Allzeit gute Fahrt

navy1Das wünscht man einem Schiff bei seiner Taufe, bevor es in See sticht. Für feierliche Anlässe, die  oft auch mit guten Wünschen einhergehen, ist diese Kombination aus weißer Bluse und marineblauem Rock gedacht. Etwas Vintage nimmt dem klassischen Outfit  die Förmlichkeit.

Bluse

Die Bluse aus Stretchpopelin ist nach dem gleichen Grundschnitt mit Zugaben erstellt wie die rote vom Beitrag „Anker lichten!“. Der große Brustabnäher ist nach unten gedreht und mit dem Taillenabnäher gebündelt worden. Die Weitenanpassung ist über die Seitennaht und der zwei mittleren Rückenabnäher geschehen. Die äußeren Abnäher sind weggelassen. Die Seitennaht hat am Saum einen kurzen Schlitz.

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Der Kragen ist ein kombinierter Revers-Stehkragen. Diese Art Kragen sieht man eher selten, deswegen reizte mich seine Konstruktion. Die Bruchkante führt konsequent gerade bis über das gebogene Rückenstück hinaus. Das gibt der Bluse ein windschnittiges Aussehen.

Wenn man genau hinschaut, aber das tun glücklicherweise nur die Schneider selbst, sind die Schultern grenzwertig breit. Deshalb habe ich eine kleine Unterstützung, die von der Form her aussieht wie ein Schulterpolster, aber nur aus einem verstärkten Stoffstück besteht, eingebaut. So kippt die Schulter nicht zwei Zentimeter vor dem Schulterpunkt weg. Die Befestigung ist von rechts durch die Schulternaht geschehen.

Ein bisschen nach aufgestellten Segeln sehen denn auch die Aufschläge der kurzen Ärmel aus. Die vordere Ecke ist mit einem Knopf verziert und gleichzeitig gegen Abbiegen gesichert. Die hintere Ecke hält sich an Ort und Stelle, da sie stark durchgebogen ist. An der Ärmelnaht ist der Aufschlag trotzdem noch einmal kurz von der rechten Seite durchgenäht. Den sichtbaren Teil des hinteren Aufschlags habe ich direkt mit angeschnitten. Das geht nur, wenn der Stoff von Vorder- und Rückseite gleich aussieht, was nicht so oft der Fall ist.

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Shirt

Das Shirt ist aus einem Oberteilgrundschnitt ohne weitere Zugaben entwickelt. Es ist aus dem selben Stoff gearbeitet wie die Bluse. Die Bluse hat eine warme, naturweiße Farbe. Die Kombination mit einem gekauften, knallweißen Jerseytop sah nicht ganz so optimal aus. Deshalb und auch weil der Rock etwas dunkel durch die Bluse hindurchschien, habe ich mich entschlossen, auch noch ein Shirt dazu zu nähen.

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Die Seitennaht ist um etwa vier Zentimeter nach vorn verlegt. Mit dieser Maßnahme sollte der seitliche Brustabnäher verkürzt werden, um dem Shirt eine schönere Optik zu geben. Ein zwanzig Zentimeter langer Reißverschluß in der rechten Seitennaht vom Saum her kommend erleichtert das An- und Ausziehen. Dieses Detail habe ich bei einer engen Schlupfbluse so gesehen und übernommen. Der nahtverdeckte Reißverschluß ist dann schon recht weit vorn. Deswegen hatte ich anfangs etwas Bedenken, dass man ihn zu sehr sieht, es geht aber.Top-Detail1

 

Das Rückenteil ist auf Taillenhöhe geteilt, der untere Teil ausgestellt. Ich wollte den Rücken figurnah haben, den Saum jedoch so weit, dass ich das Shirt über den Rock tragen kann. Dabei nur wenig oder gar keine Abnäher zu haben wie bei einem Jerseytop, war das Ziel.

 

 

Die Ausschnittkanten sind mit Streifen, die schräg zum Fadenlauf zugeschnitten sind, versäubert. Dabei näht man den Streifen rechts auf rechts knapp an der Kante entlang auf, schlägt ihn dann um und näht ihn von der Oberseite im Nahtschatten fest. Der schräge Zuschnitt erlaubt es, den Stoff so zu legen, dass die Kante schön flach zu liegen kommt. Damit die Kante nicht absteht, sollte sie auch noch gut gebügelt werden. Wie das aussieht, zeigt die Detailgalerie (anklickbar).

navy6Rock

Der Rock ist aus einem Grundschnitt, der vorn und hinten je zwei Abnäher hat, abgeleitet. Das rückwärtige Teil mit mittigem Reißverschluß und Schlitz ist geblieben wie es war. Am Vorderteil sind die Abnäher schräg gesetzt. Sie sind praktisch vom seitlichen Streifen abgenommen, der durch eine Ziernaht geschaffen wurde. Die Naht erlaubt es, unauffällig einen Abnäher unterzubringen. Die nach außen weisende Ecke der Ziernaht betont die Hüfte, während der Bund die Taille hervorhebt. So macht der Rock viel Figur, auch bei Frauen, bei denen Taillen- und Hüftmaß eher weniger unterschiedlich sind. Die schräg senkrecht verlaufende Taschenkante unterstützt das Design. Die Ecke in den Garbardinstoff ohne Beulen und Glänzen zu bügeln war nicht so leicht. Am besten, man huscht mit feuchtem Tuch nur eben drüber.

navy2Mein Resümee nach sieben Wochen schreiben: Vor kurzem war hier auf dem Blog der 1000. Besucher! Ich bin begeistert von dem regen Interesse und werde mich auch in Zukunft bemühen, nicht allzu viel Quatsch zu erzählen. Soviel Resonanz wäre niemals möglich, wenn die Linksammlung des MeMadeMittwoch nicht so bekannt wäre. Und das nicht nur in Deutschland, denn ich habe Aufrufe aus vielen Ländern Europas und aus Übersee. Selbst wenn es sich „nur“ um deutsche Touristen oder Auswanderer handeln sollte, bleibt die Sache doch spannend mitanzusehen. Ich bedanke mich!

Allerdings, wenn man sich allein die Kommentarbeteiligung anschaute, müsste man glauben, hier lesen nicht mehr als drei Leutchen. Dass das durchaus nicht so ist, wollte ich mal feststellen. Ich freue mich, wenn die/der eine oder andere etwas für sich mitnehmen kann, und sei es einfach mal unterhalten zu werden, wenn man mal Pause von seinen eigenen Nähprojekten braucht. Aber ich glaube, ihr habt vergessen, dass das hier interaktives Fernsehen ist. Es darf nicht nur gelobt, sondern auch diskutiert werden!

Noch viele andere interessante Erfahrungsberichte vermittelt Dir auch heute wieder der MMM-Blog!

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12 Gedanken zu “Allzeit gute Fahrt

  1. Prinzenrolle 15. Juni 2016 / 9:30

    So viele Informationen – kann ich gar nicht alle verarbeiten.
    Das schönste Detail ist für mich der „windschnittige“ Kragen. Dickes Kompliment für die Konstruktion. Bei mir wäre es vielleicht einmal aus Versehen so geworden – ich habe neulich zum ersten Mal ein klassisches Revers genäht und die Burda-Erklärung einfach nicht verstanden. (Meine Lösung des Problems war: ganz genau zuschneiden und gleich lange Strecken miteinander zu verbinden. Aber auch nach gelungenem Revers war die Beschreibung für mich immer noch unverständlich.)
    Dir allzeit gute Fahrt!
    Petra

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    • formspielerins werke 15. Juni 2016 / 10:50

      Ha, gute Strategie mit den gleichlangen Strecken. Technische Dinge zu beschreiben ist auch gar nicht so einfach, habe ich gemerkt. Schön, dich hier begrüßen zu können! Regina

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  2. yacurama 15. Juni 2016 / 12:52

    Huhu, mal wieder eine gelungene Kombi, vorallem den Rock finde ich total raffiniert und schick! die Bluse wäre mir persönlich zu weit 😀 Aber die Ärmelaufschläge finde ich richtig cool und ungewöhnlich 😉
    Ich denke es ist schwieriger mit selbstkonstruierten Schnitten Leser zu bekommen, das Thema ist für die meisten Näherinnen zu weit weg. Kauf-Schnitte werden generell mehr angeschaut, vermutlich weil es etwas ist, was man kennt – zumindest mal meine Vermutung.
    Diskussionen und Kritik sind auf deutschen Blogs nicht gerne gesehen, daher wirst du darauf vermutlich vergeblich warten. Ich finde es auch sehr schade, ich freue mich natürlich über Lob aber ich möchte es auch wissen, wenn ich was total verhuntzt habe. Andererseits bin ich auch selbst sehr gehemmt einen ehrlichen Kommentar abzugeben – ich lasse es dann lieber sein. Schade!
    Viel Text kann aber auch ein Kommentar-Hinderniss sein, denn Twitter und Instagram machen halt lesefaul. Gerade bei Linkparties – da will man ja eigentlich alles mal anschauen 🙂 Veilleicht zeigst du in Zukunft nur ein Teil?
    Liebe Grüße,
    yacurama

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    • formspielerins werke 15. Juni 2016 / 13:38

      Ja, der Beitrag ist recht lang geworden, ist mir auch aufgefallen. Wenn man auf einen Teil 2 erst lange warten muss, verpaßt man ihn, war so meine Befürchtung. Und hat eben längst vergessen, worum es in Teil 1 gegangen ist. Vielleicht komme ich aber trotzdem mal dazu, wenn es allzu lang wird.
      Ich möchte gern komplette Outfits zeigen, weil Einzelteile ohne Kombipartner ein Ärgernis sind. Das soll immer auch ein Styling-Vorschlag sein. Ich erzähle gern eine Geschichte.

      Wir stecken alle viel Herzblut in unsere Projekte. Deshalb fällt es schwer, etwas Kritisches anzumerken. Ich mache es nur, wenn ich einen Vorschlag zur Verbesserung habe, der noch durchführbar ist oder direkt gefragt worden ist. Man will ja keinen verletzen! Guten Freunden sollte man die Wahrheit sagen, finde ich. Man kann es doch immer noch als subjektiven Geschmack abtun! Regina

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  3. Moni K. 15. Juni 2016 / 13:07

    Sehr interessant, dass du dich über die fehlenden Kommentare beschwerst! Ich finde deine Texte einfach ein bisschen zu schneidertechnisch (ein neues Wort). Du schreibst, dass du es schön fändest, wenn der ein oder andere etwas aus deinem Blog mitnehmen kann. Man kann aus jedem Blog etwas mitnehmen! Vielleicht fehlt manchmal ein bisschen Herz in deinen Posts. Ich bin auch nicht so lange dabei und die Anzahl der Kommentare ist immer unterschiedlich und nie vorherzusehen.
    LG Monika

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    • formspielerins werke 15. Juni 2016 / 14:04

      Hallo Monika (von vigeliensch)!
      Ich weiß noch wie du angefangen bist. Dieses lustige Wort hatte ich auch mal im Sinn gehabt als Blognamen. Schön, dich hier begrüßen zu können! Technisch ist es hier, weil ich eben Handwerker bin, und so wird es auch bleiben. Über Kaufschnitte kann man anderswo lesen, außer ich nehme mich ihrer an, was ja auch passieren kann. Herz sollte man in meinen Kommentarantworten finden können, hoffe ich. Regina

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  4. Ela 20. Juni 2016 / 7:19

    Hallo!
    Ich finde es sehr gut, dass du keine Kaufschnitte vernähst und diese zeigst. Diese Informationen findet man wie Sand am Meer im Netz!

    Selbst konstruierte Schnitte machen das Nähhobby doch erst individuell! Ich finde es klasse, wie du (und dass du) so ausführlich deine Schnittkonstuktionen erläuterst. Und auch danke für die Detailfotos. Es ist hier wirklich inspirierend 🙂 Und ja, wie bereits von den anderen Kommentatorinnen erwähnt, wirst du mit diesen Informationen wahrscheinlich keine Massen erreichen, da es Handwerk und ein Nischenhobby ist.

    Und nun mein kurzes Statement zum Beitrag:
    Ein Foto von hinten wäre noch schön gewesen 🙂
    Die Ärmelabschlüsse sind der Knaller!

    Viele Grüße
    Ela

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    • formspielerins werke 20. Juni 2016 / 12:09

      Danke Ela!
      Rückenansichten habe ich nun noch in die Galerie eingefügt.
      Letzthin habe ich mal gesehen, wie reduziert die Seite auf mobilen Endgeräten aussieht. Dabei gebe ich mir immer solche Mühe mit dem Layout (auf dem Laptop), und ärgere mich mit dem Textfluss herum. Ich möchte, dass die Beiträge auch noch über längere Zeit gut lesbar sind. Manchen fehlen daher vielleicht tagesaktuelle, persönliche Berichte, an denen sich leichter anknüpfen ließe. Aber Bildergucken geht schließlich immer und seine Meinung sagen darf man auch. Nur dazu wollte ich einladen.

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  5. Sabine L. 21. Juni 2016 / 22:34

    Ich bin über einen Diskussionsbeitrag und Kommentarelesen zum Thema Nähblogs mit Schwerpunkt Verarbeitung hier gelandet und werde bestimmt regelmäßig reinschauen. Mir gefällt dein Blog sehr gut, weil ich selbst intensiv daran arbeite, gute Passform und saubere Verarbeitung zu erreichen und mich freue, wenn ich neben der Theorie in den Büchern auch lebendige Inspiration finde.

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  6. Sewing Anne 29. Juni 2016 / 14:39

    Hello Formspielerin,

    I absolutely like your blog – interesting and inspiring. Despite not being a native speaker, thanks to the illustration I still get the point.

    All the best,

    Sewing Anne

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