Herrlich altmodisch

Altmodisch gediegen mag ich es heute, im Aussehen vielleicht ähnlich einem jungen Lord oder Gehilfen aus dem Handelskontor. Ach, die Uhrenkette fehlt!

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Für diese Hose habe ich meinen Jeansschnitt noch mal geändert, indem ich vom Rücken auslaufend nach vorn 1,5 cm an Höhe weggenommen habe. Man optimiert halt. Sie ist jetzt auch enger als die anderen, weil ich sie ziemlich bald nach Fertigstellung in die Kochwäsche geben musste. Nach einem Sturz mit dem Fahrrad wurde sie bei 40 Grad nicht wieder sauber. Daher musste ich zu drastischeren Maßnahmen greifen wohlwissend um die Folgen. Dass sie eingelaufen ist, kann man auch an den Zwillingsnähten sehen, die sich etwas zusammengezogen haben. Der Passform hat es sonst eher gutgetan. Vielleicht sollte ich mit allen neuen Hosen erstmal baden gehen. Wie heiß muss der Mann aus der Levis 501-Werbung damals eigentlich gebadet haben, damit ihm die Hose auf den Leib schrumpft? Ist lange her, muss nicht jeder kennen. Nein, die normale Weite einer Stoffhose war das Ziel.

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Für den seitlichen Streifen habe ich die Vorderhose fünf Zentimeter breit abgeteilt.

Die eckige Passe gefiel mir als Detail an einer dünnen Sommerhose. Das wollte ich versuchen zu kopieren. Anzusetzen habe ich mich nicht getraut, man hätte an den Ecken einschneiden müssen, die später vielleicht ausgerissen wären. Also habe ich die Passe appliziert, der Stoff liegt hier doppelt. So etwas würde ich mit einem dehnbaren Stoff wie diesem Stretchtwill nicht wieder machen, denn die einfache Lage konnte sich beim Nähen aufgrund des Nähfußdruckes sehr leicht verziehen, und es war schwierig hinzubekommen.

Die rückwärtigen Taschen haben eine Absteppung im gleichen Design erhalten wie die Kante der Passe. Auch die Vordertaschenkanten haben eine eckige Form.

In den Formbund habe ich außer Vlieseline noch Organza gegen Ausdehnen eingearbeitet. Organza ist unglaublich hilfreich zum Stabilisieren, denn es ist nicht nur kräftig, sondern zugleich dünn und erzeugt somit kein zusätzliches Volumen. Der Bund ist mittig mit Zwillingsnaht abgesteppt. Als Verschluß habe ich Reißverschluss und Druckknopf gewählt, obwohl ich inzwischen vorsichtiger geworden bin, Druckknöpfe in Stretchstoffe einzuarbeiten. Sie reißen leicht aus.

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Die Weste ist nach einer Anleitung aus dem Konstruktionsbuch entstanden. Die nach unten hin schmaler werdende Form gefällt mir gut. Obwohl für Frauen konzipiert, wirkt sie damit doch maskulin elegant, wie ich finde. Das macht die ausladende Seitennahtlinie von Taille bis zum großen Armauschnitt und die Tatsache, dass unterhalb der Taille nicht mehr viel passiert. Die Paspeltaschen, voll funktionstüchtig übrigens, wirken mit ihrer geringen Höhe wie Dekoration. Sie wiederholen noch einmal die untere Abschlusslinie und betonen sie damit. Die schicken Saumecken biegen sich leider schnell ab, aber damit muss man beim Tragen wohl rechnen.

 

Dazu habe ich mir ein Herrenhemd so geändert, dass es mir passt. Ich fand die Streifen schön und die Farben eine gute Ergänzung. Den Rumpf habe ich ganz neu zugeschnitten, die Brusttasche weggenommen. Sogar den starren Kragen habe ich in der hinteren Mitte gekürzt. Dort will man ja eigentlich keine Naht haben. Den Halsumfang an Vorder- und Rückenteil konnte ich nur verringern, indem ich den Halsausschnitt tiefer gesetzt habe. Die insgesamte Länge des Hemdes war ja reichlich bemessen, so dass das kein Problem darstellte. Manchetten und Knopfleiste musste ich nicht mehr selbst machen, das war schon eine Arbeitsersparnis. Die Ärmelweite harmoniert gut mit den großen Armausschnitten der Weste. Und um die Ärmellänge musste ich mich auch nicht kümmern, die hatte sich der Mann schon mal an der Manchette gekürzt, wie praktisch! Einzige Schwierigkeit bestand darin, die Ärmel sauber herausgetrennt zu bekommen, um sie weiter verwenden zu können.

Mit dem Ensemble fühle ich mich wohl, denn es ist luftig-locker und wärmend zugleich.

Und nun schaue ich mal, was dieser Mittwoch auf dem MeMadeMittwoch-Blog garderobentechnisch so bringt!

 

 

8 Gedanken zu “Herrlich altmodisch

  1. blaue Seide 1. März 2017 / 11:44

    Tolles Ensemble, gefällt mir sehr gut! ich liebe maskuline Details in Kleidung! So eine Weste steht auch schon lange auf meiner To-Do Liste, nur vor den Paspeltaschen fürchte ich mich 🙂
    Liebe Grüße
    Juli

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    • formspielerins werke 1. März 2017 / 14:50

      Westen sind an sich schon eine tolle Erfindung, weil sie gleichermaßen praktisch, also wärmend, und elegant sind. Frauen tragen allerlei Kleidungsstücke, die früher nur Männern vorbehalten waren. Ich warte noch, wann wir erlauben, dass Männer auch kreativ werden.

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  2. kuestensocke 1. März 2017 / 14:16

    Tolles Outfit! Und eine Weste ist ein super Projekt um das Thema Paspeltaschen zu vertiefen und zu üben. Muss ich mir merken! Deine Hose mit der auffälligen Passe finde ich grandios. LG Kuestensocke

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    • formspielerins werke 1. März 2017 / 14:41

      Ach das freut mich, dass die Hose gefällt. Inzwischen achte ich mehr auf Details beim Shoppen, und da sieht man doch mal so das eine oder andere, das man nachbauen könnte.

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  3. Siebensachen 1. März 2017 / 18:16

    Die drei Teile harmonieren bestens und man sieht, wie gut die Passform sein kann, wenn man wie du die Kleidungsstücke individuell konstruiert.
    Herrlich altmodisch … schönes Wortspiel, übrigens.
    LG
    Siebensachen

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    • formspielerins werke 1. März 2017 / 18:44

      Inzwischen würde ich wohl auch käufliche Schnittmuster anpassen können, aber früher war ich oft enttäuscht, wenn die Dinge nicht passten. Ich habe zwar keine besonders schwierige Figur, bin aber etwas schmal gebaut und passe daher nicht ganz in die Norm. Und auch beim Konstruieren muss man versuchen, sich nicht allzu weit davon weg zu begeben, damit die Proportionen schön bleiben. Das ist alles schon gut durchdacht.

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  4. yacurama 2. März 2017 / 1:10

    Sehr schönes Outfit, mal wieder mit tollen Details wie der eckigen Passe 😉
    Liebe Grüße,
    yacurama

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