Stickbild „Zwiebelmuster“

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Ihr kennt vielleicht das Geschirr mit dem Zwiebelmuster? Laut Wikipedia ist es das erfolgreichste Blaudekor der Porzellangeschichte. Was ich neu gelernt habe bei der Recherche, um etwas darüber erzählen zu können: Es sind gar keine Zwiebelpflanzen abgebildet sondern Granatäpfel, Pfirsiche, Melonen, gestreifte Zitronen, Lotusblüten, Chrysanthemenzweige, Pfingstrosen, Mandelbaumblüten, Phäonienstauden und was nicht alles, nur Zwiebeln sind es nicht. Das Muster wurde ab 1730 nach ursprünglich fernöstlichen Vorbildern entwickelt und dann immer wieder neu interpretiert, so hat es sich ergeben.

Selbst in meinem bescheidenen Haushalt finden sich schon verschiedene Varianten.

Nun hatte ich die Idee, ein Bild in Crewelstickerei mit diesem Muster zu gestalten.

Zwiebelmuster4

Dieses tolle Buch von Hazel Blomkamp lieferte mir die Inspiration dazu, denn die Autorin zeigt eine Arbeit mit ähnlich aussehenden Blüten. Die Techniken vieler Stiche werden genau gezeigt und in englischer Sprache erklärt. Die von ihr entwickelten auf dem Stoff aufliegenden gewebten Muster stellen eine Innovation dar. Auch lassen sich mit Knopflochstich Flächen quasi mit Spitze bespannen. Alle Projekte sind mit Materialangaben versehen und können durch die detaillierte Beschreibung der Arbeitsschritte genauso nachgearbeitet werden. Aber nicht, dass es einfach wäre, vor allem nicht das Abzählen der Fäden bei den gewebten Flächen. Was mir besonders an dieser Art Stickerei gefällt, ist, dass sie so vielfältige Elemente hat. Durch die flächenhaftige Darstellung kommt viel glänzender Faden zur Geltung und durch die Schichtung mehrerer Lagen von Stichen wird die Arbeit plastisch.

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(Die unaufgeräumte Küche einfach nicht beachten.)

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Es gibt sicher viele Möglichkeiten das Porzellanmuster umzusetzen, aber auf jeden Fall müssen Flächen entstehen, die gefüllt werden wollen. Wie im Buch auch habe ich vereinzelt Perlen eingesetzt, was für die Rahmung ein Passepartout in doppelter Höhe erforderte, d.h. es wurden zwei Pappen aufeinander geklebt und dann erst geschnitten.

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Die Umrisse der linken Blüte (die wohl eine Pfingstrose sein könnte) sind in Heavy Chainstitch gemacht mit Perlgarn Stärke 12 (Chamäleonthread, man sieht die Farbabstufungen ein wenig). Die helle Füllung der Blütenblätter soll Satinstitch sein, in drei verschiedenen Tönen. Das muss ich noch üben, denn eigentlich sollten sich die Fäden mehr überlagern und nicht so nebeneinandergelegt aussehen. Auch beim großen Blatt wäre die Flächenwirkung dann besser. Das kariert/gestreifte ist wieder mit Perlgarn gearbeitet. Im Zentrum sieht man Nadelspitze.

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Die rechte Blüte (die möglicherweise Lotus darstellt) ist mit Flystitch gearbeitet. Die Zwischenräume sind in hellerer Farbe aufgefüllt. Im Zentrum sind einige French knots mit Roccaillen aufgetürmt. Bei der kleineren Blüte darunter (Chrysantheme?) ist neben Satinstitch auch Detached Chainstitch mit Silbergarn angewendet. Die karierte Überspannung mit Faden nennt sich Trellis couching.

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Die kleineren, rundlichen Blüten könnten ursprünglich als Mandelbaumblüten gemeint sein. Die weiße ist in Raised herringbonestitch gearbeitet, ebenso die länglichen Blättchen. Die Stiele sind in Chainstitch gemacht.

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Die Blätter mögen eigentlich von Phäonienstauden (Pfingstrosen) stammen. Beim rechten sind die Fäden kurvig aufgelegt und mit einem anderen Faden festgemacht. Die Technik nennt sich Vermicelli couching.

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Und das ist die gar nicht so einfach zu fotografierende Gesamtansicht. Ahoi!

Diesen Beitrag verlinke ich mit „Handgestickt“.

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6 Gedanken zu “Stickbild „Zwiebelmuster“

  1. made with Blümchen 4. Mai 2017 / 10:54

    Hah – keine Zwiebeln!? Wenn ich so drüber nachdenke, habe ich mich immer schon gewundert, warum das Zwiebelmuster heißt, und jetzt bestätigst du das. Aber woher kommen die Zwiebel im Namen nochmal?
    Wow, das ist ein ganz großartiges Stickbild geworden, so vielfältig und detailliert, toll gearbeitet und wunderschön. Wie lange hast du denn daran gestickt, es sieht sehr aufwändig und langwierig aus!
    (Auf die unaufgeräumte Küche im Hintergrund habe ich übrigens erst geachtet, als du mich darauf aufmerksam gemacht hast…)
    Vielen, vielen Dank fürs Zeigen! (Und ich freu mich über Deine Verlinkung bei „handgestickt“.) lg, Gabi

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    • formspielerins werke 4. Mai 2017 / 20:07

      Seit meiner Kindheit schaue ich auf dieses Motiv. Damals hat das Service noch der Oma gehört, und ich habe es geerbt. Ich habe mich auch immer gefragt, wie man die Zwiebelblüte so variantenreich abstrahieren kann, und siehe da, es sind doch Blüten verschiedener Pflanzen.
      Die unterschiedliche Darstellungsweise der Granatäpfel, Pfirsiche oder auch gestreiften Zitronen haben wohl dazu beigetragen, dass man irgendwann meinte, es seien Zwiebeln (am Rand des Tellers z.B.).
      Wie lange ich gebraucht habe für das Bild, weiß ich nicht. Es hat sich über einige Wochen hingezogen. Man schafft nicht allzu viel. Und dann hatte ich auch Stellen wieder aufgemacht, weil sie nicht gefielen…
      Auf die Küche hinzuweisen, war mal ein kleiner Scherz zwischendurch übrigens.
      Wie gesagt, ich finde es ganz toll, dass du diese Linkparty eröffnet hast. Und ich denke, du solltest sie auch auf jeden Fall fortsetzen. (Du hattest ja probeweise mal ein Jahr angedacht.)
      Das Projekt auf dem Cover des Buches habe ich auch in Arbeit. Das ist auch nicht übel…

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      • made with Blümchen 4. Mai 2017 / 23:10

        Ah, gut dass du mich drauf hinweist! Mir war gar nicht mehr bewusst, dass ich die Linkparty ursprünglich zeitlich begrenzt machen wollte. Nein, die muss jedenfalls offen bleiben! lg, Gabi

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  2. 123-Nadelei 17. Mai 2017 / 13:43

    Das ist ganz toll geworden, sehr schöne Stiche hast Du kombiniert, die Farbübergänge sind sehr gelungen.
    Auch ich habe gelegentlich schon Porzellan-Motive in Stickmuster umgewandelt.
    Auch wir haben noch Porzellan mit diesem Muster aus Kahla, Dein Gedeck ist sicher auch aus Kahla.
    LG Ute

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    • formspielerins werke 17. Mai 2017 / 20:48

      Ja stimmt, es ist Kahla-Geschirr. Es gibt ja ganz viele Hersteller, habe ich gesehen. Es ist ganz praktisch fürs Sticken schon ein abstrahiertes Motiv vorzufinden.

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