Wickelpullover, leicht Vintage

Wickelpullover4Der Pullover aus Feinstrick besteht vorn aus zwei nahezu identischen Teilen. Nur das oben liegende ist seitlich etwas verkürzt, um ein kurzes Bandende aufzunehmen.  Dieses ist durch eine Schnalle gezogen, die an ein aus der Seitennaht kommendes Stoffband genäht ist. Die leicht asymmetrische Optik rührt allein daher, dass das obenliegende Teil durch das schmückende Detail schwerer fällt. Der abnäherlose Rücken wird durch das in der Seitennaht gefasste Band leicht gerafft und damit tailliert. Alle Kanten sind mit breiten Belegen versehen, im Rücken in Passenform. Tatsächlich hat man nur einen Eindruck von Gewickeltem, denn alles ist fest vernäht und wird nicht weiter bewegt.

 

Entwickelt habe ich den Schnitt aus einem Grundschnitt für Kleider, also einem eher körpernahen. Brustabnäher und Schulterblattabnäher sind ins Armloch gelegt und dort offen gelassen. Auf Taillenabnäher ist ebenfalls verzichtet. An der Seitennaht ist etwas zugegeben. Dies findet in den nachfolgenden Skizzen jedoch keine Berücksichtigung. Hier ist gezeigt, wie grundsätzlich ein Pullover ohne Abnäher mit einem passenden Ärmel entstehen kann. Der halbe senkrecht geteilte Kleiderärmel ist jeweils an Vorder- und Rückenteil angelegt, um einen Ärmel mit niedriger Kugel und damit viel Bewegungsfreiheit zu erzeugen. Zugleich werden dabei die Nahtkanten der Rumpfteile verändert. Die Ärmelhälften sind noch einmal geteilt, um sie auseinander stellen zu können, um mehr Breite zu bekommen.

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Die Skizzen sind nach meinen eigenen Maßen und Proportionen hergestellt. Die Vorgehensweise ist bei Müller&Sohn abgeschaut. Natürlich gibt es gewisse Regeln, die man dort nachlesen kann.Kleid9Kleid8Die Einhalteweite ist gering, da Rumpf und Ärmel weitgehend den gleichen Nahtverlauf haben.

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Wieder zusammengesetzt ergibt sich eine flachere Armkugel gegenüber dem ursprünglichen Ärmel, allein schon dadurch, dass der Ärmel breiter geworden ist. Man kann das Armloch auch noch vertiefen, habe ich hier aber nicht gemacht. Oder den Ärmel noch waagerechter und mit Verkürzung anlegen. Oder den Nahtverlauf ganz anders zeichnen. Es gibt unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten.

 

Dies ist mein Beitrag zum Motto „Schick in Strick“ beim Jahres-Sew along von Fräulein An. Mit dem MeMadeMittwoch wird er auch verlinkt.

 

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8 Gedanken zu “Wickelpullover, leicht Vintage

  1. YOOOOOOOOOODGA 11. November 2017 / 19:12

    Toll, ein bisschen wie bei Krieg der Sterne – Episode 1, finde ich…

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  2. Mema 15. November 2017 / 9:55

    Sehr schön. Und herzlichen Dank für die Erläuterungen.

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  3. kuestensocke 15. November 2017 / 17:22

    Ein sehr interessantes Kleidungsstück, vor allem die Optik im Rücken finde ich klasse mit dem Gürtel. LG Kuestensocke

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  4. Twill & Heftstich 15. November 2017 / 18:38

    Sehr informativer Post, sehr verständlich erklärt und anschaulich grafisch aufbereitet! Für mich gibt’s da, glaube ich, noch viel zu entdecken. Mir war gar nicht bewusst, dass man Abnäher auch ins Armloch rotieren kann. Vielen, lieben Dank dafür. Manuela

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    • formspielerins werke 15. November 2017 / 21:29

      Wenn ich zum Experimentieren anregen kann, würde mich das sehr freuen. Ich finde Konstruktion jedenfalls spannend!

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  5. fadori 15. November 2017 / 20:07

    Hallo! Ich habe mal ein bisschen bei Dir gestöbert. Beeindruckend was Du so alles machst 🙂
    Deine Wickelbluse ist schön geworden. Die Verschlusslösung gefällt mir sehr.
    LG Birgit/ fadori

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  6. stoffnotizen 16. November 2017 / 9:34

    Toll gemacht und gut beschrieben! Ich experimentiere gerade ebenfalls mit einem Pulloverschnitt. Dafür habe ich auch meinen Kleiderschnitt Passformklasse 4 verwendet und nach einem Beitrag in der Damen-Rundschau 7/8/2008 überschnittene Schultern und entsprechende Ärmel konstruiert. Ich habe auch noch das Armloch vertieft 😉 Nach welchem Buch von Müller&Sohn hast Du gearbeitet? Ich würde gern mal vergleichen, z.B. den Abstand bei der Ärmelanlage und den Abgleich Schulter-obere Ärmelkugel. Danke schon mal und liebe Grüße!

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    • formspielerins werke 16. November 2017 / 16:17

      Danke! Ich arbeite nach dem Buch „Schnittkonstruktionen für Kleider und Blusen“ vom Rundschau-Verlag. Der Titel ist abgebildet im Beitrag „Lieblingshoodie maritim“ vom März `17. Man kann ganz verschiedene Abstände wählen, nur müssen die Beträge von Vertiefung und Überschneidung an der Schulter zueinander passen. Schaue es dir am besten mal an.
      Vor Jahren habe ich mal ein Heft der Damen-Rundschau zur Probe bestellt und eigentlich hat es mir auch gut gefallen. Aber wenn es ums Abonnieren geht, schlägt der Geiz durch… Stoff ist ja schon teuer genug. Grüße zurück! Regina

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