Für den jungen Mann

Nachdem ich schon das ein oder andere an Damenoberbekleidung angefertigt habe, kam die Frage auf, was bei Herrenschnitten wohl anders sein könnte. Zum Einstieg in die Materie fand ich „HAKA Schnittaufstellung Grundwissen“ ganz nützlich. Wie es scheint, konzipiert der Rundschau-Verlag die Konstruktionsanleitungen nach Müller&Sohn nun auch für den interessierten Laien, denn manches kommt mir mit festen Maßen vereinfacht dargestellt vor.

HAKA-Buch

Angefangen mit einem Oberhemd für den Sohn, kann eine komplette Garderobe für ihn entstehen, denn im Buch enthalten sind außerdem Konstruktionen für Weste, Sakko und Hose. Gezeigt sind die Konstruktionen in Größe 50. Die Tabellenmaße gehen von 44 bis 64. Natürlich kann man aber auch von individuellen Maßen ausgehen.

Um erstmal grundsätzlich eine ordentliche Hemdenkonstruktion hinzubekommen, habe ich nach den Tabellenmaßen gearbeitet. Im Vergleich mit den genormten Maßen war der Sohn teilweise viel schlanker. Gerade bei Herren muss man aber wohl nicht jeder Kurve nachgeben oder die Taille herausarbeiten. Die gemessenen Maße dienten mir als Anhaltspunkte für die richtige Größenwahl. Ich habe also einen Schnitt in der kleinsten Herrengröße nämlich 44 gezeichnet.

Wie man sieht, ist das Probemodell schon zu klein. Im geöffneten Zustand hatten wir zuerst gar nicht bemerkt, dass es an den Schultern zu schmal war. Eigentlich sind im Rücken noch Abnäher, die ich mir bei der Probe gespart habe. Aber die Manchettenlösung zu üben, konnte nicht schaden.  Die dafür benötigten Streifen sind im Buch genau mit Maßen angegeben. Eine Anleitung zur Verarbeitung muss man sich jedoch woanders besorgen. (Es geht ja um Schnitttechnik, und wer sowas macht, kann ja praktisch schon alles…)

 

Das Flanellhemd ist ohne ein weiteres Probemodell nun in Größe 46 gefertigt. Die Konstruktion eines Hemdes ist sogar viel einfacher als die einer Bluse, denn der Brustabnäher fällt ja weg. Es gibt vier Kragenformen zur Auswahl: den Londonkragen mit der ausgeprägtesten Spitze, dann den klassischen Hemdkragen für den wir uns entschieden haben, den Kentkragen und den Haikragen. Mein Sohn fand Knöpfe für einen Button-down-Kragen auch ganz chic. Da ich alles aufbewahre, fanden sich dafür und für die Manchetten, die auf halber Höhe geschlossen werden, ähnliche, kleinere an. Statt dieser Dachform habe ich wegen der Dicke des Stoffes einen geraden Abschluss für die Manchette gewählt. Das Hemd ist schön warm und gefällt. (Wenn es mal zu klein werden sollte, nehme ich es gern wieder zurück.)

Hemd1

 

Auch einen Pullover nach dem gleichen Schnitt hat es gegeben. Die Abwandlung habe ich mir selbst ausgedacht. Auf die Knopfleiste verzichten und das Vorderteil im Stoffbruch zuschneiden ist einfach. Im Vergleich mit vorhandenen gekauften Sweatshirts stellte sich heraus, dass die Schulternaht viel weiter hinten lag. Also habe ich sie parallel um 3,5 (!) Zentimeter verschoben. Ein Großteil des Halsausschnitts liegt damit im Vorderteil. Das Schnittteil der Rückenpasse habe ich an das Rumpfteil gerade angesetzt und den sonst in der Naht steckenden Abnäher ignoriert. Das Armloch wird dadurch etwas größer. Den Ärmelumfang habe ich deswegen nicht extra vergrößert. Bei festerem Stoff könnte die geringe Einhalteweite jedoch möglicherweise relevant werden. Das Armloch ist um 1,5 Zentimeter vertieft und der Ärmel entsprechend angepasst. Die Länge des Ärmels mit dem Bündchen musste gecheckt werden, den Schlitz ließ ich einfach weg.

 

Für den Halsausschnitt brauchte ich etwas länger bis er passabel war. Weil es anderen genauso ergehen kann, gehe ich mal ins Detail: Das Bündchen sollte etwas schmaler werden als bei Saum und Ärmel. Ich schnitt Vorder- und Rückenteil einfach mal drei Zentimeter weit aus und wollte diese Breite durch Bündchen ersetzen. Was ich nicht bedacht hatte, es rollt sich ja ein, was dazu führte, dass das Bündchen recht halsfern lag. Deswegen gibt es nun einen Einsatz im Rücken, der wie ein außen abgesteppter Besatz aussieht, denn dieser Bereich musste ersetzt werden. Im Vorderteil hätte dieses Vorgehen recht merkwürdig ausgesehen. Daher habe ich es komplett mit einem gerade so passenden Rest vom Ankerstoff, aus dem auch der Lieblingshoodie ist, ersetzt. Eigentlich hätte der Pullover unifarben sein sollen. Durch die sinnvolle Verwendung des Kombistoffs ist er sogar noch schöner geworden, finde ich. Nach der Anprobe war klar, der originale Ausschnitt ist etwas zu eng, außerdem gefiel dem Sohn das einem Stehkragen ähnliche Aussehen nicht so. Das Bündchen wurde bedeutend schmaler und kürzer gemacht und gedehnt angenäht. Den Ausschnitt habe ich letztendlich rundum nur um etwa einen dreiviertel Zentimeter erweitert. Jetzt sind wir zufrieden mit unseren Pullovern. Wenn man mal genau hinschaut, es sind keine Anker angeschnitten. Das war purer Zufall.

Ein frohes neues Jahr wünscht   -Regina!

Dieser Beitrag ist verlinkt mit „Nähen für Männer“ bei Annimamia.

 

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3 Gedanken zu “Für den jungen Mann

  1. Buntekleider 3. Januar 2018 / 11:10

    Liebe Regina,
    ich schätze deine ausführlichen informativen Posts sehr. Allerdings geht es beim MMM um Kleidung, die du für dich genäht hast. Das „egoistische“ Nähen ist ein Fundament des MMM. Darum werde ich dich leider aus der Linkliste entfernen.
    LG,
    Claudia

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