Jerseykleid in Strickoptik

Strickkleid11Es ist ja noch nicht allzu warm, aber ich zeige schon mal mein neues Shirtkleid für den Sommer, im Atelier, denn draußen sind nur 14°C. Die Idee dazu kam mir, als ich die Änderungen am Sanduhr-Kleid dokumentiert habe. Es sollte zweifarbig werden. Die Querabtrennung war ja schon da. Ich musste nur noch die Abnäher, die ja praktisch zwischen den Schnittteilen platziert waren, eleminieren. (Man hätte für das Vorhaben auch gleich einen fertigen Shirtschnitt nehmen können, aber das wäre ja zu einfach gewesen!)

Also sind die Schnittteile so weit es ging zusammmengeschoben. Auf Brusthöhe überlagern sie sich um einen halben Zentimeter, während die Abnäher damit weitestgehend geschlossen sind. Bei dieser Konstruktion liegt ein Teil des großen Brustabnähers in der Passenabtrennung, daher ist er nicht mehr so groß. Das Überlagern kann man bei Verwendung eines elastischen Stoffes ruhig machen, weil ohnehin in der Weite reduziert werden muss. Auch beim Rückenteil bin ich so vorgegangen. Das ergab eine Weitenreduzierung von jeweils 2 Zentimeter. Als es dann immer noch recht locker saß, habe ich an der Seitennaht vom Armloch zur Taille hin auslaufend noch einmal um einen Zentimeter reduziert. Somit bin ich zu insgesamt 8 Zentimeter Elastizitätsabzug gekommen, was mich schon verwundert. So unterschiedlich kann die Passform durch die Wahl der Stoffart sein, von dickem Wollwebstoff gegenüber locker gestricktem Jersey. In manchen käuflichen Schnittmustern ist in diesem Zusammenhang von „negativ ease“ die Rede.

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Taille und Hüfte hätte man vielleicht noch enger machen können. Ich habe die Weite erstmal so belassen.

Die Querabtrennung war vorn und hinten nicht wirklich korrekt auf gleicher Höhe. In der Profilansicht und durch Messungen vom Boden aus zeigten sich Unterschiede.

Als diese behoben waren, stellte ich fest, dass die Nahtlinien leicht gebogen sein müssen, so wie man es ja auch bei Rock- oder Oberteilen aus Webstoff sieht, bei denen die Abnäher schon genäht sind.

Aber auch in Längsrichtung gibt es einen Bogen abweichend von der hinteren Mitte, wenn das Kleidungsstück eng anliegend sein soll. Dies wird in Oberteilkonstruktionen ja auch so berücksichtigt. Bei meinem Oberteil will ich jedoch keine Naht in der hinteren Mitte haben und erkläre die schräge Linie deshalb zum Stoffbruch.

Die überschnittene Schulter habe ich wieder etwas zurückgenommen. Die Ärmel sind mit flacher Kugel und ohne Einhalteweite zugeschnitten.

Die verkleinernde Umrandung des Halsausschnitts ist trapezförmig. Ein Zuschnitt im Stoffbruch hätte die feine senkrechte Melierung des grauen Sommersweats schräg angeschnitten. Ich wollte, dass sie parallel mit den seitlichen Ausschnittkanten verläuft. Deshalb habe ich Vorder- und Rückenteil nicht im Ganzen im Stoffbruch zugeschnitten und an der Schulter verbunden, sondern den Ausschnitt aus vier Streifen mit Gehrungsecken gearbeitet. Da der Sweatshirtstoff mit Verstärkung nicht mehr elastisch ist, ging das recht gut. Jeden Winkel habe ich einzeln am Schnittmuster kontrolliert. Dieser Rahmen stabilisiert das ganze Kleid. Die Kante ist mit einem Futterbesatz verstürzt, der sonst nur noch an der Ärmelnaht befestigt ist. So leiert der Oberstoff an der Schulter auch nicht aus. Damit die Nahtzugabe nicht hochsteht, habe ich sie zur Ärmelseite gelegt und die Ärmelnaht abgesteppt. Soweit zur Technik.

Irgendwie fand ich diese Situation noch zu simpel und langweilig. Da fehlte noch etwas Pfiff. Einen Gürtel, egal ob in der Taille oder mehr hüftig sitzend, habe ich verworfen, weil der weiche Jaquartjersey wahrscheinlich zu sehr strapaziert würde. Bei Taschen hatte ich die Befürchtung, sie könnten vielleicht nicht gelingen und beulig wirken. So habe ich mich für ein Hüfttuch entschieden.

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Für das Tuch habe ich einen halben Meter Stoff ohne Reste verbraucht. Die helle Rückseite des Sommersweat wollte ich nicht sichtbar haben und habe das Tuch deshalb gedoppelt. Nach Ausschneiden des langgezogenen Dreiecks bleiben zwei kleinere Restdreiecke, die an der Webkante zusammengenäht noch einmal ein gleich großes Dreieck ergeben. Das Tuch hat dann zwar eine Mittelnaht auf der Rückseite, aber die wird ohnehin fast nie sichtbar sein.

Die selbstgemachten Quasten aus Baumwollgarn mit Farbwechsel sind in die Ecken eingenäht. Um nur einen Zopf zu haben, ist das andere Ende mit umwickelt. Aufgemacht gibt es noch zusätzliche Fäden zur Quaste.

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Die Quasten unterstreichen den Handarbeitscharakter und lassen die Verblüffung umso größer sein, wenn aus der Nähe betrachtet erkannt wird, dass das Oberteil eben nicht grob (hand-)gestrickt ist, sondern es sich um einen Jaquartjersey handelt.

Tja, das ist Stricken für Nichtstricker und daher für mich genau das Richtige!

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Das Tuch wärmt und sieht lässig wie ein umgebundener Pullover aus, den man mitnimmt, weil es kühl werden könnte. Und als Stola kann es natürlich auch dienen.

Ich finde, mein Shirtkleid ist mit und ohne wärmendes Darunter tragbar und total gemütlich. Es ist mein Beitrag zum Jahres-Sewalong bei Fräulein An, der diesen Monat das Motto „Kleiderwahl“ hat. (Es hätte aber auch zum Motto des Vormonats „gut betucht“ gepasst.)

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Und beim MeMadeMittwoch, dem Schaufenster für private Modeschöpfer, bin ich auch gern mal wieder!

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Diese Tragemöglichkeit fiel mir bei besserem Wetter dann auch noch ein. (Nachdem schon 395 Besucher ohne Meinung vorbeigezogen sind.)

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5 Gedanken zu “Jerseykleid in Strickoptik

  1. 123-Nadelei 17. Mai 2017 / 13:38

    Eine schöne Kombination. Viel Vorbereitung hast Du in die Schnittkorrektur investiert. Das Oberteil finde ich immer noch recht „oversize“, war das Absicht?
    Taille und Hüfte finde ich mit der angedeuteten A-Linie so locker gelungen.
    Ich könnte mir das Teil auch ärmelfrei als Kleiderrock gut vorstellen.
    Ja es ist immer schade, wenn die Besucher vom MMM nur vorbei klicken.
    LG Ute

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    • formspielerins werke 17. Mai 2017 / 21:30

      Es war ein Versuch. Was in festem Webstoff gut passt, sitzt in Jersey halt sehr locker. Einmal dies und auch wie aus einem Schnitt mit Abnähern ein Shirtschnitt werden kann, wollte ich mal zeigen. Ich weiß, überschnittene Ärmel trägt man nicht mehr gern, aber bei einer gewissen Weite ist das unvermeidbar, weil der Schulterpunkt nicht so sehr viel weiter einwärts sitzen darf als die Seitennaht. Die Armkugel würde sehr lang und schräg und säße auch nicht gut. Der einfachere Weg ist die kurze Kugel weiter außen anzusetzen.
      Ja und ärmellos war ja schon das Sanduhr-Kleid, ich wollte mal was anderes. Mit Etuikleidern so komplett ohne Ärmel habe ich ohnehin meine Schwierigkeiten. Bei uns ist es nie so richtig warm gewesen. Ich bin von Kind auf an Wind gewöhnt, das prägt. Außerdem glaube ich, dünne Arme zu haben.
      Ich brauche durchaus kein überschwängliches Lob oder eine gute Statistik, Fachgespräche sind mir lieber. Sonst ist mir langweilig mit der Bloggerei.
      Vielen Dank fürs Vorbeischauen!

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  2. seelenruhig 24. Mai 2017 / 7:49

    Dein Blumenkleid ist wunderschön. Ich brauche auch noch ein schönes Kleid für festliche Anlässe.. aber ich suche noch nach einem Schnitt der mir passen könnte.
    Weiter unten sehe ich noch dieses tolle Jerseykleid in zwei Farben. Sagenhaft. Das wäre doch evtl. auch eine Idee mfür mich? Muss nochmal genauer lesen!
    liebe Grüße und danke für die Inspiration!
    Ellen

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    • formspielerins werke 24. Mai 2017 / 8:10

      Nach meinem Gefühl gibt es ein Überangebot von Jerseystoffen, so dass man denkt, das müsse es sein, dabei finde ich Webstoff viel einfacher zu verarbeiten.

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