Das Rosencollier

Warum soll Schmuck immer so zurückhaltend winzig sein, dass er fast unsichtbar ist? Wer hätte nicht gern einen Halsschmuck, der überbordend reich bestückt ist mit Perlen und Edelsteinen? Hier zeige ich ein solches Collier, das komplett gestickt ist.

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Als ich vor ein paar Jahren die Arbeiten der Perlenkünstlerin Sherry Serafini in der Zeitschrift Perlen-Poesie vom Beaders Best Verlag gesehen habe, ist es um mich geschehen. Von der Farben- und Formenvielfalt begeistert, wollte ich es selbst probieren. Mit relativ einfachen Mitteln lässt sich ein opulentes Schmuckstück zaubern, wie es ein Goldschmied aus der Zeit des Barocks vielleicht in monatelanger Arbeit fertigstellen würde, das Unsummen verschlingen würde, wie es nur Könige bezahlen können. Und ich brauche, wenn ich das Sammeln und Nachdenken übers Design mal nicht dazurechne, vielleicht nur etwa zwei Wochen und bezahle ungleich weniger!

rosencollierMittelpunkt und für mich richtungsweisend für die Farbgebung des Colliers ist der ovale Stein (vermutlich Jaspis) von circa 3×4 Zentimeter Größe. Ich wollte Nuancen zwischen braun und rosa finden, die dem Gehölz der Rosen ähneln, weniger den Farben ihrer leuchtenden Blüten. Dank der Motive der Glas- und Metallteile wird diese Idee sogleich deutlich.

Auf einem Grund kastanienbrauner Rocaillen von zwei Millimeter Größe (Handelsbezeichnung 11/0) sind mehrere Gruppen größerer Perlen arrangiert, die Blumenbouquets darstellen sollen. Der so umrankte große Cabouchon ist zunächst auf einen beigen Wollfilz aufgeklebt. Er ist mit zylindrisch geformten Perlen (Delica) und kleineren Rocaillen (15/0) eingefasst. Die dazu verwendete Peyote-Technik habe ich im Beitrag über das Perlenbild beschrieben. Ringsum befinden sich Renaissanceperlen von 4 Millimeter Größe.

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Die kupferfarbenen Rosen sind eigentlich Knöpfe, von denen die Öse abgesägt ist. Zudem habe ich die auf einem Mittelaltermarkt gefundenen Knöpfe poliert. Sie waren ehemals matt-silberfarbig. Als die kupferne Farbe zutage trat, kam sie mir sehr zupass. Auch sie sind mit Zweikomponentenkleber auf den Stoff fixiert, genauso wie die gepressten, böhmischen Glasblätter. Teilweise sind die rosa Blättchen mit poliertem Messing unterlegt, so strahlen sie golden. Die grundlegende Technik des Perlenstickens ist ebenfalls hier erläutert. Die größeren Perlen sind in Form von Picots angebracht. Eine Rocaille dient dabei als Stopper vor dem senkrecht stehenden Loch der Perle.

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Durch die Verwendung verschiedener Größen (3-7 Millimeter) und Arten von Perlen habe ich versucht, zu einem möglichst reichhaltigen Ganzen zu kommen, wie es der Vielfalt der Natur entspricht. Das Wechselspiel von opak, opaleszierend und transparent birgt eine  Fülle von Möglichkeiten trotz der eingeschränkten Farbpalette.

Neben handgemachten, unregelmäßig geformten Perlen sind auch solche von alten Ketten von Mutter oder Großmutter dabei. Diese fand ich wegen ihrer warmen Farbe und vor allem ihrer mittleren Größe sehr geeignet. Glasperlen von 5 Millimeter Größe sind im Handel nur schwer zu bekommen. Des Weiteren sind Glasschliffperlen (4×6 Millimeter) verwendet. Sie sollen kleine Zweige darstellen. Auch während der Ideenfindung und der Entstehungsphase habe ich ein paar Fotos gemacht:

 

Mit Fortschreiten der Arbeit biegt sich die Stickerei etwas rund durch. Deshalb habe ich nach Beendigung des Stickprozesses rückseitig einen Dekostoff mit Textilkleber angebracht. Er füllt den Hohlraum aus, stabilisiert die Arbeit und lässt Fadenenden nicht mehr spürbar werden, wenn anschließend ein Futterstoff aufgenäht wird. Die endgültige Befestigung geschieht durch das Aufsticken des umlaufenden Perlenrandes. Die Technik dafür ist hier beschrieben. Als Verschluss für das Collier dient  ein zylindrisch geformter Schiebemechanismus, den es in verschiedenen Breiten gibt. Durch die Ösen besteht die Möglichkeit, den Stoff anzunähen.

 

Für den Fall, dass sich jemand dazu hinreissen lässt, sich ebenfalls etwas in dieser Art machen zu wollen, zeigt die kleine Skizze die ungefähren Maße des Colliers. Da es für einen schlanken Hals konzipiert ist, können sie bei anderen Personen abweichend größer sein. Die Proportionen sind jedoch erkennbar. Am besten, man macht sich eine Abwicklung aus Papier und probiert sie zunächst an, bevor man mit der Gestaltung beginnt.

Dieser Beitrag ist verlinkt mit der Sammlung „Handgestickt“, die Gabi von „Made with Blümchen“angelegt hat.

Für diejenigen, die vom Creadienstag kommen: Hier geht `s wieder zurück!

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7 Gedanken zu “Das Rosencollier

  1. made with Blümchen 11. Dezember 2016 / 22:34

    Wow, was für eine Arbeit! Also „opulent“ beschreibt Deine Perlenstickerei hier wirklich treffend! Toll, wie Du die unterschiedlichen Elemente zu so einem harmonischen Ganzen arrangiert hast. Und danke fürs Verlinken bei „handgestickt“! lg, Gabi

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  2. Lusyl 13. Dezember 2016 / 9:47

    Sehr edel ist dein Collier geworden.

    LG

    Sylvia

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  3. Teresa 22. Dezember 2016 / 11:10

    Ich bin jetzt über das Weihnachtskleid hierher gelangt und bin voll Bewunderung für diese Arbeit. Respekt! Das Collier ist wirklich toll und die vielen kleinen Perlen … oh mein Gott!
    Ein würdiges Schmuckstück für Weihnachten.
    Liebe Grüße
    Teresa

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  4. Zedena von Tharendt 10. Februar 2017 / 19:53

    Glasperlen sind ja auch mein Steckenpferd, aber an’s Embroidery hab ich mich noch nie wirklich ran gewagt. Denn obwohl mir immer eine Engelsgeduld mit den Perlen nachgesagt wird, fehlt mir für solche Projekte das Durchhaltevermögen und die Genauigkeit.
    Von daher eine ganz tiefe Verbeugung vor so viel Sorgfalt und Geduld. Ein wunderschönes Design, auch die Farbpalette gefällt mir sehr. Die Idee mit dem Messing unter den Glasblättern ist auch genial, das gibt wunderbar Tiefe.

    Perlende Grüße,
    Zedena von Tharendt

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    • formspielerins werke 10. Februar 2017 / 22:36

      Durchhaltevermögen ist dabei tatsächlich gefragt, aber mit der Genauigkeit ist es gar nicht so wild. Du legst die Position der größeren Teile fest, setzt dann einfach Perle neben Perle und füllst die Flächen, das ergibt sich. -Ich finde deine Kostüme so interessant und muss unbedingt noch mehr gucken!

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