Die Fellweste

Wenn ich auf meinem (imaginären) Landgut unterwegs bin, um nach den (ebenso nur erdachten) Pferden zu schauen, brauche ich so langsam etwas Warmes zum Anziehen. Man mag sich noch gar nicht vom Sommer verabschieden. Um nur kurz etwas überzuziehen ist eine Weste genau das Richtige. Diese ist eine Mischung aus Pilotenjacke und Handwerkskluft, finde ich. Wie ich sie aus Breitcord und Kunstfell gefertigt habe, erzähle ich gleich nach ein paar Bildern.

Fellweste1

 

Die ebenfalls selbstgenähte Jeans war zusammen mit der roten Jeansjacke schon einmal zu sehen. Ich trage sie überwiegend im Sommer, weil das Blau so leuchtend ist, oder eben im goldenen Herbst.

 

 

 

 

Fellweste4

 

 

Hier trage ich auch besagte Bluse vom Beitrag „ Bluse für alle Tage“, von der ich die nötige Weite für meine Konstruktion der klassischen Hemdbluse (Grundschnitt nach Gilewska) abgeschaut habe.

 

 

 

Fellweste2

 

 

 

 

An einem Tag wie diesem ist man gut beraten, noch ein Langarmshirt unterzuziehen und ein Paar Handschuhe in petto zu haben.

 

Im Rücken der Weste befindet sich ein Riegel in Form von zwei Gurtstreifen, die mit einem Schiebeverschluß verbunden sind. Neben dem praktischen Nutzen, dass man die Weste schön eng anliegend einstellen kann, gibt es ihr noch einen optischen Akzent.

 

Das Schnittmuster des Innenlebens, dem Fell, habe ich mit Hilfe einer selbstgebastelten Papierbüste ermittelt. Damit das Fell nicht zu eng anliegen wird, habe ich ihr erstmal ein bisschen was angezogen. Um einen Schnitt mit möglichst wenig Nähten und Abnähern zu bekommen, habe ich das Kunstfell schön symmetrisch vom Rücken ausgehend andrapiert,  indem ich es schrittweise an den Pullover festgesteckt habe.Streifen

Wie das Schnittmuster später aussehen würde, wusste ich da noch gar nicht. Es hat sich ergeben, dass ich zwei große Abnäher im Rücken hatte, aber keine Seitennaht. Das war schon mal gut. Ich habe noch an der Puppe  vorsichtig weggeschnitten, was zuviel an Stoff erschien und  im ausgebreiteten Zustand später ausgeglichen.

Fell

Die Schulternähte sowie die Abnäher sind mit unterlegten Stoffstreifen Stoß an Stoß geschlossen. Diese Stellen sollten nicht dicker werden als andere. Als das gemacht war, habe ich beschlossen, Schulterpolster haben zu wollen. Abfallende Schultern hätten bei dem sonst robust aussehenden Design bestimmt nicht gut ausgesehen.

puppe

Zum Ermitteln des Schnittmusters für den Außenstoff habe ich der Büste das genähte Fell übergezogen und die Polster aufgelegt. Darauf habe ich von der Mitte ausgehend einen Grundschnitt angelegt und festgestellt, wieviel ich zugeben musste, um Schulter- und Seitennaht wieder zu erreichen.

Die Streifen des Cordstoffs mit quer verlaufendem Brustabnäher zu durchbrechen, fand ich nicht so gut. Deshalb habe ich mich für eine Teilungsnaht in flachschrägem Verlauf nach oben entschieden.  Sie fasst auch die seitliche Tasche mit. Im Rücken, der aus Mittelstück und Seitenteilen besteht, ist die Unterteilung genauso vorgenommen.

kragen

Das Schnittmuster des breiten Kragens mit Steg ist durch Ausprobieren an der Puppe entstanden. Unter dem Kragen ist das Fell punktförmig an den Stoff fixiert. Von der Vorderseite sollte man möglichst nichts sehen können. Eine Naht hätte das Fell niedergedrückt.

innien

Das von Hand eingenähte Fell ist von Besätzen eingefasst, die wiederum von Streifen schmalen Patchworkstoffs eingefasst sind. Über kleine Schönheitsfehler ist hinweg zu sehen, Prototyp halt.

Fellweste3

Und damit gebe ich zurück in die Sendezentrale, dem MeMadeMittwoch. Dort werden sicher noch weitere warme Kreationen für den Herbst gezeigt!

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5 Gedanken zu “Die Fellweste

  1. Lila-cat 19. Oktober 2016 / 10:10

    Die viele Planung und Arbeit hat sich gelohnt. So stellt man sich eine Gestütsbesitzerin vor. Hut ab.
    LG
    Lila-cat

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    • formspielerins werke 19. Oktober 2016 / 10:17

      Eine kleine Story muss schon sein. Der Herbst ist ja nicht nur verregnet, er macht bei Sonnenschein auch richtig Spaß!

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  2. Barbara 19. Oktober 2016 / 19:30

    Das ist ein wunderbares Outfit , was Du heute zeigst. Schon diese Jeans und die Bluse nötigen mir allen Respekt ab- aber dann erst die Weste! Zuerst habe ich ja gedacht, o je, da wurde irgendein armes Lämmchen dafür geschlachtet-aber zum Glück ist es Kunstfell!. Danke für Deine genaue Beschreibung, wie Du den Schnitt abgenommen hast. Klingt alles sehr einfach, aber daran merkt man erst Dein Können!
    Liebe Grüße, Barbara

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  3. 500daysofsewing 21. Oktober 2016 / 17:08

    Toller Weste! Und ein toller Textanfang 😉 Viel Spaß auf deinem Landgut mit dieser kuscheligen Weste.
    Viele Grüße, Melanie

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