Tailleur in weiß

Ein Tailleur ist ein meist kürzerer Blazer, der stark tailliert ist. Er kann zu Hosen getragen werden, ist aber oft Bestandteil eines sehr figurbetonten Kostüms.

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Dieser ist aus einem köperbindigen Baumwollgewebe in einem ins grau-grünliche abgetöntem Weiß. Ich habe Viskosefutter von Neva-Viscon verwendet, spargelfarbig!

Der Schnitt ist ähnlich dem im letzten September gezeigten Blazer, wo ich die Gestaltung des Vorderteils gezeigt habe. Interessant ist dabei, wie der untere Teil des vorderen Abnähers wegrationalisiert wird. Durch den Tascheneinschnitt ist es möglich, ihn in die Seitennaht hin abzuleiten.

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Abweichend vom Grundschnitt ist der Rückenabnäher etwas zur Seite gerückt und im Bogen zum Armloch geführt. Es ergibt sich eine Teilungsnaht. Zusätzlich ist der Saum ausgestellt. Der obere Bereich des Seitenteils ab Taille ist etwas zur hinteren Mitte hin geschert um Schrägzügen entgegen zu wirken. Das Vorderteil ist verschmälert, was einer stärkeren Taillierung entspricht. Daher habe ich auch die Einhalteweite am Ärmel reduzieren müssen.

Tailleur3

Ich habe den gesamten Rumpf des Tailleurs mit Gewebeeinlage verstärkt. Damit habe ich mehr Stand erreicht, allerdings auch sehr schnell harte Knicke im Stoff. Das ist wohl bei Baumwolle so, weichere Stoffe ergeben sicher eine andere Optik.

Es gibt so viele aufwendige Verarbeitungsweisen für Blazer, wie das Einnähen eines Placks oder das Pikieren zum Beispiel. Das habe ich alles nicht gemacht, auch keine Schulterpolster verwendet. Auf das Absteppen der Reverskante habe ich verzichtet, Ober- und Unterkragen halten von allein die Form. Bei Anzügen, habe ich gesehen, ist das auch nicht unbedingt immer gemacht. Nur unter dem Kragen sind die beiden Schichten (Oberstoff- und Futterjacke) unsichtbar verbunden.

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Mit viel Schnickschnack habe ich mich hier nicht aufgehalten, die Zweinahtärmel sind ohne Schlitz und Knöpfe. Eine schöne Paspelverarbeitung an den Taschen musste aber sein, und die Knopflöcher für die zwei Metallknöpfe sind wieder handgestickt. An der roten Jeansjacke ist noch genauer zu sehen, wie ich beides mache.

Auch zum kürzlich gezeigten Blumenkleid finde ich die Jacke sehr tragbar:                 (für vergrößerte Ansicht anklicken)

Diesen Beitrag verlinke ich zu „Tweed and Greet“, wo zur Aktion „12 colours of handmade fashion“ aufgerufen ist. Für den Monat Mai ist „weiß“ gefragt. Da habe ich schon tolle Sachen gesehen!

Vielleicht möchte der eine oder die andere vom MeMadeMittwoch kommende es auch noch sehen. Mit diesem Link kommt er wieder zurück.

 

 

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7 Gedanken zu “Tailleur in weiß

  1. yacurama 29. Mai 2017 / 14:02

    Sehr sommerlich! Kannst du „Der obere Bereich des Seitenteils ab Taille ist etwas zur hinteren Mitte hin geschert um Schrägzügen entgegen zu wirken“ vielleicht noch mal genauer erklären? Ich verstehe nicht ganz was du damit meinst, aber es interessiert mich sehr!
    Wegen der harten Knicke durch die Einlage wäre vielleicht eine Einlage ohne Bügeln besser gewesen.

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    • formspielerins werke 29. Mai 2017 / 14:17

      Das ist so: Die Spitze des Seitenteils habe ich 1,5 cm zur Mitte hin verschoben. Am Armloch sind diese 1,5 cm weggenommen. Alle Linien ab Taille müssen entsprechend neu gezeichnet werden.
      Leider weiß ich nicht, wie man mit Einlage, die nicht aufgebügelt wird, umgeht. Soll sie nur an den Nähten mitgefasst werden?
      Interessant ist auch der Blog „Form geben“, auf den ich durch Mema aufmerksam wurde. Dort ist in mehreren Beiträgen die Verarbeitung eines Blazers gezeigt.

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      • yacurama 29. Mai 2017 / 23:54

        Die Einlage muss vorher auf alle Teile geheftet werden, einmal außenrum innerhalb der Nahtzugabe. Das muss man von Hand machen, damit sich nichts verzieht. Dann wird alles wie eine Lage behandelt und genäht. Das habe ich schon häufiger mit Batist so gemacht, es gibt aber auch Einlage zum Einnähen zu kaufen oder man nimmt Organza.
        Den Blog schau ich mir mal an 😉
        Liebe Grüße,
        yacurama

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  2. Siebensachen 30. Mai 2017 / 14:43

    Dein Blazer, pardon, Tailleur – du erklärst ja sehr schön den Unterschied – ist ganz großartig gelungen. Du arbeitest wirklich auf hohem Niveau. Zum Sommerkleid kombiniert: wunderschön!
    LG
    Siebensachen

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  3. kuestensocke 31. Mai 2017 / 10:39

    Wow ein toller Blazer, das liest sich alles so locker flockig, als ob das NÄhen ganz easy ist…. Ist es nicht, ich habe mich auch schon an Blazern versucht und bin damit noch nicht in Serien gegangen, weil es echt aufwändig ist. Sehr schön ist Dein Exemplar geworden, perfekt zu Hose und zu Kleid. LG Kuestensocke

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    • formspielerins werke 31. Mai 2017 / 12:08

      Ich nähe solche Sachen auch nicht in einem Rutsch durch. Gerade für die Details muss ich erstmal Kondition sammeln, damit ich es nicht noch auf dem letzten Meter versemmele. Wahrscheinlich werde ich den Schnitt noch mal in einem anderen Stoff versuchen umzusetzen. Freut mich, dass er gefällt!

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