Festtagsgewand Teil 3

derschnitt-kopie

Wir treffen uns heute zum dritten Mal zum Sew along, um unser Festtagsgewand gemeinsam dem Ziel näher zu bringen: Fertigstellung bis Weihnachten!

Zur Erinnerung: Geplant ist ein Jerseykleid mit Faltenlegung. Das Vorderteil besteht aus einem einzigen Schnittteil.

 

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Für die Erstellung des Schnittmusters war ein komplettes Grundschnittvorderteil nötig, nicht nur das halbe im Stoffbruch, denn die beiden Seiten sind ja nicht symmetrisch. Daran ist ein Rockschnitt angesetzt, indem die Hüftlinien beider Schnittmuster deckend übereinander gelegt sind.  Nur die Abnäher des Oberteils werden übernommen, die des Rockes fallen weg.

Zum Einzeichnen der Faltenlinien sollte man das gesamte Vorderteil überschauen können, um sie gleichmäßig verteilen zu können. Als erstes setzte ich die beiden Abtrennungslinien (rot). Die eine umspielt die Taille, die andere führt vom linken Brustpunkt im Bogen bis zur Seitennaht etwa in Hüfthöhe. Die Faltenlinien (blau) haben an ihrer Ursprungslinie etwa vier Zentimeter Abstand voneinander. Im Rockteil sind sie strahlenförmig über die gesamte Fläche gleichmäßig verteilt, möglichst im rechten Winkel vom Bogen abgehend. Im Oberteil gehen sie von der Taillenabtrennung ab. Die äußere Linie trifft die Mitte des Armlochs.

Ab jetzt haben wir es nicht mehr mit Linien zu tun, sondern mit Flächen. Ich habe sie zur Kenntlichmachung abwechselnd in rot und grün eingefärbt.

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Zuerst werden die Abtrennungslinien aufgeschnitten. Ich schließe die großen Brustabnäher (oben in hellblau) und öffne dafür nach unten hin entlang der eingezeichneten Linien.

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Auf der linken Seite (immer vom „Patienten“ aus denken), wo die Faltenlinie auf den Brustpunkt trifft, ist das kein Problem. Auf der rechten Seite liegt der Brustpunkt jedoch zwischen zwei Linien. Hier schneide ich bis zur seitlichsten Linie herunter. Den kleinen Keil kann man auch auf die Faltenlinie verschieben (siehe kleine Zeichnung).

Dann habe ich die Taillenabnäherinhalte abgezogen, beziehungsweise weggezeichnet.

Damit der Halsausschnitt von einer Erweiterung ausgeschlossen bleibt, muss er jetzt schon festgelegt werden, bevor weiter aufgefächert wird. Die Drehpunkte der Flächen, die entstehen, wenn man entlang der eingezeichneten Faltenlinien aufschneidet, liegen an der Ausschnittkante.

Die Inhalte der Taillenabnäher und der verlegten Brustabnäher werden bei der Erweiterung berücksichtigt, d.h. sie tragen schon ihren Teil dazu bei. Im Rockteil habe ich etwas weniger Faltentiefe angelegt als im oberen Teil. Ich wollte, dass der Stoff dort nicht zu sehr durchhängt. Die Stoffdicke spielt sicherlich eine Rolle bei der Festlegung der Faltentiefe; ein dickerer Stoff braucht mehr als ein dünnerer.

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Die markierten Abstände müssen beim Nähen genau eingehalten werden, damit die Passform erhalten bleibt.

Bei der neu entstandenen Form ist man sich nicht mehr so sicher über die Richtung des Fadenlaufs. Der Rockteil bildet die größte Fläche und war für mich maßgeblich. Bei meinem Vorbild im Karomuster ist an der rechten Seitennaht angelegt worden, denn sie bildet mit dem Oberteil eine einigermaßen gerade Linie.

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Und hier seht ihr nun schon das Probeteil, im Spiegelbild. Es passt auch recht gut, ich musste nichts ändern.

Das Rückenteil ist genauso aus einem Oberteil- und Rockgrundschnitt zusammengesetzt. Die Schulterblattabnäher versuche ich noch weg zu bekommen, sonst wird im Rücken nichts weiter verändert.

Ich kann also zuschneiden, und beim nächsten Mal geht es dann um die Verarbeitung.

Dieser Beitrag ist verlinkt mit dem WeihnachtsKleidSewAlong 2016 auf dem MeMadeMittwoch-Blog.

 

 

21 Gedanken zu “Festtagsgewand Teil 3

  1. Barbara 4. Dezember 2016 / 11:09

    Das hast Du so toll beschrieben, dass man das ja wirklich direkt nacharbeiten kann! Sehr spannend, wie sich die beiden Bögen mit den Aufspreizungen in der Körpermitte treffen. Von der Schmazeichnung her hätte ich gedacht, daß das ganze sehr assymmetrisch wird, aber das Modell sieht super aus. Ich bin schon sehr auf das endgültige Kleid gespannt!
    Liebe Grüße
    Barbara

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  2. Bellana 4. Dezember 2016 / 11:19

    Toll, eine komplett selbst entwickelte Kreation. Auf das Ergebnis bin ich sehr gespannt.
    Grüßle Bellana

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    • formspielerins werke 4. Dezember 2016 / 11:24

      Danke, ich würde gern auch bei dir kommentieren, denn deine Eigenkonstruktionen schaue ich mir gern an, habe aber das auf der Seitenleiste erwähnte Problem.

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  3. Mema 4. Dezember 2016 / 11:20

    Spannend. Danke für die ausführlichen Erläuterungen. Gruß Mema

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  4. Christa 4. Dezember 2016 / 11:45

    Sehr aufwändig, was du da gemacht hast, das wird was ganz Besonderes! Auf dem Bild des Probemodells sieht es aber so aus, als ob das Oberteil links noch zu viel Stoff hat. Ist das nur die Perspektive?

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  5. Immi Meyer 4. Dezember 2016 / 12:09

    WoW!

    Die Schnittkonstruktion ist super anschaulich erklärt und dargestellt.Habe alles verstanden (nur die Sache mit dem Fadenlauf irgendwie nicht). Und auf den Rücken bin ich noch gespannt.
    Hast du die Designlinien direkt von deinem Kopenhagenkleid kopiert oder mehr oder weniger frei nachempfunden?
    Deine Probe passt auch sehr gut soweit, und mit deinem roten (Romanit?-) Jersey sollte es gut funktionieren. Ärmel willst du aber keine, oder?

    Ganz Klasse!

    Liebe Grüße
    Immi

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    • formspielerins werke 4. Dezember 2016 / 22:23

      Hallo Immi! Das Oberteil und das Rockteil haben ja, wenn die Falten genäht sind, unterschiedliche Fadenläufe, bzw. der Stoff des Oberteils liegt bei meiner Entscheidung schräg. Wenn man einen gemusterten Stoff verarbeiten will, muss man das bedenken. Die Rückenpartie ist ganz schlicht gehalten mit zwei Abnähern. Die Designlinien sind nach Augenmass frei angelegt. Und klar brauche ich Ärmel, ohne geht bei mir gar nicht. Viele Grüße Regina

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  6. Naehkatze Carola 4. Dezember 2016 / 12:47

    Toll, da bekomme ich gleich Lust zu experimentieren. Die Anleitung werde ich mir in Ruhe sicher noch einmal genauer durchlesen. Das Kleid wird sicher der Hammer. LG Carola

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  7. Janine 4. Dezember 2016 / 13:47

    Wow. Danke für die ausführliche Schilderung. Es macht Spaß, dir bei deiner Konstruktion zuzuschauen.

    Liebe Grüße
    Janine

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  8. Christine 4. Dezember 2016 / 15:20

    Krass genial! Irgendwnn fange ich dieses Konstruieren auch noch an, fürchte ich… Da bin ich schon sehr neugierig aufs Endergebnis!

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  9. Molas 4. Dezember 2016 / 22:35

    Toll !
    In so bunt wie deiner Schemazeichnung könnt ich es mir auch gut vorstellen.
    Bin wirklich gespannt, wie es in der Finalversion ausschauen wird.
    Lg Iris

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  10. kuestensocke 5. Dezember 2016 / 1:37

    Das Probeteil schaut bei der vielen Vorarbeit perfekt aus. Mir ist ganz schwindelig bei den Ableitungen des Schnittes geworden…. wie gut dass es für Leute wie mich Fertigschnitte gibt 😉 LG Kuestensocke

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    • formspielerins werke 5. Dezember 2016 / 14:17

      Da ich in der Länge Größe 38 brauche und in der Weite Größe 36, verlasse ich mich lieber auf meine Eigenkonstruktion, ganz davon abgesehen, dass es mir auch Spaß macht. Regina

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  11. beswingtes Fräulein 5. Dezember 2016 / 9:30

    Sieht schon sehr hübsch aus und der Entstehungsprozess ist wirklich interessant. Obwohl ich auch auf den ersten Blick kurz befürchtet habe, dass mir da ein wild gestreiftes Kleid gleich entgegenspringt 😉

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  12. malou 5. Dezember 2016 / 14:42

    Die ausführliche Erklärung deines Vorgehens ist toll. Ich bin schon sehr gespannt auf das Kleid.
    LG Malou

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  13. Ina 5. Dezember 2016 / 23:12

    Unglaublich, was Du da schnitttechnisch zauberst. Dieses Vorstellungsvermögen geht mir leider völlig ab.Um so mehr bewundere ich das bei anderen. Da bin ich ja wirklich auf das Endergebnis gespannt. LG Ina

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  14. Miss Lumberrjack 6. Dezember 2016 / 17:40

    Ja bist du des Wahnsinns??? Das ist ja der Hammer! Respekt. Ich hoffe ich werde in ein paar Jahren (Jahrzehnten) auch solche Schnitte konstruieren können. Das Probekleid lässt auf ein schönes Endergebnis hoffen! Ich freu mich schon drauf!

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