Blaue Hemdbluse mit beiger Hose

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Eine locker verhüllende eher schulterbetonende Hemdbluse ist entstanden. Sie steht formal im Kontrast zur körpernah geschnittenen Hose. Das leuchtende Blau mit seiner klaren, frischen Wirkung bleibt in Kombination mit einer hellen Hose sachlich und findet daher gern in der Herrenmode Anwendung. Das klare Bekenntnis zur Farbe strahlt Vitalität und Großzügigkeit aus und ist für den Berufsalltag im Kontakt mit Menschen sehr geeignet. Und auch mir gefällt diese Kombination außerordentlich gut. Aber darf man den Männern denn alles wegnehmen? –

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Die Bluse

Die Konstruktion dieser Bluse basiert auf den Grundschnitt, den ich im vorigen Beitrag an der rotkarierten Bluse gezeigt habe. Jetzt sind vorn und hinten kleine Schulterpassen gezeichnet, die an der Schulternaht zu einer zusammengefasst sind. Für die Falten ist der Schnitt senkrecht bis zum Saum aufgeschnitten und die Teile sind keilförmig auseinandergelegt. Vorn ist auch der Abnäher für die Faltenlegung verwendet. Taillenabnäher sind weggelassen. Dies ist nur eine grobe Beschreibung meiner am Fachbuch orientierten Vorgehensweise. Der mitteldicke Baumwollstoff (Cretonne) hat mehr Stand als der Flanell, wie man sieht. Auch ist die Passe gedoppelt und der Kragen ein anderer. Dieser hat eine sehr geringe Außenlänge und sitzt recht streng, wenn er geschlossen ist. Es gibt ein neues Buch von Müller&Sohn für die Konstruktion von Herrenkleidung. Nach diesem habe ich den Kragen in leicht veränderter Form gearbeitet. (Mann und Sohn kriegen demnächst auch, aber psst!)

Der Manchettenschlitz

Es gibt viele Methoden, wie man einen Manchettenschlitz verarbeiten kann. Hier zeige ich eine, die ich mir von einer gekauften Bluse abgeschaut habe. Ein gut doppelt so langer Streifen wie der Schlitz wird gemäß der Anzeichnung auf dem ersten Bild auf die rechte Stoffseite genäht. Der Streifen ist so breit wie vier Nahtzugaben. Vom Schlitzende aus müssen nun sternförmig Einschnitte gemacht werden, damit die Strecke gerade auseinandergezogen werden kann. Auf der linken Stoffseite schlage ich die Nahtzugabe ein und stecke sie fest. Nachdem der Streifen gesteppt ist, fixiere ich das Schlitzende mit einer kurzen schrägen Naht. Das letzte Bild zeigt die rechte Stoffseite des rechten Ärmels. Wichtig ist, das zu den Falten weisende Ende noch einmal umzuschlagen, damit die Streifen bei geschlossener Manchette schön aufeinander zu liegen kommen. So vorbereitet brauche ich den Ärmel nur noch mit der Manchette einfassen. Die Innenseite muss natürlich von Hand anstaffiert werden.

Die Hose

Die weite Bluse wird durch eine enge Hose ergänzt. Sie ist aus beigen Baumwoll-Stretchtwill und vom Schnitt her wie die gelbe Jeanshose, nur dass ich an der Vorderhose eine seitliche Abtrennung vorgenommen habe. Man sieht den Streifen leider kaum. Das obere Ende trifft auf die nun eckig gestaltete Taschenkante. Bei der grauen Twillhose hatte ich den Streifen neben die Tasche gesetzt, aber da war die Vorderhose insgesamt auch breiter.

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Die eckige Taschenkante

Um den Besatz verstürzen zu können, muss man die Ecke einschneiden. Es ergibt sich ein Stück fehlende Nahtzugabe, was normalerweise nicht stört. Die ungleiche Stoffdicke würde beim Absteppen mit dickerem Knopflochgarn jedoch sichtbar. Also habe ich ein kleines doppelt gelegtes Stoffstück eingefügt. Mit Vlieseline ist es von beiden Seiten festgeklebt. Beim Absteppen wird es dann mitgefasst und sorgt für eine ebenmäßige Vorderhose.

Das aufgesetzte Stoffstück

Oberhalb des Tascheneingriffs befindet sich noch ein Designelement. Es ist nicht ganz freiwillig entstanden, wie man wohl gleich vermuten wird. Es rührt daher, dass ich nicht bedacht habe, wie die neu entworfene Taschenkante an der Seitennaht auf die Rückenpasse treffen würde. Es ergab sich ein Versatz von einem halben Zentimeter. Damit es nicht aussieht wie gewollt und nicht gekonnt, habe ich noch einen weiteren Versatz hinzugefügt. Und jetzt ist es eben Stil, zu sehen unten im ersten Bild.

Der Bund

Diesmal habe ich nur mit Organza verstärkt. Er bleibt in sich flexibel, kann sich aber nicht dehnen. Für Knopf und Knopfloch reicht das jedoch nicht aus. Fürs Knopfloch hatte ich noch eine kleine Fläche bebügelt. Beim Knopf habe ich erst hinterher dreifach Stoff hinterlegt, um einem Ausreissen vorzubeugen. Eine ordentliche, aufbügelbare Einlage, wie ich sie auch für Taschenhintergrund und Passe verwendet habe, ist wohl doch nötig. Die Taschenbeutel befestige ich am Untertritt, beziehungsweise am Reißverschluß auf der anderen Seite. An der Seitennaht sind sie mitgefasst. Für die Handnähte, zum Beispiel beim Anstaffieren des Bundes auf der Innenseite, verwende ich gern einen Fingerhut.

So sieht`s aus! Das war der Bericht aus meinem privaten Modeatelier. Ich verlinke ihn mit dem MeMadeMittwoch und schaue mal, was es noch so Neues gibt!

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5 Gedanken zu “Blaue Hemdbluse mit beiger Hose

  1. kuestensocke 25. Oktober 2017 / 13:22

    Oh sehr schön! Vor allem die Hose mit den feinen Details gefällt mir. Die bluse hat eine tolle Farbe, wäre mir persönlich jedoch zu blusig. Wie es liest, hast Du jedoch die Weite bewusst so gewählt – prima wenn das Wunsch-Outfit so gut gelingt. LG Kuestensocke

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  2. fairnaehtblog 25. Oktober 2017 / 22:39

    Hose und Bluse sind so ordentlich und sorgfältig gearbeitet – Wahnsinn!
    Toll ist auch, daß Du die einzelnen Schritte zeigst und erklärst (nicht daß ich mich jetzt an Hosen und Blusen heran trauen würde – soweit bin ich leider noch nicht).
    Schöne Grüße, Anja

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  3. Kleines Quota 9. November 2017 / 19:07

    Beides echt toll! Die Taschenform ist super. Ich mag so spezielle Details, die erst beim genauen Hinsehen auffallen.

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