Reformationshemd

Cranach1Allerorts wird der 500. Jahrestag der Reformation gefeiert. Eben jene Mode des 16. Jahrhunderts, festgehalten auf einem Gemälde von Lukas Cranach, inspirierte mich, einen etwas anderen Hoodie zu erfinden. Wie dicht die Cranach-Werkstatt mit Martin Luther und der Reformation zu tun hat, habe ich erst kürzlich durch weitere Recherche erfahren. Denn die dort in Massen produzierten und verbreiteten Holzschnitte waren das Medium der damaligen Zeit, ohne die die Reformation nicht soviel Erfolg hätte haben können.

Mich interessierte die Linienführung an den Kleidern der Patrizierinnen wie sie um 1530 getragen wurden. Die bis zur Taille gehenden, weit zur Seite gezogenen Träger bildeten den Ausgangspunkt meiner Überlegungen. Das dazu rechtwinklig stehende breite Band über der Brust war besonders geschmückt, der Taillenbereich dann geschnürt. Die Ärmel waren damals länger, bis über die Hand gehend, eng anliegend und mehrfach gepufft. Der weite Halsausschnitt bot viel Platz für Schmuck. Es sind wunderschöne, wertvolle und aufwendig hergestellte Kleider. Sie nachzuarbeiten lag mir nicht im Sinn.

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Vielmehr ist es ein noch mittelalterlich aussehenden Hemd aus Leinen geworden. Leinen ist ein schönes urspüngliches Material, mit dem sich der weit geschnittene Entwurf besonders gut realisieren ließ, da es viel Stand hat. Die in Falten gelegten Ärmel sollen romantisch ritterlich aussehen. Sie sind vorn und hinten eckig eingesetzt. Für die Konstruktion habe ich mich an Raglanschnitt und Fledermausärmel orientiert. Damit die Proportionen stimmen und der praktische Charakter zur Geltung kommt, habe ich mich für dreiviertellange Ärmel entschieden. Hinten fasst die große runde Passe die Falten und wiederholt dekorativ den Bogen der Kapuze. Der Schlitz am Saum gibt viel Bewegungsfreiheit beim Reiten und Kämpfen… Ein Ledergürtel im gleichen steingrau wie das Hemd nur einen Ton dunkler ergänzt das Ganze.

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Man könnte vielleicht eine schmale gemusterte Borte neben den Nähten im Vorderteil und fortlaufend um die Rückenpasse aufnähen, um die Linienführung zu betonen. Erstmal habe ich es jedoch bei dieser einfachen Version belassen.

Die Kapuze schützt bei leichtem Nieselregen und vor herabfallenden Spinnen… Für den Ausgang des Kordelzugtunnels habe ich zunächst ein Knopfloch genäht und darauf das Lederstück appliziert. Bei abgesetzter Kapuze ist das Leinen allerdings etwas rauh am Hals. Entweder hinterlege ich die Innenseite noch mit etwas weicherem Stoff oder trage einfach ein Tuch dazu .

 

 

Die so genannte Standarthose nach Müller&Sohn ist aus Fahnentuch, also Baumwolle. Aus dieser Grundform lassen sich auch andere Hosenmodelle entwickeln. Hier habe ich nur den oberen Bereich abweichend als Formbund gearbeitet, indem ich die Abnäher zusammengefasst habe. Bei der Hose des pradainspirierten Ensembles z.B. hatte ich nach oben verlängert und die Beinform verändert, um eine Schlaghose zu erhalten. Der Gesäßbereich blieb aber gleich.

 

 

Meine neuesten Kreationen zeige ich beim MeMadeMittwoch und bedanke mich bei den Organisatorinnen für die Verlinkungsmöglichkeit!

 

 

 

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4 Gedanken zu “Reformationshemd

  1. fadori 6. September 2017 / 11:39

    Das Shirt ist richtig „cool“. Hast Du Dich dabei an einem Schnitt orientiert oder komplett selbst konstruiert?
    LG fadori/Birgit

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    • formspielerins werke 6. September 2017 / 15:23

      Danke! Ich habe die Schnittmuster vom orangen Kapuzenshirt und von der langen Zipfelbluse kombiniert, beides selbst konstruiert. Die Kapuze ist vom maritimen Lieblingshoodie. Zwischendrin hatte ich mal flügelähnliche Volants, die ich dann doch als Ärmel gearbeitet habe, beziehungsweise deren Falten in die Ärmel eingearbeitet habe. Die Teilungsnähte sind frei gesetzt, sie haben nähtechnisch keine Bedeutung, also enthalten keine Abnäher. Das Hemd ist so weit, dass es im Prinzip aus flachem Vorder- und Rückenteil besteht.

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  2. Siebensachen 6. September 2017 / 18:08

    Du nähst immer so ausgefallene Modelle. Toll. Dein Hemd hat einige interessante Details, wie z.B. die runde Passe. Das müsste man doch auch auf klassische Hemdblusen übertragen können — das sollte ich mir merken. Deine Kordelausgänge werde ich auf jeden Fall nachmachen, denn demnächst nähe ich einen Hoodie für meinen Mann. Danke fürs Zeigen.
    LG
    Siebensachen

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  3. kuestensocke 6. September 2017 / 20:50

    Sehr spannend Dein entwickelter Hoodie. Interessante Details mit der Passe und der Kapuze. Echt klasse geworden. LG Kuestensocke

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