des Zuschnitts auch leicht verzieht: schräge wellenförmige Teilungsnähte. Außerdem produziert man unverhältnismäßig viel Verschnitt.

Es fing damit an, dass ich ein wenig schaute, was ich eigentlich so habe an Schnitten, das Friesendeern-Mieder zum Beispiel. Wenn die Teile auf den Grundschnitt gelegt sind, kann ich sehen, wieviel ich wo weggenommen habe, um die enge Passform zu erreichen. Und ich habe mir nun gedacht, ich könnte bei anderen Nahtverläufen die Abstände übernehmen, wenn ich nur auf gleicher Höhe messe.

Aber Irrtum, das erste Modell sah so aus und war natürlich nicht zu gebrauchen. Nach viel empirischer Arbeit am realen Menschen wurde es langsam besser. Den letzten und entscheidenden Schliff hat die Sache aber erst durch die Erstellung eines in vorderer und hinterer Mitte reduzierten Grundschnitts bekommen, der dem Korsett entspricht. Auf diesen habe ich die Teile so festgesteckt, dass sie sich gut legen. Die tatsächlich vorhandenen Lücken sind dann mit Kreppklebeband beklebt, auf das ich die Schnittlinien harmonisch aufzeichnen kann. Wo ich schon dachte, es passt, hat sich gezeigt, der Rücken war zu kurz gewesen. So hätte ich schon von vornherein vorgehen sollen.

Herzmieder9

Hier sieht man, wieviel gegenüber einem Grundschnitt noch herausgenommen ist. An vorderer und hinterer Mitte fehlt doch so einiges, wenn die Abnäher aneinander gelegt sind. Passzeichen sind natürlich unerlässlich.

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5 Gedanken zu “Herzmieder-Schnittentwicklung

  1. Siebensachen 3. Mai 2018 / 18:31

    Da macht die Formspielerin ihrem selbstgewählten Namen wieder alle Ehre. Aus meiner Sicht schwierig aber sehr effektvoll. Ich hoffe, du arbeitest weiter daran und es wird am Ende ein Kleidungsstück daraus. Ich stelle mir an den Teilungsnähten Paspeln vor … Aber vielleicht auch nur, weil ich gerade selbst für ein Shiftkleid in diese Richtung denke. Meine angedachten Teilungsnähte würden allerdings nicht die Richtung wechseln. Bin gespannt, wie es weitergeht bei dir.
    LG
    Siebensachen

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    • formspielerins werke 3. Mai 2018 / 21:44

      Vielleicht ist doch auch ein V-Ausschnitt möglich. Man muss die Nähte jetzt natürlich auch hervorheben. Mit Paspeln geht das sehr gut und daran habe ich auch gedacht. Gegenläufige Kurven können schwierig werden, das stimmt. Notfalls muss man die Paspel etwas einschneiden, sich aber auf jeden Fall für eine bestimmte Lage beim Bügeln entscheiden. Ich will jetzt bei der schon investierten Arbeit auch ein Produkt sehen! Wir lesen uns!

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  2. Anja 5. Mai 2018 / 9:18

    Das wird sehr toll. Ich finde nicht, dass man Paspeln verwenden muss, ich glaube, dass die Form in einem Unistoff, ggf. farbig abgestellt, bestens zur Geltung kommt und etwas wunderbar klassisches werden kann. LG Anja

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    • formspielerins werke 5. Mai 2018 / 10:27

      Ja, es gibt unterschiedliche Möglichkeiten. Bei Baumwollstoff kann ich mir Paspeln vorstellen, obwohl es sicher schwierig sein kann, die Form zu halten. Eine andere Möglichkeit sehe ich in der Verwendung von Taft, dort wären Paspeln unüblich. Bei der engen Taille muss dann noch ein fülliges Rockteil her.

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