Midirock mittels Muster

Heute seht ihr mich, ganz kulturbeflissen, im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, wo ich letzte Woche war. Um die noch bis Mitte Juni zu sehende Ausstellung von Sofortbildkameras und den künstlerischen Produkten, die mit diesem Medium entstanden sind, soll es jedoch nicht gehen. Wie es sich für ein Nähmodeblog gehört, steht die Garderobe im Mittelpunkt des Interesses. Man hätte theoretisch elegantere Schuhe wählen können, das bitte ich zu entschuldigen, praktisch aber ziehe ich Schnürstiefeletten vor, wenn es draußen schneit.

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Das Shirt ist selbst genäht und war hier schon öfter unauffällig im Einsatz. Eine Anleitung dafür habe ich in „Historische Schnitte“ vom Rundschau-Verlag gefunden. Das Buch habe ich im Zusammenhang mit Korsett und Sissi-Kleid schon gezeigt. Ein Maßsatz in Größe 38 ist dabei. Wer etwas anderes hat, muss selbst messen. Wie das geht, steht in „Kleider und Blusen“. Das Buch habe ich hier gezeigt.

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Der Rock ist ganz ohne Schnittmuster entstanden. Ich gebrauchte nicht einmal ein Maßband. Allerdings, ohne Muster im Stoff wäre es nicht möglich gewesen. (Aus dem gleichen Stoff nähte ich vor kurzem auch eine Jacke, diese jedoch mit zusätzlicher Fütterung.)

Zunächst schnitt ich ein Rechteck zu, welches ich mir sehr locker um die Hüften legte. Da ich dabei eine Baumwollstrumpfhose trug, hielt sich der Stoff einigermaßen an Ort und Stelle, so dass ich den Umfang feststellen konnte.

Der gerade Rock sollte nur hinten eine Naht haben und die Musterspalten sollten symmetrisch aneinander passen. Auf zwei Zentimeter mehr kam es dabei nicht an.

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Nachdem der Schlauch genäht war, begann ich mit dem Drapieren einer Taillierung. Wo sonst eine Seitennaht zu finden ist, befindet sich ein längerer Abnäher, je zwei kürzere sind vorn und hinten.

Die  Abnäher habe ich ins Muster integrierend platziert, ungefähr dahin wo sie nach Grundschnitt lägen. Man muss sich das so vorstellen, dass ich mit dem zukünftigen Rock vor dem Spiegel stand und an sechs Stellen nach außen gelagerte Abnäher abgesteckt habe. Durch das Muster konnte ich symmetrisch arbeiten.

Die festgestellte Abnäherbreite und -länge ist dann nach innen umgesteckt und genäht worden. Die Methode ist etwas fehlerbehaftet, aber das machte nichts aus, denn der lockere Jaquartjersey konnte beim Annähen des Bundes leicht noch etwas eingehalten werden. Der Bund ist ein breites Gummiband, das in Bündchenstoff eingeschlagen ist. Die Gummibandkante ist dabei an den Rockstoff angenäht.

 

 

Den nahtverdeckten Reißverschluss habe ich mühselig von Hand eingenäht. Da ich die breite Nahtzugabe der Rückennaht schon festgenäht hatte, war ein Einnähen mit der Maschine nicht mehr möglich. Bei dem Strickstoff wäre es ohnehin schwierig geworden, die korrekte Nahtlinie zu treffen, denke ich mal.Strickrock3

Die Jacke hatte ich mir schon vor einiger Zeit mal gekauft. Sie hat mir für meine selbstgenähten Cardigans (rot und blau) schon als Vorbild gedient. Die zickzackförmige Absteppung finde ich hier so schön passend.

Und schlussendlich brauchte der Rock noch einen Schlitz. Er endet mit einem kleinen aufgenähten Stoffdreieck, einer Fliege. Die Saumkante ist mit selbstgemachtem, schwarzen Schrägband aus Baumwolle eingefasst.

Mal schauen, was es heute Schönes beim MeMadeMittwoch gibt!

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6 Gedanken zu “Midirock mittels Muster

  1. Anne von beswingtes Allerlei 2. April 2018 / 18:10

    Ein süßer Rock und so einfach die Konstruktion klingt, so wenig sieht der Rock danach aus, sondern man ist eh konzentriert auf das so gut passende Muster – Du hast die perfekte Verarbeitung gefunden, die dem Auge unheimlich gefällig ist! Ganz toll! 🙂

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  2. Siebensachen 4. April 2018 / 13:48

    Dein Vorgehen beim Rock kann ein gutes Beispiel sein für Hobbyschneiderinnen, die bisher nur nach Schnittmustern genäht haben, sich aber davon lösen wollen. Gut erklärt – das könntest du als Tutorial verwenden. Der Stoff kam mir natürlich gleich bekannt vor. Die Zickzack-Streifen sitzen auf der optimalen Höhe finde ich. Das ist sicherlich ein angenehmer, bequemer Rock.
    LG
    Siebensachen

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    • formspielerins werke 4. April 2018 / 14:20

      Grundsätzlich propagiere ich ja das Selbständigerwerden und fast jeder Beitrag kann deswegen als Tutorial verstanden werden. Hier erforderte das Muster besondere Berücksichtigung, sonst aber bin ich weit davon weg, Dinge so freihand hinzubiegen und möchte das auch keinem raten. Das war das Reststück an Stoff, wo der Rapport nicht recht mitspielte… Jetzt ist wirklich alles verarbeitet. Und echt bequem, stimmt! (Ich mache gerade kürzere Ärmel ans Kleid, gefiel mir doch nicht so.)

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  3. Anja 4. April 2018 / 15:07

    Der Stoff gefällt mir total gut, manchmal braucht es für ein spezielles Kleidungsstück keinen besonderen Schnitt, hier ist weniger wirklich mehr. LG Anja

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  4. Kuestensocke 4. April 2018 / 17:25

    Wow, da hast Du aus dem ungewöhnlichen Stoff das Beste rausgeholt. Tolle Wirkung des Musters auf dem Schnitt und zum gesamten Outfit! Sehr gelungen!! LG Kuestensocke

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