Prada-Stil analysiert

Zu diesem Ensemble aus Leinen habe ich mich durch den MeMadeMittwoch-Blog inspirieren lassen.

Dort und auch anderswo finden immer wieder so genannte Sewalongs statt, die dazu aufrufen zu einem bestimmten Thema zu nähen. Diese Erklärung ist nur für Personen, die MeMadeMittwoch noch nicht kennen und anders zu meinem Blog  gefunden haben. Obwohl ich offiziell nicht dabei war, weil ich zum Zeitpunkt der Ankündigung noch nicht selbst gebloggt habe, habe ich etwas für mich kreiert.

Nun also war das italienische Modelabel Prada Quelle neuer Ideen. Prada ist eigenwillig, die Farben sind irgendwie abseitig, als wenn man eine Natur vorfände, die ewig nass im Schatten läge, moosbewachsen, glitschig und mit viel Getier. Der sich schon gebildete Begriff des Prada-ugly, hässlich eben, beschreibt die ungewohnte Mischung der oft dunklen Farben, aus denen gelegentlich das Orange eines Feuersalamanders hervorblitzt, recht gut. Der Stil lässt mit viel groben Materialien und einfachen Formen die Frauen, die ihn tragen, zart wie aus einem Panzer herauslugen. Vielleicht können wir mit der Imagination einer rauen Natur mitteilen in welchem Leben wir uns befinden und dass wir ihm gewachsen sind? Die Kleidung, die Haut oder den Panzer tragen wir so, wie das Klima sie formte.

Mit diesen Assoziationen hätte ich eigentlich zu anderen Entwürfen kommen können (auch später noch), mich interessierte jedoch anfangs mehr die technische Umsetzung der überweiten Jacken mit den akzentuierenden Streifen, die ich hier bei der Frühlingsschau gesehen hatte.

Wie haben sie es gemacht diese Weite zu erhalten, obwohl nichts eingesetzt zu sein schien wie z.B. ein Godet?  – Und was ist an einer offensichtlich nicht passenden Jacke schön? Betonung weiblicher Formen vielleicht? Muss man wollen… Egal, wer nicht viel hat, gibt gern.

Aus dem Versuch dieses nachzubauen, entwickelte sich eine Kombination aus Shirt und Schlaghose. Die Weite des Oberteils sollte sich an der Hose noch einmal wiederholen. Mit dem Pradastil hat es nur noch bedingt viel zu tun. Die Farben und die Verwendung von Animalprintstoff sind gegeben, der Eindruck jedoch soll fröhlicher sein.

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Ich habe es bei meinem Shirt so gemacht, dass ich den großen Brustabnäher meines selbstkonstruierten(!) Grundschnittes erst einmal nach unten verlegt habe und dort offen gelassen habe. Das reichte noch nicht aus. Und so habe ich die gesamte vordere Mitte etwas ausgestellt und auch an der Seite etwas zugegeben. Der Witz an der Sache ist nämlich der, dass die vordere Mitte im Schnittmuster eben nicht senkrecht verläuft, wie man es üblicherweise kennt, sondern schräg. Die Streifen liegen genauso wenig senkrecht, sie sollen nur etwas anderes suggerieren. Das ist ein hübscher Designerscherz, der bei Pradas Jacken vielleicht noch deutlicher wurde, weil sie etwas länger sind.Pradastilskizze1

Zum besseren Verständnis habe ich noch eine kleine Skizze angefertigt.

Der Rücken ist in normaler Weite geblieben, legt sich aber wie man sieht locker. Es gibt keinerlei sichtbare Abnäher. Der Schulterblattabnäher ist zwischen dem zweiteiligen Halsausschnittstreifen, der mit Knopf und Schlinge geschlossen werden kann, und dem Hauptteil versteckt. An allen anderen Stellen des Outfits ist der Musterstoff appliziert.

 

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Das Armloch ist vertieft, der Ärmel erweitert und ausgestellt. Vorderteil und Ärmel mussten abgesteckt werden und haben nun einen gebogenen Saum. Orientierung war die Profilansicht. Obwohl es vielleicht nicht so aussieht, das Oberteil ist ungekürzt taillenlang.

Und damit man bei aller Lässigkeit nicht soviel Unterwäsche sieht, ist die Hose dort um 5,5 cm gerade verlängert. Auf 11 cm Bundbreite habe ich mit Bügelleinen verstärkt. Shirt und Hose sind mit Futterstoff verstürzt, der unsichtbar von Hand gesäumt oder an den Abnähern befestigt ist. Die seitlich mit Reißverschluß zu schließende Hose ist ohne Schuhe bodenlang und schon mit mäßig hohen Schuhen streckt sie ungemein. Die Hosenbeine sind am Knie leicht verengt und kommen am ausgestellten Saum auf 60 cm Umfang.

strecktÜbrigens habe ich mich für ein dunkles Braun als Farbe entschieden anstelle des fast schon obligatorischen Schwarz, das mir anfangs im Sinn war, weil es mir einfach besser steht. Der schwarzbraune Leinenstoff ist von mittelschwerer Qualität. Der Leopardenstoff, ich traue mich fast nicht es zu sagen, ist übrig geblieben vom Faschingskostüm des Kindes. Hier findet er nun noch Verwendung für Damenkleidung.

Nicht nur, dass ich dem Prada-Design-Rätsel auf die Spur gekommen bin, es ist  auch ein schönes Outfit für den Sommer für mich dabei abgefallen. Ich freue mich, dass mir das so gelungen ist.

Was andere Nähbegeisterte heute zeigen wollen, seht ihr hier bei MeMadeMittwoch.

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4 Gedanken zu “Prada-Stil analysiert

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